US-Mobilfunker im Jugendwahn
17. Jun 2002 09:20
 | | Foto: BritneySpears.com |
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Was in Europa längst selbstverständlich ist, merkt man nun auch in Amerika: Teenager bilden eine attraktive Handy-Zielgruppe. Dort zieren sie sich allerdings noch etwas.
Die Zahl klingt, als könnte sie durchaus noch eine Verbesserung vertragen: Laut einer aktuellen Untersuchung des auf das Jugendsegment spezialisierten US-Marktforschungsunternehmens «Teenage Research» besitzen in Amerika nur 38 Prozent der Unter-24jährigen ein Mobiltelefon.Zwar sollen bis 2004 bis zu 30 Millionen Personen in dieser Gruppe per Handy telefonieren, doch bis dahin scheint es noch ein weiter Weg. Grund genug für die US-Mobilfunkbranche, ihre Werbemethoden von nun an verstärkt auf den Jugendmarkt zu konzentrieren: Man hat Nachholbedarf. Das große Vorbild ist dabei Europa: So normal wie hier ist es in Amerika nämlich bisher noch nicht, wenn schon Schüler in der Pause ihr Handy zücken. Der SMS-Dienst in der bei uns und in Asien gewohnten Form ist in den USA zudem quasi unbekannt.
Chaos bei der Netztechnologie
Das hängt auch damit zusammen, dass die dortige Netztechnologie noch immer anderen Ländern hinterherhinkt: So führt man in Amerika noch immer analoge Gespräche mit so manchem «cell phone» durch. Mindestens drei verschiedene Mobilfunksysteme kämpfen um die Gunst der Konsumenten - das fast im gesamten Rest der Welt gebräuchliche GSM-Verfahren (auf speziellen Frequenzen) gehört zwar inzwischen dazu, ist aber nicht marktführend.Die Gruppe der Teenager gehen US-Mobilfunkfirmen wie Verizon, Sprint oder Cingular auch nur deshalb verstärkt an, weil der Markt der Erwachsenen insbesondere im Geschäftskundenbereich ihnen langsam gesättigt scheint. Trends wie in Europa und Asien wiederholen sich mit einer Verzögerung von zwei Jahren, schätzen Marktbeobachter. Viele «Kids» nutzen parallel auch noch so genannte Pager.
Pager sind noch immer beliebt
Die einfachen Geräte, die sich hier zu Lande nur im Außendienst durchsetzen konnten, trägt man am Gürtel - sie werden per Telefonanruf zum «beepen» gebracht. Wenn Eltern ihren Nachwuchs unter Kontrolle halten wollen, geht das auch mit diesen - und zwar sehr günstig. Um Familien trotzdem auf den Geschmack von Handys zu bringen, setzt man in den USA nun auch auf die hier zu Lande viel benutzten Prepaid-Karten: Telefonminuten werden im Vorhinein bezahlt.Zudem gibt es Kombi-Angebote, bei denen der regulären Rechnung der Eltern noch Zweitgeräte für die Kinder beigeordnet werden. Im Gegensatz zu Europa bezahlt man in den USA übrigens immer, egal ob man angerufen wird oder jemanden anruft: Die so genannte «Airtime» tickt unerbittlich. Tarife mit vielen Freiminuten laufen daher gut.
HipHop-Songs und Britney Spears
Um die Teenys zum Kauf eines Handys samt Vertrag zu bewegen, setzt man zunehmend auch auf die im Rest der Welt beliebten Klingeltöne: HipHop-Songs wie die der Kombo «Mobb Depp» feierten gar ihre Premiere als Rufsignal. Parallel dazu versuchen sich Pop-Sternchen wie Britney Spears ebenfalls am mobilen Marketing: Ihr Fanclub gibt einen speziellen Handy-Dienst heraus, mit dem die Anhänger auf dem Laufenden gehalten werden.Ob das Klingelgeräusch von Nokia und Co. in diesem Sommer in den USA tatsächlich bestimmender «Sound» bei den jungen Leuten in den Einkaufs- und Freizeitzentren wird, wie das Silicon-Valley-Blatt «San Jose Mercury News» letzte Woche mutmaßte, muss sich aber erst noch zeigen. Dort fragt man noch zu oft nach dem Sinn des Handys, wenn noch nicht genügend Freunde ebenfalls eines haben.
Für das Web ediert von Ben Schwan