Russischer Hacker hilft US-Regierung
17.12.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Die Netzgemeinde war empört, als der russische Experte Sklyarow für das Knacken des Kopierschutzes digitaler Bücher während einer Konferenz in den USA festgenommen wurde. Nun darf der russische Programmierer nach Hause.
Es war die erste Verhaftung nach dem unter Experten umstrittenen amerikanischen Urheberrechtsgesetz «Digital Millenium Copyright Act» (DMCA): Dmitri Sklyarow, der für seinen russischen Arbeitgeber Elcomsoft als Experte für den Kopierschutz von digitalen Büchern agiert, wurde bei der sommerlichen Hackerkonferenz «Defcon» in Las Vegas vom Podium festgenommen. Sklyarow saß bis zum August im Untersuchungsgefängnis - zur großen Empörung der Netzgemeinde.
Auf Seiten der amerikanischen AnklägerDer Programmierer, der an einer Software zum Knacken von eBooks mitgearbeitet hatte, kam jetzt durch eine Übereinkunft mit den US-Anklägern frei: Er sagte gegen seine ehemalige Firma aus - und muss so nicht bis zu fünf Jahre in Haft.
Der «Advanced eBook Processor» von Sklyraows Firma passt vor allem der US-Softwarefirma Adobe Systems nicht: Denn mit der Software lassen sich verschlüsselte digitale Bücher im PDF-Format mit anderen Programmen öffnen und auch kopieren. Der kalifornische Hersteller hatte die Behörden auf Sklyarows Auftritt bei der Hackerkonferenz aufmerksam gemacht.
Umgehen des KopierschutzesNun soll der 27jährige Russe im Verfahren gegen Elcomsoft auf Seiten der US-Regierung agieren. Der «Digital Millenium Copyright Act» verbietet den Verkauf von bestimmten Produkten, mit denen sich der Kopierschutz digitaler Inhalte umgehen lässt. Diese Vorschrift ist bei Sicherheitsexperten umstritten, die fürchten, dass künftig Tests auf die Unknackbarkeit solcher Verfahren gänzlich entfallen, weil sich Firmen nicht strafbar machen wollen. Sklyarow hatte sofort prominente Fürsprecher aus der Netzgemeinde gefunden, unter anderem die «Cyberrights»-Bewegung Electronic Frontier Foundation.
Märtyrer verhindernBeobachter sehen in der Einigung der Staatsanwaltschaft mit Sklyarow einen klugen Schachzug. Der Programmierer, Vater zweier kleiner Kinder, hat im Internet bereits Märtyrer-Status erlangt. Mit der Konzentration auf seinen Arbeitgeber Elcomsoft werde das Verfahren nun «sachlicher» hieß es.
Aber in der Netzgemeinde wird Sklyarows Verhalten auch anders gesehen: Die einen sagen, er hätte den Prozess durchkämpfen müssen. Andere können verstehen, dass er dem Druck einer möglichen langen Haftstrafe nicht widerstehen konnte.