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Computer- und Videospiele: 

«Tomb Raider Underworld»: Action macht schlau

05. Dez 2008 14:10
Lara Croft in 'Tomb Raider: Underworld'
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Überdrehter Speed, simple Action, dumm wie ein BH – so lauten einige Klischees über die Spieleserie um Lara Croft. Maik Söhler meint dagegen: Für das neue «Tomb Raider: Underworld» sind Geduld, Geschick und Intelligenz nötig.

Konsole an, Spiel rein, Daten aktualisieren – und schon muss man loslachen. «Tomb Raider: Underworld» scheint in der Anfangssequenz allen Kritikern Recht geben zu wollen.

Lara Croft befindet sich inmitten eines brennenden Gebäudes und hampelt sich springend, rennend, kriechend, kraxelnd und peitschenschwingend fast selbst über den Haufen. Kaum ein Gedanke ist nötig, um einen Ausweg aus dem Desaster zu finden – simple Action pur, überdrehter Speed, tumbes Tippen und Lenken am Controller, bis die Finger weh tun.

Es folgt eine Filmsequenz und mit ihr so etwas wie eine Geschichte über Laras Mama und Papa, leider aber auch über Avalon sowie die nordische Mythologie. Man überlegt kurz, ob vielleicht ein anderes Spiel den Zeitaufwand wert wäre, entscheidet sich dann aber doch dafür weiterzuspielen, weil sich die Grafik und die Möglichkeiten zur Interaktion als erstaunlich gut erweisen.

Das ist eine gute Entscheidung. Denn nun entfaltet sich ein Spieltableau, das reichlich Geduld, Geschick und Intelligenz erfordert und das die, die dabei bleiben, schnell und nachhaltig für alles entschädigt, was am Anfang so effekthascherisch und lächerlich ist.

Szene aus 'Tomb Raider: Underworld'
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Unter Wasser

Tauchen wir also ein in die neue Welt der Lara Croft und zwar im Wortsinne. Es geht unter Wasser, ein versunkener Tempel ist zu erforschen, Schlüssel sind zu finden, ein steinernes Tor ist zu öffnen, düstere Gänge sind zu durchqueren. Man muss Wände hoch und Abhänge runter, über eingebrochene Wege hinweg – wie auch immer. Das Arsenal zur Bewältigung der Aufgaben ist auf interessante und herausfordernde Weise beschränkt.

Überall warten neue Rätsel. Riesige Türen mit komplizierten Sperrmechanismen erfordern ebenso denkerisches Kombinationsvermögen und planerisches Handeln wie ein gigantischer Krake, der die Passage versperrt. Man kommt weiter, fällt wieder zurück, weil Gegner die Wege unpassierbar machen, findet neue Gänge und mit ihnen neue Gegner. Die Spielprinzipien heißen Trial and Error, Geduld und Geschick, Nachdenken, Umdenken, neu denken. Nur selten muss man Hilfe in Anspruch nehmen.

Szene aus 'Tomb Raider: Underworld'
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Reger Austausch beim Spielen

Das alles macht man am besten nicht allein. Wer solo spielt, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie spätestens nach drei Stunden die Lust verliert. «Tomb Raider: Underworld» ist anstrengend und die Anstrengung resultiert gerade nicht aus Action, Tempo und Controllerbeherrschung. Vielmehr strengt das Spiel den Kopf an und manchmal auch den ganzen Körper: Cholerische Anfälle kosten Kraft.

Zu zweit oder noch besser zu dritt lassen sich die Aufgaben wesentlich besser bewältigen. Einer probiert einfach aus, der zweite sieht sich dabei genau um und der dritte konzentriert sich aufs Nachdenken und Planen. So entsteht ein reger Austausch über einzelne Szenen oder komplette Strategien. Das ist gut, denn so muss man sich nur am Rande mit den seltsamen Ausführungen Lara Crofts – etwa über den Hammer des Donnergottes Thor - befassen.

Szene aus 'Tomb Raider: Underworld'
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Rund um die Welt

Die Story ist armselig, die gestellten Aufgaben sind es nicht. Die Rätsel und Herausforderungen nehmen an Häufigkeit und Schwierigkeit zu. Längst sind Laras Waffen kein schmückendes Beiwerk mehr - Handgranaten, Pistolen und Gewehre wollen und müssen zum Einsatz kommen. Besonders anspruchsvoll und schön sind die Momente, wo sich beides verbindet: Die auf den ersten Blick unmögliche Überquerung einer Schlucht mit dem Dauerfeuer vieler Gegner.

Schritt für Schritt und manchmal auch Rad für Rad (Lara Croft steuert immer wieder Turneinlagen bei) durchqueren wir Teile Thailands, Englands und Mexikos. Zum Glück ist die Speicherfunktion des Spiels enorm verbessert worden, sodass man bei einem Absturz oder nach einer nicht zu bewältigenden Monsterattacke genau dort weiterspielen kann, wo man ausgeschieden ist.

Szene aus 'Tumb Raider: Underworld'
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Fiese Bugs, gute Unterhaltung

Ärgerlich sind so manche Bugs im Spiel, Programmierfehler, in denen die Protagonistin in der Luft steht oder Gestein so seltsam angezeigt wird, dass man nicht weiß, wie es weitergehen soll. Die Playstation 3 hat stellenweise so viel Mühe mit dem Spiel wie Lara Croft mit einer bestimmten thailändischen Brücke.

Noch übler hat es, wie Hersteller Eidos zerknirscht zugeben musste, so manchen Spieler der «Underworld»-Version für Nintendos Wii erwischt. Hier kann es vorkommen, dass in einem fortgeschrittenen Spiellevel an einer Stelle ein Hebel fehlt. Das Weiterspielen ist unmöglich. Der Fehler sei aber noch nicht oft aufgetaucht, schrieb Eidos in einer Presseerklärung.

Trotz der Bugs ragt das Spiel aus der Masse der Neuerscheinugen vor Weihnachten heraus. Denn es hält, was viele andere Spiele versprechen, aber nur wenige halten: Intelligente Unterhaltung zu sein.

Tomb Raider: Underworld – Eidos, November 2008, je nach Plattform zwischen 38 und 65 Euro – wurde von uns auf der Playstation 3 gespielt. Das Spiel ist auch für Xbox 360, Wii, Playstation 2, PC und DS erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben.

 
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