netzeitung.deUS-Baseball-Verband mahnt Fan-Sites ab

 Herausgeber: netzeitung.de

Tausende von Homepages sind dem US-Nationalsport gewidmet. Einige davon erhielten jetzt Abmahnungen von der Baseball-Liga, weil sie offenbar Markenrechte verletzen. Die Community ist sauer.

Mindestens vier amerikanische Betreiber von Baseball-Fan-Websites erhielten in den vergangenen Tagen Post vom Gericht. Darin hieß es, sie müssten alle offiziellen Logos der amerikanischen Baseball-Liga MLB (Major Leagure Baseball) samt ihrer Mitgliedsvereine von den Angeboten entfernen. Andernfalls drohe eine Klage. Während einer der Betreiber dem nachkam und noch zusätzlich einen Hinweis verfasste, es handele sich bei seiner Website keinesfalls um ein offizielles Angebot, ging eine der gut besuchten Seiten bereits offline.

Der 19jährige Bryan Hoch wolle sich den Mund nicht verbieten lassen, sagte er. Laut Aussagen der MLB richte sich die Kampagne nicht gegen Fans, sondern gegen die «kommerzielle Nutzung von Logos und Marken», um Datenverkehr auf Fremdangebote zu ziehen. Dabei zahlen die Macher der Angebote laut eigener Aussage noch drauf - die Sites seien niemals kostendeckend.
«Fans sollen über Baseball reden»
«Wir sind sehr dafür, wenn Fans im Netz über Baseball reden oder Websites produzieren», so MLB-Vizepräsident und Hausjurist Ethan Orlinsky gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters», «sie sollen sich dabei aber einfach an das Gesetz halten». Dies schließt eine neue Dünnhäutigkeit offenbar mit ein: Einige der jetzt abgemahnten Fansites sind schon seit vielen Jahren aktiv und haben auch MLB-Logos verwendet - bislang ohne jede Beantstandung durch den Sportverband. Gerade deshalb sind viele Fans so sauer, die nun nicht wissen, wie sie reagierne sollen. Gröbere markenrechtliche Probleme gibt es im Zusammenhang mit Fansites nicht nur im Sport. Auch im Bereich von populären TV-Serien ist das Thema aktuell. Besonders kritisch: So manche Show in den USA wird inzwischen durch ihre Internet-Anhänger «gemacht». Wer diese wichtige Zielgruppe vergrätzt, kann mit schlechteren Quoten rechnen.
Abmahnungen gingen nach hinten los
So wollten die Macher von «Star Trek» ein großes Bezahlinhalteangebot aufmachen - und rückten als vorbereitende Maßnahme entsprechenden Fan-Angeboten, die das offizielle Logo verwendeten, ebenfalls per Abmahnung zu Leibe. Böse Foreneinträge zu dem Thema füllen inzwischen ganze Festplatten, während Startrek.net, der Pay-Dienst, von Stars der Raumschiffserie signierte Actionfiguren benötigt, um neue Mitglieder zu werben.

Die Fans informieren sich derweil am liebsten bei inoffiziellen Quellen - die verraten einfach mehr und kennen auch neuesten Klatsch. Eher liberal geht Matt Groening, Macher von «Futurama», mit seinen Web-Fans um. Die dankten es ihm damit, dass sie online eine Protestkampagne gegen die Einstellung der Science-Fiction-Trickserie durch den US-Kanal Fox anstießen.

Für das Web ediert von Ben Schwan