netzeitung.deBlinde sollen bald auch Quake spielen können

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Quake - Bald auch für Blinde? (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Quake - Bald auch für Blinde?
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bislang blieben Sehbehinderte beim PC-Gaming außen vor - das schnelle Geschehen auf dem Schirm ließ sich schwer in Hörbares verwandeln. Eine junge US-Firma nimmt diese Herausforderung nun an.

Die Zielgruppe ist groß genug: Computerfreaks unter Menschen, die nichts oder nur wenig sehen können, gibt es viele. Sie setzen ihren Rechner als breites Hilfsmittel ein, mit dem sich kommunizieren und Wissen erfahren lässt.

Das klappt im World Wide Web beispielsweise recht gut, so lange Homepage-Bastler daran denken, jedem Bild eine Umschreibung mitzuliefern, damit die von vielen Blinden eingesetzte Software, die Internet-Seiten in hörbare Informationen verwandelt, auch funktionieren kann. Action-lastige Computerspiele, die fast nur aus Bildern bestehen, waren dagegen bislang kaum umzusetzen. Doch auch dieses Problem soll jetzt angegangen werden.

Ein Start-up mit Mission
Wie der «Boston Globe» in der vergangenen Woche berichtete, versucht ein kleines Start-up-Unternehmen aus Northampton in Massachusetts, den Traum zu verwirklichen, dass blinde Menschen künftig zusammen mit sehenden Freunden am Rechner spielen können.

Die Firma namens Zform entstand als College-Idee: Gründer Jeremie Spitzer unterhielt sich mit einem sehbehinderten Mitstudenten, der genauso wie er ein PC-Freak war. Wie, fragten sich beide, kommt es eigentlich, dass es keine Games für Blinde gibt? Man müsste doch nur einen Weg finden, guten Ton zu generieren, damit die Orientierung stimmt - mehr nicht. Aus der Idee wurde schließlich ein Geschäft.

«Quake» auch für Blinde
Inzwischen hat das kleine Unternehmen auch schon ein erstes, wenn auch noch sehr einfaches, Produkt: Ein Pokerspiel, das sich gleichzeitig an Sehende wie an Blinde richtet - beide Parteien haben die selben Chancen.

Etwas viel Interessanteres schlummert dagegen noch in den Labors von Zform: Ein Prototyp einer Blindenversion von «Quake», dem Ego-Shooter schlechthin, bei dem man seine Gegner durch ein reich bebildertes Labyrinth jagt. Jeder Gegenstand in dem Spiel, beispielsweise Waffen, gibt dabei einen charakteristischen Ton ab. Gänge links oder rechts spürt der Gamer schlicht durch ein leichtes Luftzuggeräusch auf der richtigen Seite.

Weltweites Online-Gaming
Notwendig, um erfolgreich zu spielen, sind daher Kopfhörer. Doch die tragen auch sehende Gamer gerne, um sich noch intensiver auf das Spielerlebnis konzentrieren zu können. In ersten Tests zeigte sich, dass blinde Menschen nach kurzer Einarbeitung tatsächlich die gleichen Chancen haben, wie ihre sehenden Freunde.

Zform plant eine ganze Reihe von weiteren Spielen. Genutzt wird dabei auch das Internet - dadurch kann man weltweit gemeinsam zu neuen Games aufbrechen. Geplant ist auch, die im Hause entwickelte Technologie nicht nur Sehbehinderten anzubieten: Gut nutzbare Tonschnittstellen helfen eigentlich jedem, zu Rechnern besseren Zugang zu finden.


Für das Web ediert von Ben Schwan