01. Mrz 2002 11:54
Die Web-Reklamebranche leidet weiter an der Internet-Krise. Clevere Methoden sind daher gefragt. Ein NZ-Gespräch über bezahlte Links in Suchmaschinen.
Netzeitung: Herr Klaus, Ihre Firma gilt derzeit in der darbenden Internet-Werbeszene als eine Art Heilsbringer - trotz anhaltender «Dot-Com»-Tode schreibt zumindest die US-Mutter der frisch gegründeten Overture Deutschland schwarze Zahlen. Was machen Sie denn bitte anders als andere Verkäufer von Web-Reklame?Manfred Klaus: Das Geschäftsmodell von Overture ist sehr einfach: Unternehmen bieten auf Begriffe und bestimmen durch ihr Gebot ihren Rang in Suchergebnissen. Der Erfolg des Modells liegt vor allem darin, dass es nicht nur einfach, sondern für Unternehmen auch sehr kostengünstig ist - das Mindestgebot liegt bei zehn Eurocent und der Werbekunde zahlt nur, wenn ein Nutzer auch tatsächlich auf einen Link klickt.
Netzeitung: Und die Leute klicken wirklich?
Klaus: Wie unser Erfolg in den USA und in Großbritannien zeigt, klicken die Leute wirklich. Im vierten Quartal des letzten Jahres hat Overture in Amerika 442 Millionen Kontakte zwischen Werbekunden und Nutzern vermittelt. Auch die ersten Tage nach unserem Launch hier in Deutschland waren sehr vielversprechend - auch wenn wir noch keine konkreten Aussagen machen können.
Netzeitung: Bei welchen Suchmaschinen sind Sie inzwischen vertreten - hier zu Lande wie international?
Klaus: In Deutschland haben wir Partnerschaften mit T-Online, AOL, Freenet und Altavista geschlossen. In den USA kooperieren wir unter anderem mit Terra Lycos, Altavista, MSN, Yahoo, Askjeeves und CNET.
Netzeitung: Ihrer Vorgängerfirma, Goto.com, wurde einst gerne vorgeworfen, dem suchenden User nur «gekaufte» Suchergebnisse anzubieten, was den Service für normale Nutzer faktisch wertlos machte. Kann man inzwischen gut unterscheiden, welche der ausgespuckten Links bezahlt und welche «echt» sind?Klaus: Da immerhin 40 Prozent aller Internet-User nach Dienstleistungen und E-Commerce-Angeboten suchen, können wir genau hier Suchresultate von hoher Relevanz bieten. Eine wirklich objektive Suche gibt es nicht, deshalb würde ich auch nicht zwischen bezahlten und «echten» Links unterscheiden, sondern nur zwischen relevanten und nicht relevanten Links.
Unsere Partner kennzeichnen unsere Ergebnisse deutlich: Zum Beispiel mit dem jeweiligen Betrag [der für den Link bezahlt wird, Anm. d. Red.] oder in einer speziellen Rubrik, wie «Sponsored Links» oder «Featured Sites».
Netzeitung: Haben die werbetreibenden Unternehmen Ihrer Meinung nach das Netz inzwischen verstanden?
Klaus: Die Online-Werbung hat heute noch nicht den Stellenwert, den sie aufgrund der tatsächlichen Nutzung des Internet haben sollte. Das liegt auch daran, dass die Werbeformen, die bislang im Internet möglich waren, sich nicht immer als effizient erwiesen haben. Mittlerweile hat die werbetreibende Wirtschaft erkannt, dass sich Print-Formate nicht immer auf das Internet übertragen lassen und von den Anwendern nur teilweise akzeptiert werden. Also müssen neue Formen des Online-Marketing angeboten werden.
Netzeitung: Wieso ist es auch für bekannte Marken so schwierig ,Geld mit Werbung im Netz zu verdienen? Die Zielgruppen sind doch inzwischen «angekommen», wie die Statistiken immer wieder belegen.
Klaus: Gerade in Deutschland verhält sich der Markt zuerst immer sehr abwartend. Das war bei den ersten E-Commerce-Angeboten der Fall und ist auch beim Online-Marketing so. Viele Unternehmen haben auch nicht immer gute Erfahrungen mit Online-Werbung gemacht.