Unsere Weblog-Kolumne:
Ein Turnbeutelausstatter macht sich unbeliebt
02.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Ein frecher Mann verteilt im Dorf ein Flugblatt. Auf dem steht, du (ja, du!) seist gar nicht der tolle Typ, für den du dich selbst hältst, sondern ein Hanswurst mit einer obendrein ziemlich lächerlichen Frisur.
Du denkst: So geht's nun aber nicht! Du suchst dir einen Riesen, der dir hilft. Dein Riese schickt dem frechen Mann einen Brief. Dass der freche Mann das mit dem Hanswurst und der Frisur nicht mehr behaupten soll, und dass der freche Mann ihm, dem Riesen, für diesen Brief tausend Taler geben soll. Du findest das gut.
Tausend Taler für den Riesen Der freche Mann bekommt es mit der Angst. Er hat nicht so viel Geld wie du. Er kann sich keine Riesen leisten. Er bezahlt die tausend Taler. Deinem Riesen ist langweilig. Er überlegt, wie er noch mehr Taler bekommen kann. Er hat eine Idee. Er tapert nachts durchs Dorf und kippt die Altpapiertonnen aus. Und findet Flugblätter, auf denen du als Hanswurst bezeichnet wirst! Gemein!
Jetzt ist dem Riesen nicht mehr langweilig. Für jedes Flugblatt, das er aus einem Mülleimer fischt, schickt er dem frechen Mann einen Brief und eine Rechnung über tausend Taler. Du findest das immer noch gut. Hanswurst sagt man einfach nicht! Bald hören sie im Dorf auf, dich zu grüßen. Manche wechseln jetzt bei deinem Anblick die Straßenseite.
Niemand im Dorf hält dich noch für einen tollen Typen. Jeder hält dich für einen fiesen, dummen Hanswurst mit einer unglaublich lächerlichen Frisur.
Dies war, für Jung und Alt verständlich nacherzählt erzählt, die schreckliche Geschichte vom schwäbischen Schwitzhemdchen-Mogul Jako und dem braven Blogger Baade.
Der Fall Jako Der Blogger hatte sich über das Image der Firma und das Design des neuen Firmenlogos lustig gemacht. Der Turnbeutelausstatter mahnte ihn ab, kostenpflichtig. Der Blogger zahlte und nahm den beanstandeten Text aus dem Blog.
Als die Anwältin der Firma die «Schmähkritik» Wochen später in einer anderen Ecke des Internets noch einmal sah, ging der Untertrikotagen-Terror in die nächste Runde: Der Blogger wurde erneut abgemahnt. Noch kostenpflichtiger. Das Image des Hemdchenherstellers ist ramponierter denn je. Vorbei sind die Zeiten, als die ärgste Schädigung des Rufes in Vergleichen mit Aldi oder Lidl zu finden war.
Das verspottete Logo der Firma allerdings könnte bald eine entscheidende Verbesserung erfahren: Jako sucht einen Praktikanten «im Bereich Marketing/Grafik».
Anhang
Ab September dürfen mattierte Glühlampen nicht mehr produziert oder eingeführt verkauft werden. Dazu Sonne (!), HELIX NGC 7293: «Wieder einmal wird mir im privatesten Raum auf unsinnigste Weise die Verantwortung für Klimawandel und Polkappenabschmelzen übergeben, während draußen auf dem Ostwestfalendamm alle par Minuten einer dieser riesenhaften, für Ein-Kind-Familien offenbar unumgänglichen Geländewagen (wie haben die DDR-Eltern eigentlich ihre zwei bis drei Kinder in den Trabi bekommen, falls sie einen hatten?) über die Brückennaht springt.» Wie im richtigen Leben trauert man auch in manchen Blogs den alten Glühlampen nach. Andreas, Andis Blog: «Nur weil uns unmündigen Verbrauchen nicht das Licht der Vernunft anging werden wir zur sparsamen Erleuchtung mit den Energiesparlampen gezwungen. Ihre angenehme Wärme, ihr schönes sonnenähnliche Licht wird uns fehlen.» Holger, Aufn Ab, weist auf die Umweltbelastung hin, die Energiesparlampen bringen: «Auch wenn ich weiß, dass diese Lampen aufgrund des Quecksilbergehaltes in den Sondermüll gehören, habe ich keine Lust, meine kaputten Energiesparlampen noch durch die Gegend zu fahren.» Sabine, Sabienes Traumalbum, hamstert keine alten Birnen, sondern stellt ihre Erleuchtung völlig um: «Wir benutzen fast ausschließlich Energiesparlampen und Halogenstrahler! Einzige Ausnahmen: 2 Salzsteinlampen aus dem Eso-Laden. Die machen ein tolles Feng Shui, die Atmosphäre in den von ihnen erleuchteten Räumen ist einwandfrei positiv energetisiert.» desertdolphin, Blogge, ist ein bayrischer Zahntechniker, der vom am anderen Ende der Welt berichtet: «Heute ist mir auch noch im Laborklo die Glühbirne durchgebrannt. Nach langer Suche hat mir die Amanda dann wie es scheint die letzte Glühbirne in Ecuador überreicht. Hier kann man wirklich zum Mangeldenker werden oder man kann sich einfach komplett von jeglichem Besitzdenken loslösen. Ich versuche grad das letztere, aber das ist nicht so einfach. Der Walter meinte zwar 'na wann'st nach Yantzatza fahrst, da ham's oiss', aber so ganz glaub ich das nicht.»
Für das Web ediert von Bov Bjerg. Netzeitung auf Twitter.

