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Focus Netguide mit Startproblemen

12. Dez 2000 16:46, ergänzt 17:02
Oft angekündigt, immer noch offline: Das «Webportal der nächsten Generation», der Focus Netguide, lässt weiter auf sich warten. In diesem Jahr wird's nichts mehr.

BERLIN. Mit hochfliegenden Plänen ging Focus Digital im Juli an den Neuen Markt. «Mit uns bekommt der Kunde das Internet aus einer Hand», erklärte Jörg Bueroße, Vorstandschef der neuen Burda-Tochter, zum Börsenstart. Umsatzbringer sollte das neue Suchportal Netguide werden, ein ehrgeiziges Katalogprojekt, das den überforderten Surfer vor der Informationsflut des Netzes bewahren soll. Auch wenn es offiziell nicht zugegeben wird: Hinter vorgehaltener Hand wird von Focus Digital eingeräumt, dass der für dieses Jahr mehrfach angekündigte Start nichts mehr wird.

Offenbar bekommen die «200 High End-Programmierer, Journalisten, Designer und Marketingfachleute», die laut Focus Digital an dem Netguide arbeiten, vor allem die Software-Probleme nicht in den Griff. Anfänglich mit rund 50.000 ausgewählten Links konzipiert, hat sich der Katalog inzwischen auf 90.000 Webseiten ausgedehnt. «Man befände sich immer noch in der Probephase», heißt es beim Netguide, die Ergebnisse seien für einen Start noch nicht befriedigend.

Links veralten schnell

Der Netguide soll schließlich nicht wie eine gewöhnliche Suchmaschine wahllos Internetseiten zu einem Stichwort herausspucken. Eine spezielle Software soll «semantisch verknüpfte Informationen» liefern. Ein «aufwändig geknüpftes semantisches Netz» bilde Begriffe und deren Beziehungen zueinander ab, was die Suche erleichtere. Rund 150 Journalisten haben laut Börsenprospekt den Katalog erstellt, zwölf feste und 30 freie Mitarbeiter pflegen permanent die Seiten. Doch je länger der Start verschoben wird, desto unsicherer werden die Links. Denn nichts verfällt im Internet schneller als eine Linkliste.

Dem Aktienkurs von Focus Digital tut der ständige Aufschub des wichtigsten Zugpferdes gewiss nicht gut. Vom Emissionspreis von 14,50 Euro ist die Aktie inzwischen weit abgefallen und dümpelt bei 4,50 Euro vor sich hin. Allein Helmut Markwort, Großaktionär mit 1,6 Millionen Scheinen, hat damit in seinem Depot 16 Millionen Euro verloren. Bis 2003 hat das Unternehmen ohnehin Verluste eingeplant. Dann sollen Bannerwerbung in Verbindung mit e-Commerce die Sprung in die Gewinnzone sichern. (nz)
 
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