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Zensur per Suchmaschine

23. Jul 2002 11:09
Das Ausfiltern von «verbotenen» Begriffen in Web-Suchanfragen nimmt zu. Medienberichten zufolge ist inzwischen auch das Angebot des Marktführers Google betroffen.

«Das Internet interpretiert Zensur als Schaden und umschifft diese.» Diese Aussage des Netz- und Verschlüsselungsveteranen John Gilmore hatte im Netz lange ihre Gültigkeit. Die einfache Idee dahinter: Wenn jemand versucht, eine Information zu verbieten, wird sich schon jemand anderes finden, der sie doch online stellt - und das eben immer wieder und wieder und wieder, bis die Zensoren einfach aufgeben müssen.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen über die gleichen Zugangswege ihre Internet-Inhalte aufrufen, verlieren Gilmores Worte jedoch an Kraft. Dass man das Netz tatsächlich erfolgreich zensieren kann, zeigt das Beispiel China. Dort blockiert die Regierung einfach die großen Verbindungen ins Ausland. Wer in China «Verbotenes» lesen will, muss sich schon einiger Tricks bedienen.

«Schwarze Listen» erstellt

Mehr im Internet:
Suchmaschinen wie Google und ihrer Haltung zum Thema Zensur kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Deutsche Initiativen wie Jugendschutz.net sehen das ähnlich. Die Initiative ist eine Einrichtung der Jugendministerien der Länder, die jugendgefährdende Inhalte aus dem Netz entfernt sehen möchte.

Jugendschutz.net plant einem Bericht des IT-Newsdienstes «Heise Online» zufolge eine «schwarze Liste», die den deutschen Suchmaschinenbetreibern vorgibt, welche Inhalte künftig aus dem Angebot herausgefiltert werden sollen. Zuvor sollen die Betreiber eine Verpflichtungserklärung abgeben. Laut «Heise Online» hätten viele deutsche Suchdienste grundsätzlich Zustimmung signalisiert. Einige arbeiten bereits in Zusammenarbeit mit Jugendschutz.net.

Zensur: Alltag bei Google?

Mehr in der Netzeitung:
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  • Netzprotest erhebt sich vom Bildschirm 08. Apr 2002 09:37
  • Web-Zensur per Suchmaschine ist bereits heute nicht unüblich: Wie der renommierte Journalist und Neonazi-Experte Burkhard Schröder angibt, bekommt man bei der deutschen Version von Google inzwischen bestimmte «braune» Angebote nicht mehr angezeigt. In einem Beitrag für das Netzkulturmagazin «Telepolis» beschreibt er, wie die Suchmaschine auf entsprechende Vorwürfe reagiert habe: «Das ist etwas, was unsere Nutzer so wollten», wird Unternehmenssprecher Nathan Tyler zitiert.

    Das Problem bei alledem: Wo fängt die Zensur per Suchmaschine an - und wo hört sie auf? Laut Schröder gelten beim «Schwarze Liste»-Provider Jugendschutz.net Worte wie «abgespritzt» (Porno?) oder «Wolfsrudel» (Nazi-Slang) schon als sittengefährdend.

    Auch Ebay Deutschland mochte bei seiner Auktionssuche das Wort «Arsch» nicht (die Netzeitung berichtete) - und zensierte prompt harmlose «Haarschneider».

     
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