04. Dez 2008 12:40, ergänzt 13:03
Die Videos vom CDU-Parteitag in Stuttgart sind beim Youtube-Channel CDU TV ganz prominent vertreten. Real verharren sie vergessen im Archiv des Webs. Wirklich populär wurden nur vier Sekunden des Delegiertentreffens.
Tief und gut verborgen in der Rede der Parteichefin steckt, was im Web dagegen auf unerwartete Resonanz stieß: Eine kurze Passage, in der sie den hessischen Ministerpräsidenten und CDU-Vize Roland Koch erwähnt, ihren stärksten Stellvertreter, und dabei auch ein starkes Wort benutzt. War sie im Manuskript schon eine Zeile weiter, waren die Gedanken ein paar Schritte zuviel voraus? In einem Versprecher sagt Merkel jedenfalls «Roland Kotz». Raketengleich schnellte bei Youtube die Abrufrate dieser Vier-Sekunden-Partie nach oben, die der Nutzer «keuronfuih» am Montag in das Videoportal eingespeist hatte. Bis Donnerstag klickten mehrheitlich von Neugier und Schadenfreude getriebene Mauspiloten den Schnipsel mehr als 18.000 Mal an.
Youtube, eine der politischen Parteinahme eigentlich unverdächtige Maschine, bot dann nach Ende des Clips zunächst einen weiteren Merkel-Versprecher vom Dortmunder Parteitag zur Auswahl an. Neben einer Menge weiterer Verhaspler verschiedenen Ursprungs folgte dann erstaunlicherweise aber auch ihre Ursprungs-Rede aus Stuttgart.
Merkel ist bekannt genug und zur Selbstironie durchaus fähig. Sie muss jetzt verkraften, dass nicht die Politik der kleinen Schritte oder ihr Optionen-Bündel zur Rettung der Wirtschaft der Youtube-Senkrechtstarter wurden, sondern ein Versprecher. Doch auch der «Kotz»-Clip hat eine, wenn auch CDU-unkonforme Botschaft: Vor dem Parteitag übte sich Roland Koch zwar im Schulterschluss mit der Parteichefin, außerhalb von Wahlkampf- oder Krisenzeiten ist sich der hessische CDU-Spitzenkandidat aber auch für Seitenhiebe gegen die Kanzlerin nicht zu schade. Und vor einem knappen Jahr, im Landtagswahlkampf, sahen ihn viele als Kotz-Brocken, weil er die verbale Keule erst gegen die «Kommunisten» von der Linkspartei schwang, dann Ypsilanti wegen ihres fremdländisch klingenden Familiennamens in die Ausländerecke stellte. Nach einer brutalen Prügel-Attacke auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn schwenkte er die Lafettenrohre auf junge Ausländer ein. Das wirkt immer noch nach, offenbar bis hoch auf das blaue Parteitagspodium von Stuttgart.
Freud'scher Versprecher? Angela Merkels «Kotz»-Verhaspler auf Youtube: