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Über 30 Prozent Wachstum: 

Steigende Online-Umsätze trösten Musikindustrie

25. Dez 2008 12:08
Trend: Ins Internet statt in den Plattenladen
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Zwar werden weiterhin zu wenig CDs verkauft, dafür nimmt der Online-Kauf von Alben rasant zu. Gegen Musikpiraten will die Branche nun selbst verstärkt mit «neuen zivilrechtlichen Schritten» vorgehen.

Das deutsche Online-Geschäft mit Musik ist im Jahr 2008 trotz der Wirtschaftskrise rasant gewachsen. «Im Onlinegeschäft rechnen wir mit einem Wachstum von 30 bis 40 Prozent. Besonders erfreulich ist, dass die Kunden auch online immer mehr Alben kaufen», sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, Stefan Michalk.

Die deutsche Musikindustrie sieht im internationalen Vergleich noch enorme Entwicklungsmöglichkeiten für den Absatz über das Internet: «Verglichen mit Ländern wie den USA nutzt der deutsche Musikkonsument das Onlineangebot eher konservativ. In den USA liegt der Onlineanteil bei 30 Prozent, in Deutschland um die 8 Prozent.»

Allerdings muss die Branche wegen des seit Jahren anhaltenden schleichenden Rückgangs beim CD-Verkauf auch in diesem Jahr ein leichtes Minus verkraften: «Im deutschen Musikmarkt rechnen wir 2008 mit einem Minus im mittleren einstelligen Bereich», sagte Michalk. Eine Summe nannte er nicht. Im Jahr 2007 war der Musikmarkt um 3,2 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zurückgegangen.

Neues Vorgehen gegen Raubkopierer

Die größte Gefahr für die Musikbranche und der Hauptgrund für den seit Jahren anhaltenden Umsatzrückgang sei weiter die Musikpiraterie, sagte Verbandsgeschäftsführer Michalk. 2007 wurden 312 Millionen Songs illegal aus dem Internet geladen, für 2008 liegen noch keine Zahlen vor. Allerdings zeigt ein Konzept aus Aufklärung, Abschreckung und Abmahnung laut Michalk Erfolge: So sei die Zahl illegaler Downloads von über 600 Millionen im Jahr 2003 zurückgegangen.

Probleme im Kampf gegen Musikpiraten gebe es neuerdings mit den Behörden, sagte Michalk: «Die Entscheidung mancher Staatsanwaltschaften, Internetpiraterie erst ab großen Dateimengen zu verfolgen, ist ein völlig falsches Signal. Wer zehn CDs im Laden klaut, muss mit Strafe rechnen. Das gleiche Delikt im Internet wird nicht verfolgt», klagte er.

Mehrere Staatsanwaltschaften lehnen neuerdings die Anzeigen der Industrie gegen ertappte Musikpiraten ab, offenbar wegen des hohen Arbeitsaufwandes. Nach einer Gesetzesänderung kann die Musikindustrie seit wenigen Monaten aber auch an der Staatsanwaltschaft vorbei zivilrechtlich gegen Kopierer vorgehen: «Wir nutzen die neuen zivilrechtlichen Möglichkeiten, gegen Musikpiraten vorzugehen. Die ersten Adressen haben wir vorliegen. Demnächst werden Abmahnungen verschickt. Die Raubkopierer müssen sich darauf einstellen, jeweils mehrere hundert Euro oder mehr zahlen zu müssen», sagte Michalk.

CD-Markt stabil

Das Standbein des inländischen Musikgeschäftes war auch 2008 die CD. «Im internationalen Vergleich ist in Deutschland der CD-Markt vergleichsweise stabil», sagte Michalk und machte klar: «Die CD ist noch lange nicht tot.» Als Beispiel für neue Entwicklungen bei den CDs nannte er die Sonderedition der neuen CD von Herbert Grönemeyer «Was muss muss», der außer zwei CDS eine DVD, eine Vinyl-Platte und ein USB-Stick beiliegt. Preis: fast 50 Euro.

Hoffnung auf höhere Einnahmen macht der Musikbranche auch eine Ausweitung der Geschäfte auf ganz neue Bereiche: «Die Industrie erschließt neue Erlösquellen in der Musikvermarktung, beispielsweise über Lizenzgeschäfte mit Handyanbietern oder Computerherstellern, Merchandising und Künstlermanagement oder werbefinanzierte Modelle.» (Claus-Peter Tiemann, AP)

 
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