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Betriebsrat-Premiere bei Pixelpark

02. Mrz 2001 16:11, ergänzt 17:09
Pixelpark-Mitarbeiter haben die Gründung eines Betriebsrats eingeleitet. Dieser wird dem geplanten Firmenumbau wohl nicht tatenlos zusehen.

BERLIN. Als erstes deutsches Großunternehmen der Internet-Wirtschaft erhält Pixelpark einen Betriebsrat. Die Mitarbeiter haben am Freitag neun Mitarbeiter in den Wahlvorstand gewählt, der die eigentliche Wahl zur Arbeitnehmervertretung vorbereiten soll. Der Betriebsrat soll innerhalb der kommenden sechs Wochen gewählt werden.

Initiiert wurde der Pixelpark-Betriebsrat von der Mediengewerkschaft Connexx.av, einem «Chaotenhaufen, der von den etablierten Gewerkschaften skeptisch beobachtet wird», beschrieb Connexx.av-Mitglied Wille Bartz seine Organisation. Die Gewerkschaft hatte bei Pixelpark per Massenmailing über das Internet für die Betriebsratsgründung geworben.

New Economy-Mitarbeiter eher skeptisch

Erstes Ziel von Connexx.av bei Pixelpark ist laut Bartz eine Überstundenregelung. Bislang gebe es dort nicht einmal eine zeitgemäße Arbeitszeiterfassung. Bartz hält Internet-Kreative aber eher für gewerkschaftsskeptisch: «Sie befürchten, sie könnten ihre Gehälter nicht mehr individuell aushandeln».

Interesse an einem Betriebsrat besteht aber schon, erklärt Bartz: Bundesweit gebe es bereits «zahlreiche Anfragen aus weiteren Firmen der New Economy.»

Connexx.av-Projektmitarbeiter Olaf Hofmann ergänzt, Demokratie und transparente Entscheidungsstrukturen seien auch in der New Economy Fremdwörter. «Darüber können auch die lockeren Umgangsformen nicht länger hinwegtäuschen.» Unbezahlte Überstunden, freie Arbeitsverhältnisse und ein Leistungsdruck bis an die Grenzen des körperlich Leistbaren seien dagegen in der New Economy an der Tagesordnung.

Auf einige «Pixels» wartet die Entlassung

Hintergrund des geplanten Betriebsrats: Pixelpark plant einen drastischen Firmenumbau, um wieder Gewinne einzufahren. Nach Angaben von Pixelpark-Firmengründer Paulus Neef wird es dabei auch zu Entlassungen kommen. Neef wird jetzt allerdings einem Verhandlungspartner aus den Reihen der Belegschaft gegenüber stehen.

Der Multimedia-Dienstleister reagierte auf die Gründung eines organisierten Betriebsrates zumindest vordergründig gelassen. Pixelpark-Sprecherin Sabine Heymann sagte: «Grundsätzlich sind wir ein junges und weltoffenes Unternehmen, das einem solchen Thema offen gegenübersteht.» Zuvor klang das noch ganz anders: Da hatte die Unternehmensleitung einen Betriebsrat noch für überflüssig erklärt. (nz/dpa/AFP)

 
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