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Google hat Ärger wegen Scientology

22. Mrz 2002 09:25
Banner auf Anti-Scientology-Homepage
Google strich auf Druck der Sekte Anti-Scientology-Sites aus dem Suchverzeichnis. Diese sollen angeblich das Copyright der Sekte verletzt haben. Bürgerrechtler protestierten.

«Diese Site wird von Google.com zensiert.» Andreas Heldal-Lund, der von Norwegen aus eine breite Anti-Scientology-Homepage betreibt, auf der nun dieser großer Banner prangt, weiß, wie man auf eine Problematik aufmerksam macht. Seit kurzem wird sein Angebot namens Xenu.net samt einiger Spiegel-Server von der wichtigsten Suchmaschine dieser Erde nicht mehr erfasst.

Suchmaschine löscht Scientology-Kritiker

Google drohten womöglich größere Klagen wegen der Verletzung von Copyrights, sollte der Netzdienst das Sekten-kritische Angebot weiterhin in seinem Verzeichnis, dem so genannten Index, führen. All dies setzte man Heldal-Lund in einem offiziellen Brief auseinander. Der bezeichnet dieses Vorgehen schlichtweg als «Zensur» und sorgte dafür, dass die Web-Gemeinschaft von dem Vorgang Wind bekam.

Scientology ist laut Angaben amerikanischer Netzbürgerrechtler wie der «Electronic Frontier Foundation» (EFF) bekannt dafür, Kritiker im Web mit dem Vorwurf der Verletzung von Urheberrechten mundtot machen zu wollen. Der so genannte «Digital Millenium Copyright Act» (DMCA), der noch aus der Clinton-Ära stammt, vereinfacht diesen Prozess in den USA.

Vereinfacht Copyright-Gesetz Zensur?

Eine Notiz an den entsprechenden Provider - oder in diesem Fall: eine Suchmaschine, die derartige Seiten in ihrem Index vorhält - reicht aus, um entsprechende Löschungsaktionen einzuleiten. Amerikanische Websites, auch die von Google, müssen eine spezielle «Abuse»-Seite vorhalten, auf der ein potenzielles Piraterie-Opfer seine direkten Ansprechpartner findet.

In diesem Fall hatte Google nur etwas vorschnell reagiert: Zusammen mit den fraglichen Seiten, die laut Meinung von Scientology ein «Copyright-Infringement» darstellten, wurde auch gleich noch die Startseite von Xenu.net aus dem riesigen Verzeichnis der «Search Engine» gelöscht. Die ist inzwischen wieder erreichbar.

Verärgerte User griffen zur Selbsthilfe

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Verärgerte User griffen unterdessen zur Selbsthilfe: Mit der neuartigen Methode des «Google Bombing», mit der nach Angaben des US-Online-Magazins 'Corante' die eigentlich als manipulationssicher geltende Suchmaschine zu eigenen Gunsten verändert werden kann, sorgten sie dafür, dass die Kritikerseite auf Platz 4 in der Trefferliste landete, wenn man als Suchbegriff «Scientology» eingibt.

Bei Google versucht man unterdessen, den Image-Schaden so klein wie möglich zu halten, obwohl die 'EFF' gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters meinte, die Suchmaschine habe keinesfalls so schnell auf die Bitte von Scientology reagieren müssen. Die Affäre zeigt einmal mehr die Macht, die der Anbieter hat: Viele User «sehen» das Web nur noch durch Google - kennt die Suchmachine Seiten nicht oder werden diese gelöscht, sind sie auch für den Nutzer schlicht nicht vorhanden.


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