13. Mrz 2002 14:52
Chefs ärgern sich über Mitarbeiter, die Porno oder Glücksspiel-Seiten während der Arbeit nutzen. Auf der Cebit gelten daher «Inhalte-Sicherheitslösungen» als Megatrend.
Die von Siemens unterstützte Firma Webwasher (Werbespruch: «Halte Dein Web sauber») zeigt in Hannover (Halle 6, Stand G18) ihre Produkte aus dem Bereich «Internet Content Filtering». Die Software von Siemens setzt gar Bilderkennungsroutinen ein, um geschmacklich streitbares Material zu erkennen. In Nordrhein-Westfalen, wo der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow mit einer spektakulären Sperrungsverfügung von «illegalen Websites» bei örtlichen Internet-Providern für Wirbel sorgte, wird die Webwasher-Technik gerade in größeren Maßstab getestet.
Eine Vorführanlage an der Universität Dortmund, die mit zwei weiteren Partnern aufgebaut wird, soll dort den Studenten demnächst ein klinisch reines Internet garantieren. Doch erst wird wissenschaftlich getestet, ob das Vorhaben technisch überhaupt funktioniert.
Wer aber meint, Webwasher oder Smartfilter würden nur zum Filtern am Arbeitsplatz unappetitlicher Inhalte eingesetzt, sieht sich getäuscht: Die Technik kann auch dafür sorgen, dass sich die User nicht auf Seiten aufhalten, die nichts mit ihrem Job zu tun haben. Den Firmen kommt die offene Struktur des Internet zu Hilfe: Wenn man seine Daten nicht explizit verschlüsselt, ist alles an den Netzknoten mitles- und filterbar. Die Online-Initiative ODEM, die den Düsseldorfer Regierungspräsidenten Büssow wegen «Datenunterdrückung» erfolglos anzeigte, will weiterhin für ein Web ohne Zensur kämpfen.