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Per Weblog Google überlisten

16. Aug 2002 10:26
In Zeiten, in denen sich das Netz mehr und mehr via Suchmaschinen erschließt, wird die dortige Positionierung immer wichtiger. Stark verlinkte Seiten sind bei Google führend.

Dave Winer, Weblog-Pionier und Erfinder der beliebten Netztagebuchsoftware «Radio Userland», hat derzeit eine langfristige Wette laufen. Insgesamt 2000 Dollar kann er gewinnen, sollte seine Vorhersage eintreffen, dass bei den fünf wichtigsten Nachrichtengeschichten des Jahres 2007 Weblogs die Homepage der «New York Times» ausstechen. Und wo? Bei Google natürlich, wenn man passende Wörter oder Satzteile zu diesen Storys in die Suchmaschine eintippt. Die Grundfrage der Wette: Stehen Weblogs 2007 dann ganz vorne - oder nach wie vor die «Times»? Winer hat bei der Wette einen prominenten Gegner: Martin Nisenholtz, Chef der Online-Abteilung des Blattes. Der meint, dass die Amateure, die derzeit vor allem Weblogs betreiben, kaum bei Google eine derart wichtige Quelle wie seine Zeitung überholen könnten.

Blogger vs. New York Times

Mehr in der Netzeitung:
Die lange Wette von Winer und Nisenholtz ist nicht nur medienpolitisch interessant, sondern auch technisch. Während letzterer offenbar noch meint, Google würde den Ruf seines Blattes weiterhin anerkennen und dessen Website daher höher gewichten, als Seiten von einfachen Bloggern, wendet sich der Trend langsam gegen ihn. Google setzt nach wie vor auf die so genannte «Pagerank»-Technologie - und sollte das auch noch in fünf Jahren der Fall sein, wo von auszugehen ist, hat der «New York Times»-Mann womöglich verloren. Das System, dessen weitere Zutaten von Google so sehr geheimgehalten werden, wie die der Spezialsaucen bei Burger King, schaut sich an, wie häufig eine Seite im Web verlinkt ist - und stellt sie dementsprechend hoch nach vorne. Auf Inhalte wird dabei, zumindest derzeit noch, wenig geachtet: Sind passende Suchwörter und viele Netzverknüpfungen vorhanden, ist man eben Platz 1.

Weblogs schlicht besser vernetzt?

Mehr im Internet:
Noch ist die Website der «New York Times» bei vielen wichtigen Geschichten mit den entsprechenden Suchbegriffen bei Google vor den Weblogs - oft deutlich. Das liegt auch daran, dass die Storys der Zeitung im Netz traditionell viel verlinkt werden - auch und insbesondere aufgrund ihrer hohen journalistischen Qualität. Doch sobald die User verstärkt «bloggen» und diese Quellen als immer wichtiger für sich selbst empfinden, könnte sich das ändern. Zumal selbst kleine Weblogs untereinander massiv verlinkt sind und Googles «Pagerank» damit austricksen können. Wer etwa Teil einer Community wie Antville ist, kommt mit so manchem Suchbegriff, sollte er nicht sehr häufig vorkommen, erstaunlich schnell auf Platz 1. Die Suchmaschine gewichtet ja bislang nicht die Häufigkeit der Seitenabfragen, sondern vor allem die Anzahl der Links. Da kann die «New York Times» noch so viele Besucher haben - die meisten Blogger sind eben besser vernetzt. Auch eine Form von Internet-Medienrevolution.
 
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