netzeitung.deDänisches Gericht verbietet Hyperlinks

 Herausgeber: netzeitung.de

Im Link-Streit zwischen dem dänischen Zeitungsverlegerverband und dem Internet-Recherchedienst Newsbooster ist eine vorläufige Entscheidung gefallen. Netzverknüpfungen können demnach verboten werden.

Es ist eine Entscheidung von historischer Tragweite: Hyperlinks, die Netzverknüpfungen, die den Charakter des World Wide Web seit seinen Anfängen prägen, galten bislang als frei verwendbare Standardtechnologie. Jeder durfte jeden verlinken - es handelte sich dabei ja schließlich nur um einen Verweis auf eine Quelle irgendwo auf einer anderen Seite im weltweiten Datennetz.

Seit Freitag ist das - zumindest in Dänemark - nicht mehr der Stand der Dinge: Eine Einstweilige Verfügung, erlassen von einem Gericht in Kopenhagen, verbietet dem Internet-Recherchedienst Newsbooster, Meldungen auf den Websites dänischer Zeitungen direkt zu verlinken. Deren Argument, dem der Richter folgte: Die Links würden das Copyright verletzen. Newsbooster, ein kostenpflichtiger Service, mache mit der «Urheberrechtsverletzung» auch noch Geld. Argumente, Hyperlinks seien im Web Usus, lies der Richter nicht zu.
Umgehung der Titelseiten
So genannte «Deep Links», die Newsbooster bislang verwendet, sind den dänischen Zeitungs-Websites ein Dorn im Auge, weil diese die mit viel Werbung bepackten Titelseiten (Homepages) umgehen und direkt zur entsprechenden Meldung führen. Man versuchte deshalb schon seit einer ganzen Weile, dem Dienst ein solches Vorgehen zu untersagen.

Grundsätzlich werden damit auch Suchmaschinen inkrimiert, deren Technik darauf basiert, Treffer innerhalb von Websites zu finden - nicht nur auf deren Startseite. Der dänische Zeitungsverlegerverband beeilte sich aber zu betonen, dass man diese mit seinem Vorgehen nicht meine. Nur wer wie Newsbooster systematisch und gegen Geld verlinke, solle verfolgt werden. Das Problem: Eine Art von Verlinkung zu verbieten, eine andere jedoch nicht, macht die rechtliche Lage sehr unsicher.

Berufung noch offen
World-Wide-Web-Erfinder Tim Berners-Lee hatte in der Vergangenheit betont, dass es nicht zu Klagen wegen Links kommen dürfe: «Sonst haben die Leute Angst, die Technik überhaupt noch zu verwenden.» Newsbooster-Chef Anders Lautrup-Larsen sagte, dies sei nicht nur ein trauriger Tag für seine Firma, sondern für das gesamte Internet: «Das Rückgrat des Netzes erlebt einen Angriff, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben.»

Der dänischen Zeitungsverlegerverband zeigte sich erfreut über die Entscheidung. Direktor Ebbe Dal sagte am Abend gegenüber der Netzeitung, es sei «keineswegs verrückt, Diebstahl zu vermeiden», wie er von Newsbooster (mit dem systematischen Verlinken) begangen werde. Gegen «normale» Deep Links habe der Verband nichts. Ob man künftig möglicherweise auch Nachrichten-Suchmaschinen verklagen werde, wollte Dal nicht sagen: «Wir bleiben erst einmal bei diesem Fall.» Bei Newsbooster will man die Entscheidung des Richters nun studieren und dann entscheiden, ob man eine höhere Instanz anruft.


Für das Web ediert von Ben Schwan