Österreich: Posse um Links
05.03.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Das weiß doch jedes Kind: Das Internet wird von Verknüpfungen, so genannten Hyperlinks, zusammengehalten. Wer die setzte, machte sich bislang um Gebühren keine Sorgen. Bis zu diesem Streitfall in der Alpenrepublik jedenfalls.
Die Meteodata Wetteranalysen GmbH aus Attnang-Puchheim in Österreich kommt einer wichtigen Aufgabe nach: Sie sagt das Wetter voraus und stellt die Ergebnisse unter anderem ins Internet oder bietet sie Medien in aller Welt an. Doch von den Grundlagen des Netze haben die Meteorologen offenbar eine ganz eigene Vorstellung: «Die Zeiten sind vorbei, in denen einfach hin und her gelinkt wurde, wie man will», sagte Meteodata-Marketingchef Rene Hellwig gegenüber dem «ORF».
Links für 1000 bis 10.000 EuroDiese von Netz-Experten mindestens als «merkwürdig» bezeichnete Annahme der Firma führte nun dazu, dass laut einer Meldung des österreichischen Rundfunks zahlreiche kleinere Unternehmen und Vereine Abmahnungen erhielten, weil diese Links auf die Seiten von Meteodata gesetzt hatten. Dabei habe es sich um einfache Verknüpfungen im neuen Fenster gehandelt - nicht etwa um so genannte «In-Frame-Links», die im eigenen Rahmen erscheinen und als Inhalte-Klau verpöhnt sind. Kostenpunkt für die Meteodata-Links: 1000 bis 10 000 Euro, offenbar nach Nutzungsdauer und Nützlichkeit der Verknüpfungen gestaffelt.
Leistungen «unerlaubt genützt»Die Leistungen seien «unerlaubt genützt» worden, hieß es in einem beiligenden Schreiben samt Rechtsbelehrung und Rechnung. Zumindest laut den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Firma hat die Sache Hand und Fuß: «Bei einer gewünschten Verlinkung zur Meteodata-Homepage ist vorher das Einverständnis der Meteodata GmbH einzuholen», heißt es dort. Für die Firma sei eine Verlinkung bereits eine Nutzung des eigenen Contents, wie sie gegenüber dem ORF sagte. Außerdem sei ja ein Link auch mit Datentransferkosten verbunden, die man nicht selber tragen wolle.
Sägen an den Grundlagen des WebDas mag schon stimmen: Allein, wenn alle so vorgingen, würde eine der wichtigsten Grundlagen des World Wide Web zerstört. Der österreichische
Internet-Ombudsmann bei der Wirtschaftskammer soll die Sache nun klären: Sowohl eine «Kulanzlösung» als auch ein Musterprozess stünden im Raum. Derzeit wird der Fall in einem Netzforum heiß diskutiert. Die Meinungen reichen vom «virtuellen Raubrittertum» bis hin zu Tipps, auf welche Wetterseiten im Internet man noch kostenfrei verlinken könne.