Rückblick auf das IT-Jahr 2008: 

netzeitung.deVom Glanz in die Krise

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Rank und schlank: Steve Jobs und das MacBook Air (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rank und schlank: Steve Jobs und das MacBook Air
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Das dünnste Notebook der Welt» - oder das «dümmste»? Außerdem: «Europe Crowned New King of Spam», Cebit nicht mehr im Stand-by-Betrieb - die Netzeitung schaut auf ein bewegtes Jahr der IT zurück - Teil 1.

Es begann schlank und glänzend und wird in großer Ratlosigkeit enden: 2008 war aus der Sicht all jener, die sich gerne mit digitalen Welten beschäftigen, ein seltsames Jahr.

Überwiegend sah es so aus, als könne nichts und niemand den Siegeszug von Technik und Vernetzung stoppen – bis plötzlich auch der Letzte begriff, dass die IT-Branche nicht abgekoppelt vom Rest der Welt und der Wirtschaft funktioniert. Wie stark die Krise auch ins Digitale durchschlägt, ist noch nicht ausgemacht. Dass sie es tut, ist hingegen klar.

Januar
Von heute aus gesehen, muss uns Apples im Januar der Öffentlichkeit vorgestelltes MacBook Air wie ein Gerät aus einem anderen Jahr erscheinen. Knappe 20 Millimeter hoch, 1,36 Kilogramm leicht und mit einem Aluminium-Gehäuse, aber standardmäßig wenig technischen Innereien versehen, steht es für Eleganz und Qualität bei drastisch reduzierter Funktionalität (mit ein paar Extras, die auch extra kosten, wird es besser).

Von Apple als das «dünnste Notebook der Welt» bezeichnet, erhielt das MacBook Air von Kritikern wegen der dürftigen Ausstattung rasch den Beinamen «dümmstes Notebook der Welt». Der Absatz blieb anfangs hinter den Erwartungen zurück, wurde später aber sehr gut. Trotzdem hörte man im Lauf des Jahres nicht mehr viel von dem Notebook. Es passt jedenfalls eher ins Jahr 2007, als noch unbeschränkt galt: Schöner Schein, oft mit wenig dahinter.

Und sonst im Januar? Xing streitet sich mit den Nutzern über Werbung. Nokia kündigt die Schließung des Bochumer Werkes an. Mit einem Riesentamtam geht die Musiktauschbörse Qtrax an den Start. Kennt wer wen, der sie in 2008 mehr als einmal benutzt hat?

Ferbruar
Richtiggehend verzweifelt wirkten in den letzten Jahren manchmal die Bemühungen der Europäer, im Bereich der IT den Anschluss an die USA zu halten oder zumindest nicht noch weiter abgehängt zu werden. Und dann plötzlich das: Europa überholt die USA – zumindest was den Versand von Spam-Mails betrifft. Mit den Worten «Europe Crowned New King of Spam» beginnt der von den Firmen Symantec und Web Security Anfang Februar veröffentlichte neue Spam-Report.

Demnach ist im Januar 2008 nahezu 44 Prozent des weltweiten Datenmüllaufkommens aus Europa versandt worden. Die USA folgen mit 35,1 Prozent auf Rang Zwei, Asien mit gut 15 Prozent steht weit abgeschlagen auf Platz Drei. Einen möglichen Grund dafür vermutet Symantec in der deutlichen Zuhnahme von Breitbandanschlüssen in Europa.

Folgt man dem Bericht, so waren damals drei von vier versandten E-Mails Spam. Im Januar 2008 wurde erstmals die Marke von über 80 Prozent überschritten. Der meiste Spam besteht aus Produktwerbung, gefolgt von Werbung für spezielle Internetseiten und Finanzspam. Erst im November 2008 sollte der Spamversand eine gewaltige Delle bekommen, als in den USA einige Server abgeschaltet wurden. Doch schon drei Wochen später war er wieder gewohnt hoch.

Und sonst im Februar? Microsoft will Yahoo kaufen und Google findet das nicht gut. Holtzbrinck startet sein Nachrichtenportal Zoomer.de, um es zum Ende des Jahres wieder zurückzufahren.

März
Die Cebit mal wieder, Schwerpunkt: Green IT. Beim Standardbetrieb von 300 Servern wird pro Jahr genauso viel Strom verbraucht wie in einem deutschen Dorf mit über 400 Einwohnern. Die Stromrechnungen von Google belaufen sich auf anderthalb Milliarden Euro pro Jahr. Daran sind die normalen Computer-User nicht ganz unschuldig. Im Durchschnitt werden acht Watt pro Anfrage bei einer Suchmaschine fällig.

Solche Beispiele hauen sie uns in Hannover um die Ohren und verweisen auch gleich auf die Alternativen: energiesparende Büros, Stromradar, Cooling-Boxen für Server, freie Rechnerkapazität für Umweltorganisationen, Null-Watt-Displays, grüne Rechenzentren, Ende der Stand-by-Funktion usw. Die Cebit 2008 ist kompakter geworden, auch übersichtlicher, die Stimmung changiert zwischen großer Hoffnung und Euphorie.

So war das noch im März. Und sonst? Der Computerpionier Joseph Weizenbaum ist tot. Google übernimmt den Online-Werber Doubleclick. Das Bundesverfassungsgericht setzt das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung von Telefonverbindungen teilweise außer Kraft. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal weigert sich, weiterhin gegen Filesharer vorzugehen.

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Für das Web ediert von Maik Söhler