Sega: Raus aus dem Konsolengeschäft, rein in die Gewinnzone
06. Mrz 2002 13:05
 | Frech wie immer: Segas Sonic | Foto: toyopia.com |
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Seitdem Sega keine Videospielhardware mehr herstellt, sondern der ehemaligen Konkurrenz Software liefert, geht es mit dem Unternehmen wieder bergauf.
Es wäre ein Verlust für die Videospiel-Industrie gewesen, wenn der harte Konkurrenzkampf mit Nintendo und Sony den Videospielhersteller Sega die Existenz gekostet hätte. So aber ist mit der Verschiffung des letzten Spiels für die Sega-Konsole Dreamcast, «Jet Grand Radio Future», in diesem Monat der harte Kampf ums Überleben im Videospiel-Hardwaregeschäft für Sega ausgestanden.Das Unternehmen zieht sich aus dem Konsolenmarkt zurück und wird in Zukunft als reiner Softwarelieferant für die ehemalige Konkurrenz arbeiten. Eine Konsequenz daraus, dass die Spielekonsolen, die im Schnitt nur ungefähr fünf Jahre im Handel und dann veraltet sind, in der Regel unter dem Herstellungspreis verkauft werden und das Geschäft hauptsächlich über die Software abgewickelt wird.
Das bekannteste Symbol seit Pac-Man
Der Igel Sonic, der Super Mario von Sega, ist die größte Errungenschaft der Firma und das einzige Maskottchen, dass Nintendos Mario Konkurrenz machen kann als bekanntestes Symbol der Branche seit Pac-Man. Sonic hat nicht nur Millionen von Spielen verkauft und brachte das Sega-Megadrive in Millionen von Haushalten, sondern landete auch auf Bettwäsche, Spielsachen, Frühstücksboxen und bekam sogar seine eigene Cartoon-Sendung.
Nicht erfolgreich genug im Hardwarebereich
Der Erfolg im Softwaresektor ist also unumstritten. Trotzdem entschließt sich Sega, dem Beispiel Ataris zu folgen, und in Zukunft Konsolengeschichte zu sein, denn der Hardwareerfolg war nicht beständig genug. Mit dem Sega-Megadrive gelang der einzig wirklich große Erfolg zu Anfang der 90er Jahre. Um die Laufzeit der Konsole zu verlängern, brachte Sega noch diverse Erweiterungen wie ein CD-Laufwerk auf den Markt, die aber teuer waren und sich als Mißerfolg herausstellten. In der Zwischenzeit holte der Konkurrent Nintendo wieder auf. Sega beeilte sich die 32-Bit-Konsole Saturn eilig fertig zu stellen, scheiterte jedoch gegen die Playstation von Sony und das Nintendo 64, nicht zuletzt wegen der grauenhaften Programmierung, gnadenlos.
Problemkind Dreamcast
 | War nicht gut genug: Die Dreamcast-Konsole von Sega | Foto: tahitiplanet.com |
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Für den Launch der nächsten Konsole, der Dreamcast, engagierte Sega die Branchenikone Bernie Stolar. Im Gegensatz zur Saturn war sie leicht zu programmieren und erst einmal interessant. Leider bedeutete das auch, dass die Grafik nicht auf dem neuesten Stand war und als Sega gerade 98 Millionen Dollar durch Hard- und Software Verkäufe eingenommen hatte, kündigte Sony mit der Playstation 2 einen Prototyp an, der die Grafik der Dreamcast nach Kohlezeichnungen aussehen ließ, und ausserdem einen DVD-Player hatte. Seit sie auf den Markt kam, dominiert sie diesen dann auch erwartungsgemäß.Als dann auch noch Microsoft angekündigte mit der X-Box ins Konsolengeschäft einzusteigen, warf Sega das Handtuch und kündigte im Januar 2001 an, die Produktion der Dreamcast einzustellen und aus dem Hardwaregeschäft auszusteigen.
Konkurrenz für den Platzhirsch
Sonic feierte jetzt seine Wiederauferstehung mit den Spielen «Sonic Advance» und «Sonic Adventure 2» für den Gameboy Advance beziehungweise den Gamecube von Nintendo. Diese sind jedoch nicht die ersten Sega-Spiele, die seit dem Kurswechsel auf einer anderen Konsole erschienen. „Super Monkey Ball“ kam zusammen mit dem Game Cube in Japan und den USA auf den Markt und „Rez“ läuft auf der Playstation 2. Die „2K“-Sportspieleserie kommt jetzt sowohl für die PS2 als auch für die X-Box heraus und bald auch auf dem Game Cube. Der momentane Sportspielemarkt-Platzhirsch Electronic Arts gerät in Bedrängnis.
Unschlagbares Team
Bei Nintendo ist man sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit Sega, dem ehemaligen Erzfeind. US-Nintendo-Sprecher Perrin Kaplan sagte gegenüber der «Chicago Tribune»: «Wir waren Konkurrenten und der enorme Kampfgeist, den wir in Anzeigen, Präsentationen und so weiter demonstrierten zeigt, dass beide Unternehmen das Zeug haben zu gewinnen. Wenn wir am selben Strang ziehen, sind wir unschlagbar.»
Für das Web ediert von Julia Niemann