Google, der freundliche Monopolist
20. Dez 2001 14:42
Wer im Netz was finden will, greift zu Google. Und Googles Technik ist mittlerweile auch auf anderen Portalen verfügbar. Es droht ein «nettes Monopol».
Wenn man Anfänger wie Fortgeschrittene im Internet fragt, welche Suchmaschine sie am häufigsten benutzen, bekommt man fast immer die Antwort: Google. Die kleine kalifornische Firma mit der großen Vision, irgendwann einmal alle Suchanfragen nach allen Themen im Internet abzuwickeln, hat sich durchgesetzt. Ohne große Werbung ist sie inzwischen an allen Angeboten großer Medienkonzerne vorbeigezogen.
Neben der reinen Web-Suche erschließt das Angebot inzwischen Bilder und Newsgroups, einen großen thematischen Netzkatalog und vieles mehr: Von der US-Telefonnummer bis zur Adresse. Die Technik setzt sich auf immer mehr großen Websites durch. So erhält man bei Yahoo, sollte eine Suchanfrage nicht im redaktionellen Angebot eine Antwort finden, gleich das Google-Ergebnis durchgereicht. Die Firma verdient also auch am Verkauf der eigenen Datenbank an andere Websites.
Einfache Bedienbarkeit als Verkaufsschlager
«Google gewinnt vor allem wegen seiner für jeden verständlichen Benutzerführung», meint Usability-Experte Jakob Nielsen, der selbst an der Site mitarbeitete, «sowas setzt sich auf Dauer durch». Anfangs hatten viele Konkurrenten über das Angebot gelacht. Als Google 1998 startete, war der große Hype der Portale in vollem Schwung: Unternehmen wie Infoseek, AOL oder Excite ergänzten ihre beliebten Einstiegs- und Suchseiten um immer mehr Funktionen und Inhalte.
Kein Startvorteil wie bei der Konkurrenz
Neben News und Community musste natürlich auch der E-Commerce her. Man wollte davon profitieren, dass viele Internet-Neulinge nicht wussten, wie sie die Homepage in ihrem Browser einstellen konnten. So führt Microsofts «Internet Explorer» seine Benutzer noch immer ohne Umschweife auf die Startseite der Tochterfirma MSN. Und Konkurrent Netscape lebte vor der Übernahme durch AOL jahrelang vom direkten Homepage-Verkehr, den sein Web-Betrachter «Communicator» generierte.
Understatement als Markenzeichen
Google hatte all diese Vorteile nicht. Das Unternehmen lebt statt dessen von Anfang an vom Understatement: Gute Technik, möglichst die meisten durchsuchbaren Seiten, Ergänzung von sinnvollen Features und einfache Bedienbarkeit. Selbst im Bereich der Werbung, dem Hauptumsatzträger, gab man sich von vornherein zurückhaltend: Noch immer kann man bei Google nur Textanzeigen schalten, die bei passenden Suchanfragen erscheinen - ein Trend, der sich nun auch bei anderen Sites durchsetzt.
Monopolisierung
Doch selbst ein Quasi-Monopolist, der von seinen Kunden geliebt wird, hat eine unter Umständen gefährliche Macht. Auch deshalb schauen Marktbeobachter mit Schweißperlen auf jede neue Mitteilung von Google, das Profitabilität bereits erreicht haben will. Andererseits hinterließe, würde Google dem Dot-Com-Niedergang zum Opfer fallen, das ein Vakuum, das nur die mächtigen Medienkonzernen besetzen könnten. Da ist den meisten Usern eine kleine Firma wie Google doch lieber.
Für das Web ediert von Ben Schwan