WLAN in der Jacke05. Jul 2002 07:56  | Smart-Wear: Bedienung. | Foto: smartwear.de |
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Clevere Klamotten, die die Computertechnik gleich mitliefern, werden immer raffinierter. Fraunhofer-Forscher bauen nun auch drahtloses High-Speed-Internet in diese so genannte «Smartwear» ein.
Journalisten als Versuchskaninchen: Wenn am Freitag in Bochum-Wattenscheid die deutschen Leichathletikmeisterschaften beginnen, laufen insgesamt 35 Reporter mit ganz besonderen Westen herum. Die stammen aus den Labors des Fraunhofer Instituts für Software- und Systemtechnik in Dortmund - und enthalten neben einem hoffentlich den schlechten Wetterbedingungen angepassten Futter ein ganz besonderes Innenleben. Kleine PDAs Marke Palm haben die Forscher in ihnen untergebracht - samt Empfänger für drahtloses Internet nach dem Hochgeschwindigkeitsstandard WLAN (Wireless Local Area Network). Der Netzwerkausrüster Cisco will die passende Basisstation aufstellen, Inhalte kommen unter anderem vom Sportinformationsdienst Sid. Was das alles wird? Die mobilen Pressekollegen sollen auch unterwegs jeweils mit neuesten Informationen versorgt werden - und damit ihre Arbeit erleichtert bekommen.
Sportreporter bleiben informiert
Der Feldversuch hat ganz praktische Hintergründe. Bei derartigen Events passiert sehr viel parallel, Journalisten können aber eben nicht überall gleichzeitig sein. Dank Jacken-PDA und Online-Verbindung werden sie aber ständig auf dem Laufenden gehalten, ob es neue Pressekonferenzen, Terminänderungen oder spannende Ergebnisse gibt, über die es sich zu berichten lohnt. Das Lohrheide-Station in Wattenscheid wird so zum Schauplatz eines der größten «Mobile Reporting»-Feldversuche - und dank WLAN dürfte die Nutzung im Gegensatz zu ähnlichen Tests, die auf der langsameren Mobilfunktechnologie GSM aufsetzten, tatsächlich angenehm funktionieren. Sehr aufregend sehen die WLAN-Jacken aber nicht aus: Es handelt sich um ärmellose Überzieher, an deren linker Seite ein Palmtop baumeln. Den können die Reporter ständig greifen und wie gewohnt mit einem Stift bedienen, wenn sie ihn benötigen.
Sorgsam abgedichtetes Täschchen
Die Reichweite der Technik - der Palm-Computer ist sorgsam abgedichtet in ein Täschchen eingelassen - soll etwa einen Kilometer rund um die Sportanlage betragen. Dafür, dass nur passende Informationen auf das kleine Display gelangen, soll eine so genannte Informationslogistik sorgen. Die sei aber noch zu verfeinern, hört man projektintern. So ist es offenbar gar nicht so einfach, jedem einzelnen Reporter genau das an Informationen zu liefern, was er wirklich braucht. Die sinnvolle Einteilung des «Contents» ist eine größere technische Herausforderung, als WLAN-Technik und der tragbare Minirechner, die inzwischen durchaus handelsüblich sind. Letzlich will man, so das Dortmunder Fraunhofer Institut, einen «digitalen Kumpel» generieren, der immer mit den richtigen Inhalten zur Stelle ist. Der in seiner Größe eingeschränkte Palm-Bildschirm eignet sich auch nicht so recht, um in riesigen Archiven zu blättern. Die «just in time»-Information ist da viel besser.
Der Minirechner ist ständig dabei
 | Smart-Wear: Der digitale Begleiter. | Foto: smartwear.de |
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Sollte die Premiere bei der Leichtathletik-Mark ein Erfolg werden, könnten schnell weitere Anwendungstests folgen. Ihre Einarbeitung in ein Kleidungsstück macht die ständige Verfügbarkeit der Technik möglich. Teilnehmern bei Events einen tragbaren Minirechner in die Hand zu drücken, ist allerdings nicht wirklich neu: Beim letzten Weltwirtschaftsforum in New York bekamen die hochrangigen Gäste Handhelds mit Windows-Technologie zur Verfügung gestellt - und hatten prompt Probleme, auch im örtlichen Netz eingewählt zu bleiben. Die Besucher legten die Geräte daraufhin genervt weg - «Smartwear»-Träger, deren Palm nichts oder nur etwas falsches anzeigt, müssen womöglich frieren, wenn sie die dann unnütze WLAN-Jacke ausziehen.
Für das Web ediert von Ben Schwan |