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Das Weblog-Biotop

20. Jun 2002 09:09
In letzter Zeit werden auch im deutschsprachigen Raum die Netztagebücher
immer beliebter. Eine der beliebtesten Communitys nennt sich Antville. Ein Gespräch mit den Machern.

Kommentierte Linksammlungen, Gedanken zum Tag, Netztagebücher: Was ein «Weblog» wirklich ist, wissen selbst seine Ersteller nicht immer ganz genau. Fakt ist nur, dass die einfach im Browser zu aktualisierenden und auch für Einsteiger leicht zu erstellenden Netzangebote immer beliebter werden - in der «Szene» gehören Weblogs inzwischen gar einfach zum guten Ton, um seine User bei Laune zu halten.

Mehr im Internet:
Wer im deutschsprachigen Raum nach einer passenden Gemeinschaft sucht, wo er sein Weblog unterbringen kann, stößt nach kurzem Suchen auf Antville.org: Hier lässt sich in wenigen Minuten ein Netztagebuch einrichten und kostenlos ins Web stellen lassen. Die Oberfläche der auf Open-Source-Software aufbauenden virtuellen Gemeinschaft gilt als elegant und simpel zu bedienen und findet immer mehr Fans.

Die Netzeitung unterhielt sich per E-Mail mit Hannes Wallnöfer, Tobias Schäfer und Robert Gaggl, den Machern hinter dem Projekt aus Wien.

Netzeitung: Seit wann gibt es das Antville-Vorhaben und wie kam es dazu?

Antville-Team: Die Idee zu Antville entstand vor etwas mehr als einem Jahr. Zu dem Zeitpunkt hatte «Blogger» [die beliebteste US-Weblog-Software, Anm. d. Red.] mit Finanzierungs- und wegen der stark gestiegenen Userzahlen auch mit Performance-Problemen zu kämpfen, und «Editthispage.com» verweigerte schon seit einiger Zeit die Aufnahme neuer Weblogs. Deshalb waren viele auf der Suche nach einem neuen Weblog-Service, und irgendwie erschien uns der Zeitpunkt günstig, das Projekt zu starten.

Netzeitung: Inzwischen werden mehr als 1000 Weblogs auf ihrem Server betrieben. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Antville-Team: Antville versucht einerseits, den Einstieg in die Welt des Webloggens möglichst leicht zu machen (um ein neues Weblog in Antville anzulegen, braucht es bloß zwei Klicks), andererseits aber das Weblog mit steigenden Bedürfnissen des Besitzers mitwachsen zu lassen: das Design lässt sich vollkommen ändern, das Handling von Bildern und beliebigen Dateien ist sehr einfach, es gibt die Möglichkeit, Umfragen anzulegen... Und Antville versucht die Kommunikation zwischen Weblog-Autor und Leser so einfach wie möglich zu machen. Mit ein Grund für den Erfolg ist aber sicher auch die Stabilität und Geschwindigkeit des Systems.

Netzeitung: Welche Arten von Sites gibt es? Was sind die Highlights?

Antville-Team: Bei über 1000 Weblogs ist das unmöglich zu beantworten, und viel zu abhängig von persönlichen Vorlieben. Jedenfalls wünschen sich manche schon einen «Stadtführer».

Netzeitung: Wie finanziert sich das Projekt?

Antville-Team: Durch Selbstausbeutung (allgemeines Grinsen). Antville ist
erfreulicherweise sehr wartungsarm, was - inhaltlich gesehen - viel mit den bislang dort angesiedelten Webloggern zu tun hat, und technisch mit der Zuverlässigkeit und Stabilität von «Helma», dem Open-Source-Applikations- Server, auf dem es basiert. Und auch die Hardware-Anforderungen sind erfreulich gering. Die Leistung des Servers, der Antville.org hostet, liegt mittlerweile deutlich unter der eines zeitgemäßen Desktop-PCs

Netzeitung: Wird die Weblog-Bewegung Ihrer Meinung nach über- oder unterbewertet?

Antville-Team:

Mehr in der Netzeitung:
Darüber sind wir uns nicht einig. Einerseits glauben wir, dass das mühelose Publizieren über Weblogs ein gewaltiges Potential birgt, was die Rolle des Einzelnen in der Öffentlichkeit betrifft. Andererseits werden unter dem Begriff Weblog natürlich viel Konzepte und Techniken zusammengefasst, die sich unter anderen Namen über lange Zeit entwickelt haben.

Netzeitung: Verändert sich die Internet-Nutzung durch die Möglichkeit, per Weblog schnell zu publizieren?

Antville-Team: Ja, die Art des Publizierens ändert alles. Ausprobieren!

Netzeitung: Was ist schlussendlich Ihre Motivation?

Antville-Team: Erstes geht es uns um die Entwicklung von Standardsoftware für Weblogs und kleine Websites, zweitens ganz konkret darum, auf Antville.org eine Art Weblog-Biotop zu schaffen.

Das Gespräch führte Ben Schwan.

 
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