netzeitung.deWeise Worte eines Hacker-Helden

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US-Gefängnisse seien bequem und sauber, Russland fördere keine IT-Talente - und tue außerdem nichts gegen Software-Piraterie: Dmitri Sklyarow, Russlands berühmtester Hacker, spricht.

In einem Gespräch mit der englischsprachigen Zeitung «Moscow Times» äußerte sich Dmitri Sklyarow detailliert zu den Vorgängen um seine Person, die ihn seit dem letzten Sommer zum wohl bekanntesten Hacker seines Heimatlandes gemacht haben.
Elektronische Bücher geknackt
Sklyarow war im vergangenen Jahr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Internet-Szene gerückt, als er auf der Hackerkonferenz «Defcon» in Las Vegas eine Software zur Überwindung des Kopierschutzes von elektronischen Büchern, so genannten eBooks, präsentierte. Der Hersteller Adobe, dessen Verfahren Sklyarow geknackt hatte, ließ Polizisten in Mannschaftsstärke anrücken, um ihn wegen Verstoßes gegen ein US-Copyright-Gesetz verhaften zu lassen. Drei Wochen saß Sklyarow im Untersuchungsgefängnis. Gegen Mitarbeit im Prozess gegen seinen Arbeitgeber Elcomsoft, der die Progammentwicklung finanzierte, durfte er im Dezember endlich nach Russland ausreisen.
Behandlung im US-Gefängniss «okay»
Die US-Gefängnisse, in denen er einsitzen musste, seien aber erträglich gewesen: «Das Essen war okay und es war sauber.» Er habe in Russland bereits als Bauarbeiter gearbeitet, wo die Duschen zwanzig Minuten entfernt gewesen seien. «Im US-Gefängnis war das viel näher und viel bequemer.» Kritik übte er am US-Rechtssystem: «Das ist wie ein Bulldozer, der sich ganz langsam bewegt und sich nicht beeilt, irgendwo anzukommen.» Seine Diplomarbeit, die sich mit dem Knacken des Adobe-eBook-Systems beschäftigt, will Sklyarow weiterschreiben. Nach Amerika will er aber nicht zurück: «Die Gesellschaft dort ist so vorhersehbar.»
Kritik an der russischen Regierung
Der nun prominente Hacker, dem die Sympathie großer Teile der Netzgemeinschaft gehörte, die für ihn Web-Proteste gegen seine Verhaftung veranstaltete, sieht in der derzeitigen Politik der russischen Regierung große Probleme. Sie sei nicht in der Lage, den zahlreich vorhandenen IT-Spezialisten ordentliche Arbeitsbedingungen zu ermögichen. So werde die Abwanderung in andere Länder nicht gestoppt. Im Bereich Software seien die Urheberrechtsgesetze in Russland zu schwach und kaum durchgesetzt. «Meine Programme werden illegal kopiert und verkauft. Wenn niemand zahlt, kann ich davon nicht leben.» Strukturen innerhalb der Verwaltung profitierten gar von der Piraterie.

Für das Web ediert von Ben Schwan