Deutsche Hacker lassen Paris leuchten
27.09.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Blinkenlights 2: Die Mona Lisa als Computer-Licht-Installation
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach der «Blinkenlights»-Installation, die aus einem Hochhaus in Berlin ein riesiges Display machte, ist jetzt die französische Hauptstadt dran. Illuminiert wird die Nationalbibliothek.
Der Chaos Computer Club (CCC) gönnte sich zu seinem 20-jährigen Bestehen im Jahr 2001 ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk: Das so genannte «Haus des Lehrers» am Berliner Alexanderplatz wurde in eine riesige elektronische Anzeigetafel verwandelt. Technisch möglich wurde dies, in dem in den oberen acht Etagen des Hochhauses in jedem Fenster jeweils eine schnell schaltbare Lampe samt Relais und vielen, vielen Kabeln installiert wurde.
Riesen-«Pong» per HandyDrei Computer, denen man auch von außen neue Symbole schicken konnte, steuerten in Berlin die Installation. So war es sogar möglich, das Kultspiel «Pong» per Handy zu spielen oder seiner Liebsten einen Liebesgruß auf das Display zu senden. Die Installation, nach Hacker-Jargon «Blinkenlights» benannt, lief zwischen September 2001 und Februar 2002 und war ein großer Erfolg. Nun wird das in Projekt fortgesetzt - technisch deutlich optimiert. Schauplatz ist diesmal Paris.
Gigantische Blinkenlights in Paris Kannte das Hochhaus-Display in Berlin nur 8 mal 18 «Pixel» und den binären Zustand Fensterlicht an oder aus, kann das neue «Blinkenlights»-Projekt mit Namen «Arcade» deutlich mehr. Installiert zum Kunst- und Kulturfest «Nuit Blanche», durften sich die Hacker vom «Blinkenlights»-Team auf einen der Türme («T2») der französischen Nationalbibliothek stürzen. Die Ausmaße der neuen Anzeigetafel sind gigantisch: 3370 Quadratmeter, adressierbar sind nun 20 mal 26 Fenster. Neu ist auch, dass acht verschiedene Graustufen eingestellt werden können.
Mona Lisa so groß wie nieDamit wird aus diesem «größten Computerbildschirm aller Zeiten» (Angabe der Macher) ein Anzeigeinstrument, auf dem durchaus schöne Bilder dargestellt werden können. So macht beispielsweise die «Mona Lisa» eine ausgesprochen hübsche Figur - und auch 3D-Animationen sind möglich. Seit Mittwoch ist Projekt «Arcade» nun sichtbar. Es läuft noch bis zum 6. Oktober. Auch diesmal sind die User zur Beteiligung aufgerufen.
Mit einer eigens entwickelten Software («Arcadepaint») kann man selbst Animationen für das Hochhaus-Display erstellen und dann einsenden. Klassische Games wie Tetris sind per Mobiltelefon möglich. Im Hintergrund von «Arcade» läuft ein Echtzeit-Linux. An Hardware kommen diesmal insgesamt 21 Computer zum Einsatz: Für jede Etage einer, zusätzlich ein Steuergerät.