02.08.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wer beim Ego-Shooter 'Huxley: The Dystopia' gewinnt, dem winkt ein neuer PC-Monitor
Foto: Magdans
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Konzept der diesjährigen Games Convention in Leipzig, sich auf Onlinespiele zu konzentrieren, ist zwar neu. In den beiden Messehallen geht es aber wie die Jahre zuvor nur um das Eine: den Spielspaß. Frank Magdans hat Momentaufnahmen der ersten beiden Messetage eingefangen.
Wo bitte, ist der «World of Warcraft»-Stand? Hier geht es doch um Onlinespiele. Oder ist diese Messe eine Mogelpackung? Nein, ist sie nicht, dennoch kommt es einem spanisch vor, wenn Branchengigant Blizzard auf der Games Convention Online (GCO) fehlt. Stattdessen erblickt der Besucher Stände südkoreanischer Firmen, von denen er bislang kaum etwas gehört hat. NHN etwa zeigt das Rollenspiel «Karos Online», rechts daneben die Ego-Shooter «Huxley: The Dystopia» und «Karma: Operation Barbarossa». Das Interesse an den drei Titeln ist groß: Viele Besucher nutzen die Möglichkeit, ein wenig zu zocken, und auch drum herum stehen Leute.
«Lauter! Noch lauter!»Wenige Meter davor ist Party angesagt: «Lauter. Noch lauter!», schreit MTV-Moderator Buddi in sein Mikrofon. Schließlich hat er einige Kisten voller T-Shirts, die er an den Mann bringen will. Eine Schwierigkeit ist das nicht, die Jugendlichen drängen ohnehin wie ferngesteuert in mehreren Reihen zur Bühne. Aber was sollen sie überhaupt tun? «Bigpoint» schreien. Denn das könnte sie mit dem Hamburger Onlinespielanbieter Bigpoint zusammenschweißen; in unmittelbarer Nähe zeigt die Firma ihr neues Produkt: das im Browser laufende Spiel «Poisonville». Im Grunde handelt es sich dabei um einen «GTA»-Klon, die Entwickler haben allerdings eine Schnittstelle zu sozialen Netzwerken wie Facebook programmiert.
Plätze am Rechner sind MangelwareWo wir auch gleich beim zentralen Aspekt der Messe angelangt wären: Die GCO soll ein Treffpunkt für die Community, die Gemeinschaft, sein. Davon merkt der Besucher im vorderen Teil von Halle 2 allerdings nichts. Hier werden ihm die Blockbuster der Messe präsentiert. Von Blockbuster kann man jedoch nur im Kontext der Veranstaltung sprechen, da die Spiele auf der kommenden Gamescom in Köln Randerscheinungen wären. Ob sie dies auch tatsächlich verdient hätten, das kann man in Leipzig in aller Ruhe selbst herausfinden. Zumindest war das am Freitag der Fall. Gestern, am Samstag, kamen weitaus mehr Besucher zur GCO, sodass es nicht so einfach wie am Tag zuvor war, einen Platz am Rechner zu ergattern.
Was macht der Kicker hier?Entspannt geht es derweil in der Community-Lounge zu, die sich in der Mitte der Halle befindet: Befreundete Jugendliche sitzen auf hellgrün leuchtenden Hockern und surfen im Internet oder zocken. Hier und da lümmelt sich ein anderer und stöbert in einer Tageszeitung. Das Herzstück der Lounge bildet der Körper einer Stoffschlange, deren Hals und Kopf sich bis zu einer Höhe von vier Metern erstrecken passend, die zockenden Gemeinschaften treffen sich sowieso überwiegend in Fantasiewelten. Wenige Meter neben der Lounge dann jedoch etwas von dieser Welt: ein XXL-Tischkicker. Was der hier sucht? Das fragt man sich nicht nur an dieser Stelle.
Griff zum Portemonnaie In Halle 2 gibt es einen weiteren Tisch, auf dem sich zwei Spieler bekämpfen. Statt eines Balls versuchen sie, einen Puck ins gegnerische Tor zu schießen. Betritt der Besucher daraufhin Halle 4, findet er keine weiteren Computerspiele vor, vielmehr Leute, die sich vor Verkaufsständen tummeln. Wer mag, kann sich Comics, T-Shirts, Kalender oder Plastik- beziehungsweise Stoffexemplare bekannter Computer- und Videospielfiguren kaufen. Auf einer Seite des Standes bietet einer der beiden Aussteller sogar neu verpackte PC- und Konsolenspiele an. Und es gibt Besucher, die ihr Portemonnaie zücken, um sich einen neuen Titel zuzulegen.
Das Interesse ist allseits groß. Das gilt auch für das Bogenschießen, mit dem der Live-Rollenspiel-Veranstalter Twilight die Besucher lockt. Doch mit Onlinespielen hat das nur entfernt etwas zu tun. Wer die Szene kennt, weiß, dass viele Live-Rollenspieler nicht einmal ihren PC zum Zocken nutzen geschweige denn eine Konsole besitzen. So schleicht sich das Gefühl ein, für die erste GCO haben die Köpfe der Leipziger Messe alles genommen, was nur irgendwie möglich war. Tatsächlich aber verfolgen die Veranstalter einen ganz anderen Ansatz als die Jahre zuvor: Die Community soll ein Gesicht bekommen. Und das ist nun mal ausgesprochen vielseitig; es gibt eben nicht nur die eine Gemeinschaft.
Volleyball im Beach ClubWie gemeinschaftlich Spieler miteinander umgehen, davon kann sich der Besucher in Halle 4 ebenfalls ein Bild machen. In der Free Gaming Area stehen zahlreiche Tischreihen, an denen die Besucher so lange sie mögen spielen können. Währenddessen schauen sie nicht einfach nur stupide auf den Bildschirm, sondern unterhalten sich mit dem Nachbarn oder fachsimpeln in kleiner Runde. Wer bei dem sommerlichen Wetter lieber draußen seine Zeit verbringen will, macht sich auf dem Weg zum Freigelände. Hinter Halle 4 befindet sich der Beach Club: Sieben Jungs spielen Volleyball, manch einer hängt in einem klappbaren Strandstuhl ab, andere wiederum stehen vor einer Bühne und hoffen, ein T-Shirt oder ein anderes Geschenk abzugreifen.
Was die Macher noch lernen müssenZurück in der Halle fällt die Musikgruppe «Luis & Laserpower» aus Mannheim auf, die mit frischem Deutschrock gefällt. Leider scheint das nicht allzu viel Besuchern aufzufallen, denn vor der Bühne, der Community Stage, haben sich nicht mehr als etwa fünfzig Leute versammelt. Daraufhin stellt sich die Gilde Gothic vor, die in etlichen Online-Rollenspielen wie «Age of Conan» oder «Guild Wars» vertreten ist. Das Besondere hierbei: Die Gilde hat nicht einfach nur ein großes Netzwerk, sondern produziert sogar ein eigenes Webradio, bei dem jeder mitmachen kann, der der Meinung ist, er habe einen interessanten Beitrag.
Alles in allem müssen die Macher der GCO noch das eine oder andere dazulernen. Aber war das bei der ersten Games Convention nicht auch so? Ja. Doch dass es keinen «World of Warcraft»-Stand gibt, das ist noch zu verschmerzen. Aber das ausgerechnet NCsoft fehlt, das dürfte so manchen Messebesucher enttäuschen: Am 25. September erscheint hierzulande NCsofts Online-Rollenspiel «Aion», das in Korea, dem Kooperationspartner der GCO, seit geraumer Zeit die Charts anführt. Viele Europäer sind voller Erwartung. Doch um einen Vorgeschmack auf «Aion» zu bekommen, dafür muss man in diesem Jahr zur Gamescom nach Köln fahren.