20. Aug 2002 10:18
Die Spezialsuchmaschine Daypop, vom Spieleprogrammierer Daniel Chan aus Los Angeles praktisch im Alleingang aufgebaut, schlägt den großen Konkurrenten auf bestimmten Gebieten um Längen.
Nachrichten-Junkies und «Blogger» sind die Zielgruppe von Daniel Chan. Der Betreiber der Spezialsuchmaschine Daypop konzentriert sein Angebot auf insgesamt 7500 der besten News- und Weblog-Angebote im Netz. Daraus ergibt sich eine deutlich höhere Aktualität bei den Suchresultaten als etwa bei Google. Ein Gespräch.Netzeitung: Herr Chan, wie kamen Sie dazu, Daypop zu starten?
Daniel Chan: Ende 2000 merkte ich, dass ich eine Suchmaschine bräuchte, die immer auf dem neuesten Stand ist. Damals wollte ich die Meinung von anderen zur aktuellen US-Präsidentschaftswahl lesen. Doch zu dieser Zeit brauchten alle Suchmaschinen viele Monate, bis neue Seiten schließen in ihren Ergebnislisten auftauchten. Die Idee hinter Daypop war dann, das «lebendige Web» zu durchsuchen, also die Seiten, die sich sehr häufig verändern. Durch die Konzentration auf bestimmte Angebote geht die Indizierung schnell - und so tauchen auch Artikel auf, die in den letzten paar Stunden entstanden sind.Netzeitung: Können Sie von Ihrer Suchmaschine bereits leben?
Chan: Das wäre schön, aber die Einnahmen aus Werbung sind eher vernachlässigbar. Ich bin aber auch der einzige, der sich um das Angebot kümmmert.
Netzeitung: Hätten Sie gedacht, dass das Angebot so populär würde?
Chan: Es könnte sogar noch populärer sein. Derzeit kommen unsere knapp 7500 User pro Tag vor allem aus der Weblog-Community. Dabei ist Daypop auch eine sehr gute Nachrichtensuchmaschine, was viele Leute gar nicht mitbekommen.
Netzeitung: Denken Sie, dass spezialisierte Suchmaschinen wie die Ihre neben großen Anbietern wie Google exisitieren können?
Chan: Natürlich. Googles große Stärke liegt in der Gesamtabdeckung des Web. Solange man sich als Suche auf einen bestimmten Teilbereich des Netzes konzentriert, wie wir das tun, kann man bessere Resultate und vor allem auch neuere Daten für eine spezielle Zielgruppe liefern. Spezialsuchmaschinen werden den Leuten helfen, das Web besser als Recherchemedium zu nutzen.Netzeitung: Aber Google hat sich ja schon verbessert - die große Suchmaschine kommt inzwischen bei populären Angeboten häufiger vorbei.
Chan: Selbst dann wird man dort beispielsweise keine Resultate bekommen, die nur aus dem Weblog-Segment stammen - oder etwa aus den 1000 Nachrichten-Sites, die Daypop indiziert. Die Resultate werden immer gemischt sein oder nur einen Teilbereich, etwa aus dem englischen Sprachraum, abdecken. Wir filtern zum Beispiel alle Nicht-Nachrichtenseiten aus unseren Ergebnislisten.
Netzeitung: Sehen Sie auch den Trend, dass immer mehr User über Suchmaschinen direkt an ihre Inhalte gelangen?
Chan: Die werden durchaus zum Startpunkt jeder Art von Recherche. Die Mehrheit der Leute wird aber nach wie vor ihren kleinen Teil der Web-Welt immer und immer wieder besuchen, also die Seiten, die sie schon immer gelesen haben. Ich habe beispielsweise «Slashdot» oder «Salon» auch bereits vor Daypop besucht. Die Leute wollen die Nachrichten immer noch direkt zugeführt bekommen, die sie interessieren.
Netzeitung: Die so genannte «Daypop Top 40», die die wichtigsten Links enthält, die die Weblog-Community derzeit bespricht, ist äußerst beliebt. Haben Sie damit gerechnet?
Chan: Ich hatte mir Sorgen darüber gemacht, dass die Inhalte, die es in die Hitliste geschafft haben, durch eine Art Feedback-Effekt noch populärer würden. Das ist aber nicht so. Die Weblog-Gemeinschaft arbeitet offenbar selbst regulierend: Wenn die Leute sehen, dass es etwas in unsere Top 40 geschafft hat, bemühen sie sich explizit, es nicht nochmals in ihr Netztagebuch zu stellen.
Netzeitung: Wie international ist Daypop inzwischen?
Chan: Alle westlichen Zeichensätze werden unterstützt. Wir haben eine gute Abdeckung in Westeuropa, inklusive englischsprachiger Tageszeitungen aus Asien. In Brasilien gibt es zum Beispiel eine große Anzahl an Netztagebüchern, in den Niederlanden auch.
Netzeitung: Herr Chan, wir bedanken uns für das Gespräch.
Das Interview führte Ben Schwan.