21.08.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Sind so fleißige Hände: Spieler auf der Gamescom
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Immer nur warten. Und dann belämmert einen auch noch die Junge Union! Blogger und Twitterer berichten von der Spielemesse Gamescom in Köln. Außerdem: Coffee-And-TV-Blogger Lukas Heinser im Kurzinterview. Der Blogblick.
Die mitleiderregendste Arbeit des Jahres ist jetzt schon gefunden: Ein Promotionjob als wattierter
Weihnachtsengel auf der Gamescom in Köln,
am heißesten Tag dieses Sommers.
Nun gut, die Hallen der Kölner Messe waren natürlich klimatisiert und immerhin durfte die junge Dame zwischendurch in eine
Schneekugel, aber die
Vorfreude einiger tausend Gamer dürfte dennoch für eine ganz hübsche Betriebstemperatur gesorgt haben.
@HerrKaliban: «Wie Köln es geschafft hat, pünktlich zur #gamescom Sommerwetter hinzukriegen. Katholische Städte haben einfach den besseren
Draht zu Petrus.»
Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) war bis 2008 Träger der Games Covention in Leipzig, Europas größter Messe für Computerspiele, und richtet nun zum ersten Mal die Gamescom in Köln aus. Wie immer,
wenn etwas sich ändert, wird die Veränderung erst einmal schlecht gefunden. Das war bei der Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen so, beim Euro und natürlich auch bei der Gamescom.
Der Blogger
Tanis schreibt: «Das Feeling, dass man in Leipzig hatte, will dort wohl nicht so aufkommen. Zum einen mag das an dem völlig anderen Messegelände liegen (Stein statt Glas) und zum anderen sicher auch an der Stadt. So hell und luftig wie in Leipzig wird es auf jeden Fall nicht sein, hoffen wir also, dass diese
gefühlte Dunkelheit der Gamescom keinen Abbruch tut.» Früher war halt alles
besser. Warten aufs Spielen Spielen gestaltete sich etwas schwierig auf der Spielemesse. Bei den kommenden Blockbustern Diabolo 3 und
Starcraft 2 (die Spieleindustrie ist ähnlich einfallsreich wie die Filmindustrie und geht mit Erfolgen gern in Serie) von Blizzard Entertainment war der Andrang besonders
groß. «Die Folge: Menschentrauben auf dem Blizzard-Stand in Halle 6, nicht gerade erfreuliche Wartezeiten auf einen freien Stuhl im Testbereich sowie
eingeschränkte Spielzeiten. Aber was nehmen eingefleischte Gamer nicht alles in Kauf, um wenigstens ein paar Minuten Zeit mit dem Objekt der Begierde zu verbringen. Ein weite Anreise oder stundenlanges Warten für einen 15-minütigen Anspieltest? Kein Problem.»
@tigerle: «
Wow! 4 Stunden Wartezeit bis man
Diabolo 3 auf der Gamescom sehen kann!» Aber völlig schmerzbefreit sind Gamer natürlich
auch nicht. @MarcusOlle warnt eindringlich: «auf der #gamescom nicht für #bioshock2 anstellen! urlange wartezeit für nen uralten 30 sek trailer. - das t-shirt ist auch kaum ein trost!»
Entspannt in luftigen Höhen Es gibt jedoch Gamer, die gleicher sind als andere, und so konnte
Michael Friedrichs von
Basicthinking.de ganz entspannt in großer Höhe
daddeln. «Eigentlich ist die fliegende Plattform für exklusive
Dinner-Events in luftigen Höhen konzipiert, aber für einen ausgiebigen Spieletest (fast eine halbe Stunde war ich oben) erfüllt das Stahlgestell mit den bequemen Sitzen durchaus seinen Zweck und die
Aussicht auf die Domstadt war zugegebenermaßen auch nicht schlecht. Mit einer PSP Go um den Hals wurden ich und eine Reihe andere Tester von einem Kran in die Höhe gezogen. Viel habe ich davon allerdings gar nicht mitbekommen, da ich bereits in Gran Turismo vertieft war.»
Was man Gamern ja niemals sagen darf: Dass es da ein deutlich
kindliches Element gibt bei ihrem Freizeitspaß. Wenn man sich nicht rechtzeitig die Ohren zuhält, hört man dann das Gamerzitat schlechthin: «Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden. Wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen.»
Aber natürlich sind Spiele
längst ein ernsthaftes Geschäft geworden. Für Sony und Microsoft hängt Einiges ab davon, wer mit seiner Konsole die Nase vorn hat. Den
ersten Schuss beim Duell gab Sony mit seiner neuen Playstation 3 «Slim»
ab. Das ist, wie der Name schon sagt, die abgespeckte, mattschwarze Variante ihres glänzenden Boliden PS3.
Twittern auf der Xbox Gegen
Microsofts Xbox tritt nun also eine neue Konsole an, die genauso wenig kostet, aber über einen 120 GB Hard Disc Drive verfügt (gegenüber 60 GB bei der Xbox) und Blu-rays
abspielen kann. Schlechte Zeiten also für Microsoft?
Ibrahim Evsan, der Gründer von Sevenload,
twittert, dass sowohl last.fm als auch Twitter bald auf XBox Live
kommen. Aus diesem Grund
hält auch Michael Friedrichs die Zukunftsaussichten von Xbox Live für «rosig». «Im Gegensatz zu Sony hat der Konzern die Zeichen der Zeit nicht verschlafen und baut sein Online-Angebot kontinuierlich aus.» Friedrichs zitiert den Microsoft-Produktmanager Frank Halgasch: «Die Trends zeigen den eindeutigen Weg, meint Halgasch. So gehe die Entwicklung immer mehr in Richtung serverbasierter Inhalte (
'Cloud-Based-Entertainment'). Lokaler Content werde weniger. Auch Soziale Netzwerke seien in unserer Gesellschaft weiter auf dem Vormarsch. Zudem gehe der Trend immer mehr in Richtung Interaktivität. Hier werde die Konsole zur Schnittstelle mit anderen Spielern.»
Zudem kann man auf der neuen PS3 «Slim» kein anderes Betriebssystem installieren und man kann seine alten PS2-Spiele
nicht spielen. Zwischen den Konsolengiganten der zweiten Reihe ist also
noch nichts entschieden und auch zwischen den Politriesen steht die Entscheidungsschlacht noch aus.
Die Polit-Gamer Also hat sich auch die
Junge Union auf den Weg nach Köln zur Gamescom
gemacht. Unter dem viel- aber auch nichtssagenden Motto «Verantwortung braucht Freiheit» betreibt sie
einen Stand, was den Twitterer
@EinMannPartei dazu veranlasste
gegenzuhalten: «Was ein Spruch von einer Partei, die maßgeblich viele Freiheiten abgeschafft hat». Die CDU und - mitgehangen, mitgefangen - damit auch ihre Jugendorganisation ist bei Gamern ungefähr
so beliebt wie Osama Bin Laden in New York.
Am Mittwochabend
twitterte dann die
Piratenpartei: «Neues von der #gamescom - Die #JU muss ihren Stand wieder räumen, Veranstalter möchte keine 'wahlkampfpolitischen Themen'.» Da hatten sich die
Piraten, die ebenfalls auf der Gamescom vertreten waren, jedoch zu
früh gefreut. Denn die JU blieb unbehelligt vor Ort und twitterte
fröhlich: «Unser JU-Stand ist auch beim politischen Mitbewerber beliebt: Eben hatten wir die Julis zu Besuch».
Und
Christian Wohlrabe (@Wohli), Leiter der Geschäftsstelle der Jungen Union Berlin,
meint sogar, Hirnwäscheerfolge vermelden zu können: «Sie kommen als Piraten und gehen als JUler.... #gamescom #piraten- #cdu+». Was
@gillyberlin etwas anders sieht -
für ihn ist Wohlis Tweet «der vermutlich dümmste Propagandatweet des Tages #fail #Gamescon #CDU- #JU- #piraten+».
Auf diesem Niveau ging es zwischen den Parteien dann den ganzen Tag bei Twitter hin und her und man wünschte sich
einen seriösen Dreijährigen, der dieses Treiben beendet hätte. Apropos Dreijähriger: Den Clip zur Eröffnungszeremonie (Männer in Anzügen, begleitet von Männern in Star Wars-Kostümen)
kommentierte der Youtube-User
HeikoBe: «Das Öffnen der Türen hätte, naja, weniger nach Kindergeburtstag aussehen können.» Da ist etwas dran. Aber man wird halt alt, wenn man
aufhört zu spielen.
Anhang
Interview mit Lukas Heinser, Blogger auf
Coffee And TV und beim
Bildblog.Wie bloggst du?
Obwohl ich seit einem Jahr einen Laptop habe und mich damit überall niederlassen könnte, sitze ich doch meistens an meinem Schreibtisch, weil das am praktischsten ist. Manchmal, wenn ich mich an großen Welterklärungen versuche, setze ich mich auch in ein Café, weil man das ja angeblich so macht. Da ich aber am Besten arbeiten kann, wenn meine Wunschmusik läuft (welche immer stark von meiner Stimmung und der Tageszeit abhängt), sitze ich im Endeffekt dann doch lieber zuhause. Seltsamerweise überkommt es mich oft spätabends, dass ich noch was aufschreiben will -- das kann dann im Extremfall schon mal bis kurz vor Vier dauern. (Also bitte nicht nachmachen, liebe Kinder!)
Arbeitest du für das Bildblog anders als für Coffee And TV?
Bei Coffee And TV gibt es ja die unterschiedlichsten Themen und Präsentationsformen: Manchmal schreib ich da einfach nur meine Gedanken zu irgendeinem Thema auf oder klatsche da kurz ein YouTube-Video mit ein paar Anmerkungen rein, manchmal recherchiere ich auch ausführlich für Artikel. Seit wir «Bildblog für alle» machen und uns nicht mehr nur auf die «Bild»-Familie beschränken, nehme ich bei Coffee And TV aber seltener irgendwelche Medienberichte auseinander, sondern mache das dann häufig direkt für Bildblog.
Wie sehen Deine Zukunftspläne aus, was das Bloggen angeht?
Ich mache eigentlich nie Pläne. Ich will mich auf keinen Fall langweilen mit dem, was ich mache. Vielleicht arbeite ich also in ein paar Jahren auf einer Farm in Kanada, weil ich keinen Bock mehr aufs Bloggen hab. Das kann ich mir aber im Moment schwer vorstellen -- ich schreib jetzt seit zehn Jahren ins Internet und ob man das jetzt «Bloggen» nennt, ist mir eigentlich relativ egal.
Seit zehn Jahren? Was hast du denn da geschrieben?
Filmkritiken, die hoffentlich nie von
Archive.org erfasst worden sind.