Jaiku, PhrazeIt, Identi.ca etc: 

netzeitung.deMikroblogging jenseits von Twitter

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Bitte kurz halten! Startseite von Jaiku.com Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bitte kurz halten! Startseite von Jaiku.com Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Twitter ist spätestens seit seiner rasanten Live-Berichterstattung zu den Attacken von Bombay bekannt geworden. Es gibt aber auch andere internationale Mikroblogging-Dienste. Maik Söhler stellt die wichtigsten kurz vor.

Während der Anschläge in der indischen Metropole Bombay war zu beobachten, dass viele Nutzer des Mikroblogging-Dienstes Twitter ihre Augenzeugenberichte live ins Netz stellten und damit deutlich schneller als die meisten Medien waren.

Twitter ist mittlerweile weit verbreitet, vor allem in englischsprachigen Ländern und unter 25-Jährigen. Für andere Mikroblogging-Dienste, die Ähnliches bieten, gilt das in diesem Maße nicht. Schade, denn nicht wenige von ihnen können mehr als Twitter. Einige wollen wir hier nun vorstellen.

Jaiku
Als größter Twitter-Konkurrent gilt derzeit Jaiku. Die in Finnland entstandene und im Oktober 2007 von Google übernommene Mischung aus Kommunikationssystem und sozialem Netzwerk (Profile, Freunde, geteilte Inhalte) bietet den Nutzern diverse Kanäle fürs Mikrobloggen. Texteingaben erfolgen über den PC, via Instant Messenger oder über die SMS-Funktion des Handys.

Wie bei Twitter wird – sofern der Nutzer das will – zu jedem Eintrag ein Bild des Schreibenden oder ein Avatarfoto angezeigt. Bei Jaiku kann man zusätzlich ein weiteres, zum Thema passendes Foto hinzufügen. Die Feed-Funktion ist umfangreicher als bei Twitter, die offenen Schnittstellen (API), mit denen jeder neue Applikationen basteln kann, bleiben jedoch deutlich hinter denen des Konkurrenten zurück.

Identi.ca
Ähnliche Möglichkeiten für den Nutzer bietet Identi.ca., auch wenn es vom Ansatz her ganz anders ist. Der Dienst basiert auf der Open Source-Software Laconica, somit kann jeder mit ein bisschen Aufwand sein eigenes Identi.ca vom privaten Server aus betreiben. Die Daten werden einer Creative Commons-Lizenz zugeordnet.

Allerdings fehlt diesem Angebot noch vieles, was Twitter und Jaiku längst haben: Kartenfunktionen, Trennung von öffentlichen und nicht öffentlichen Einträgen, Bookmarks, einfache Integration in soziale Netzwerke etc. Die Betreiber von Identi.ca haben angekündigt, einige dieser Funktionen nach und nach bereitzustellen.

PhrazeIt
Die je nach Angebot zwischen 140 und 160 Zeichen liegende Mikroblogging-Beschränkung pro Eintrag mag so manchem, der mehr zu sagen hat, als zu kurz erscheinen.

«Viel zu lang!», meinen dagegen die Betreiber von PhrazeIt: «reviews in 30 characters or less». Anders gesagt: Hier kann jeder alles bewerten – einen Film, ein Buch, einen Ort, eine Person, oder, allgemeiner, Sex, Musik, Prominente –, allerdings nur mit maximal 30 Zeichen Text. «Germany» ist «fully turkey», «Barack Obama» ist wahlweise «still just a politician» oder «Mr. President» und «Sex» «should become a public service».

Die am häufigsten kommentierten und somit beliebtesten Themen werden in einer Tag-Cloud hervorgehoben. Auch hier kann man Profile anlegen, Freunde gewinnen und Beiträge mit anderen austauschen. Schließt man von der teilweise angezeigten Anzahl der «Votes» auf die Anzahl der Nutzer, so hat PhrazeIt seine besseren Zeiten noch vor sich.

Pownce
Vor allem in ihrer Testphase als ernsthafte Konkurrenz zu Twitter gehandelt wurde die Plattform Pownce. Inoffiziell im Sommer 2007, offiziell Anfang des Jahres 2008 unter dem Motto «Send stuff to your friends» gestartet, schaffte es der Dienst aber zu keiner Zeit auch nur annähernd mit Twitter mitzuhalten. Die Anzahl der Nutzer blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Und das, obwohl Pownce im Gegensatz zum Marktführer seinen Nutzern auch einen Dateienaustausch (MP3s, Fotos, Videos, Texte) nach dem Filesharing-Prinzip ermöglicht. Es gibt einfache, kostenlose Zugänge und eine kostenpflichtige sogenannte Pro-Mitgliedschaft für 20 Dollar im Jahr, die zahlreiche Extras bietet.

Seit kurzem hat Pownce aber die Schließung des Dienstes zum Jahresende bekannt gegeben. Führende Mitarbeiter wechseln zum US-amerikanischen Blogdienstleister Six Apart. Neue Pownce-Nutzer werden schon jetzt nicht mehr angenommen, den verbleibenden Usern empfiehlt man einen Wechsel zum Six Apart-Angebot Vox.