Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Debatte um australische Webseiten: 

The «Great Aussie Firewall»

06. Jan 2009 09:41
Websurfer in Sydney
Bild vergrößern
Die australische Regierung will 1300 Webseiten blockieren – angeblich, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Doch die Proteste gegen die Pläne nehmen zu, viele sprechen von Zensur.

Die australische Regierung hat eine Liste von mindestens 1300 Websites erstellt, zu denen der Zugang künftig gesperrt sein soll. Das Parlament soll demnächst über das entsprechende Gesetz der sozialdemokratischen Regierung abstimmen.

Im Internet und auch auf der Straße regt sich Protest. «Das ist offensichtlich Zensur», sagt Justin Pearson Smith, der eine Demonstration in Melbourne organisiert hat und eine von mehreren Facebook-Gruppen gegen das Vorhaben leitet. Zu den Kritikern gehören Provider-Firmen, Bürgerrechtler, Oppositionspolitiker und Internetnutzer. In Anlehnung an die Internetsperren in China sprechen sie von der «Great Aussie Firewall».

Die Liste wurde von der Behörde für Kommunikation und Medien (Australian Communications Media Authority) erstellt. Sie enthält Webseiten mit Kinderpornografie, exzessiver Gewaltdarstellung, Unterstützung für Terrorismus oder Anleitungen zum Drogenkonsum.

Welche Webseiten im Einzelnen gesperrt werden sollen, ist aber nicht öffentlich bekannt. Smith kritisiert, die Liste sei willkürlich zusammengestellt und könne juristisch nicht überprüft werden. «Man sollte das Geld dafür besser für die Strafverfolgung und für den Kampf gegen die Hersteller von Kinderpornografie ausgeben.»

«Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit»

Kommunikationsminister Stephen Conroy weist die Kritik zurück. «Es geht hier nicht um die Meinungsfreiheit», schrieb er auf eine E-Mail-Anfrage. Bestimmte Inhalte seien in allen Medien verboten, und da mache das Internet keine Ausnahme. «Wir suchen nur die Technik um sicherzustellen, dass diese Verbote funktionieren.»

Unterstützt wird die Labour-Regierung von der Australian Christian Lobby, die den geplanten Internetfilter als «wichtigen Schutz für Familien» bezeichnete, «die besorgt sind, dass ihre Kinder im Netz versehentlich auf dieses Material stoßen.» Die Internet-Provider kritisieren, dass ein Filter die Internetnutzung langsamer mache. Auch wird bezweifelt, ob das angestrebte Ziel damit wirklich erreicht werde. Illegale Inhalte würden eher in Peer-to-Peer-Netzen oder auch in Chats angeboten, die von dem Filter nicht erfasst würden.

«Die Leute platzieren ja keine Kinderpornografie auf eine offene Webseite», sagt Geordie Guy von der Internet-Organisation Electronic Frontiers Australia. «Ein solcher Filter blockiert nur Material auf öffentlichen Websites. Aber das illegale Material wird auf dem Schwarzen Markt gehandelt, über geheime Kanäle.»

Optionaler Filter für den Jugendschutz

Das geplante Gesetz hat zwei Teile. Der gesetzlich verbindliche Filter würde alle Adressen blockieren, die auf der Schwarzen Liste stehen. Ein optionaler Filter würde soll weitere Seiten sperren, die nicht für Jugendliche geeignet sind.

Dieser beruht auf Schlüsselwörtern, was nicht unproblematisch ist. Diese Filtertechnik sei nicht in der Lage, den Kontext der Begriffe zu erkennen, kritisiert Guy. So würden auch Webangebote über Brustkrebs oder Sexualerziehung ausgefiltert. Ein unter Laborbedingungen vorgenommener Test von sechs Filtertechniken der Australian Communications Media Authority ergab, dass ein bis acht Prozent der gesperrten Inhalte zu Unrecht blockiert wurden. Umgekehrt übersahen die Filter drei bis zwölf Prozent der Webseiten, die sie hätten sperren sollen.

«Wie dumm das ist»

Nun wurden die Provider eingeladen, an einem Live-Test mitzuwirken, der bis Ende Juni abgeschlossen sein soll. Der größte australische Internet-Provider, Telstra BigPond, hat die Beteiligung abgelehnt. Angenommen wurde die Einladung vom Provider iiNet - aber nur mit der Absicht, die Unsinnigkeit der Technik nachzuweisen. Geschäftsführer Michael Malone sagte, er werde die Daten sammeln, um der Regierung zu beweisen, «wie dumm das ist».

Aber der Ethik-Professor Clive Hamilton schimpft auf die «libertären Netzaktivisten», die absolute Meinungsfreiheit über den Schutz von Kindern stellten. In einem Beitrag für das australische Portal Crikey.com schreibt er: «Die Gegner von ISP-Filtern weigern sich einfach, das Ausmaß des sozialen Problems zu erkennen oder sie verniedlichen es.» (Tanalee Smith, AP)
 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zum NZ-Tarifrechner
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts
  •  Berlin 21°
  •  Hamburg 23°
  •  Köln 26°
  •  Frankfurt 27°
  •  Stuttgart 26°
  •  München 24°
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.