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Lupe Magazine auf den Müll

Wissenschaftliche Zeitschriften geraten zunehmend unter Konkurrenzdruck durch Online-Anbieter. Auch ein Nobelpreisträger versucht, das Monopol der Magazine zu brechen.

BERLIN. Die Monopolstellung der großen Wissenschaftsmagazine treibt Harold Varmus, US-amerikanischer Mediziner und Nobelpreisträger, auf die Palme. Nach wie vor entscheidet dort eine kleine Gruppe so genannter «peer reviewers», was als Forschungsergebnis relevant ist und wann es gedruckt wird. Im April sagte Varmus den Magazinen den Kampf an.
Selbstverlag für Forscher
Wissenschaftliche Flaggschiffe wie das amerikanische «Science» und das britische «Nature» forderte er auf, Forschungsergebnisse sofort und kostenlos im Internet der ganzen wissenschaftlichen Welt zur Verfügung zu stellen. Sonst würden er und 20.000 seiner Kollegen die Zeitschriften künftig boykottieren. Der ehemalige Direktor des National Institutes of Health versucht seit 1999 eine Art weltweiten Selbstverlag für Forscher im Netz zu etablieren.

Beim Heidelberger Springer-Verlag, einem der wichtigsten Anbieter naturwissenschaftlicher Publikationen in Deutschland, reagiert man auf diese Drohung gelassen. «Inzwischen setzt sich die Erkenntnis durch, dass auch im Internet nicht alles umsonst ist», mein Verlagsmitarbeiter Werner Skolaut.
Auf wenige Schulter verteilt
Angesichts der Preise von bis zu 180 Mark pro gedruckter Ausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift werde auch ihm «manchmal übel», aber: «Solche Publikationen haben nun einmal nicht die Auflage eines Boulevardblattes.» Und je kleiner die Leserschaft, auf desto weniger Schultern werden die Kosten verteilt.

Kosten, die auch die Freie Universität Berlin zu spüren bekommt. Dort geht man inzwischen dazu über, bestehende Druck-Abonnements durch Lizenzverträge mit elektronischen Zeitschriften zu ersetzen. «Geld sparen wir damit noch nicht», sagt FU-Mitarbeiter Remco van Capelleveen. «Die Lizenzverträge mit den Online-Anbietern haben aber den Vorteil, dass Studenten und Wissenschaftler leichteren Zugriff auf die Publikationen haben.»

Astronomische Profite
Doch auch die Internet-Zeitschriften kosten Geld. Wieviel Geld man mit Wissenschaft online verdienen kann, zeigt die niederländische Firma «Elsevier». Sie bietet in 17 Sparten von «Agriculture» bis «Multidisciplin» hunderte Periodika aus allen Forschungsdisziplinen an – gegen Bezahlung. Über deren «astronomische Profite» kann Remco van Capelleveen nur den Kopf schütteln.

Generell aber begrüßt er die neue Konkurrenz auf dem Zeitschriftenmarkt. In Zukunft, davon ist Capelleveen überzeugt, könnten Initiativen wie die von Harold Varmus die Printmedien in Bedrängnis bringen: «Wenn immer mehr Wissenschaftler künftig dazu übergehen, ihre Ergebnisse direkt den Servern zur Verfügung zu stellen, könnten wir die Verlage vielleicht irgendwann außen vor lassen.»


Für das Web ediert von Leif Allendorf