Sicherheit von Computern und Netzwerken:
IT-Söldner im Einsatz
01.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Es gibt dafür ein bestimmtes Milieu?
Geschonneck: Ja, das gibt es. IT-Söldner leben davon, für andere die schmutzigen Hacker-Jobs zu erledigen.
Dazu braucht es spezielles Wissen. Haben das viele?
Geschonneck: Es werden immer mehr. Es ist auch eine Generationenfrage. Junge Menschen haben viel früher und intensiver mit Computern zu tun als andere Generationen. Der Umgang mit Technik ist für die selbstverständlich. Bei einigen ist er nicht gepaart mit Unrechtsbewusstsein, sondern mit Gewinnerwartung. Das ist das Gemisch, das jemanden zum Auftragshacker werden lässt.
Mit Wirtschaftsspionage kann viel Geld verdient werden: Wenn Sie einen Wettbewerbsvorteil haben, ohne dass Sie etwas in die Erforschung eines Produkts investiert haben, wenn Sie dem Konkurrenten das Zeug einfach nur klauen, dann sparen Sie vielleicht mehrere Millionen Entwicklungskosten. Dann sind die paar Tausend oder auch Hunderttausend, die ein Hacker kostet, letztendlich nichts.
Geschonneck: So ungefähr.
Was sind andere häufige Fälle?
Geschonneck: Diebstahl von Kundendaten, von Identitäten. Es gibt Schwarzmarktplätze in Internet, wo für Kreditkartennummern in Kombination mit Adressen, Geburtsdaten und weiteren Informationen Geld gezahlt wird. Man kann geklaute Karten sowohl liefern als auch bestellen.
Wie kann der Dieb die PIN-Nummer einer EC-Karte herausfinden?
In meiner Sparkasse gibt es einen Sichtschutz über der Tastatur.
Geschonneck: Genau deshalb. Täter lassen sich viel einfallen. Wir haben in einem Nachbarland manipulierte Supermarktkassen erlebt: Da lieferte man mit seiner EC-Karte automatisch eine Kopie. In diesem Fall wurden Lesekartengeräte mit Chips ausgestattet, die die Kartendaten per Mobilfunk zu einer Betrügerbande ins Ausland übertrugen.
Was hilft?
Geschonneck: Regelmäßig die Auszüge kontrollieren.
Geschonneck: Mir ist mal eine neue EC-Karte aus dem Briefkasten gestohlen worden. Den PIN-Brief hatte jemand schon vorher abgefangen. Ich habe das erst durch eine Abhebung der Täter bemerkt.
Wie viel?
Geschonneck: 3000 Euro.
Und dann?
Geschonneck: Habe ich alles gemacht, was man machen sollte: Sperren lassen, Anzeige erstatten. Schnell reagieren, zur Bank gehen.
Hat in Ihren Computer einer reingesehen?
Geschonneck: Ich weiß, was ich zu tun habe, um den abzusichern.
Seit wann gibt es die Computer-Forensik?
Geschonneck: Das ist eine relativ junge Wissenschaft. Sie ist mit dem Aufkommen von Computerkriminalität entstanden, wir reden hier über etwa zwanzig Jahre.
Was ist eine Grundvoraussetzung für Ihren Beruf?
Geschonneck: Logisches Denken.
Geschonneck: Ich habe an der Charité bei dem Gerichtsmediziner Professor Otto Prokop als Schüler und Student gejobbt und fand das sehr, sehr spannend. Danach wollte ich Gerichtsmediziner werden, aber das Medizinstudium habe ich abgebrochen, weil mich die Informatik mehr interessierte. Jetzt mache ich eigentlich nichts anderes - Spurensammlung, Spurenanalyse, Fälle aufklären - nur dass es eben Computer sind. Und keine Menschen.
Als Jugendlicher lebten Sie im Osten. Wie kamen Sie das ersten Mal an einen Computer heran?
Geschonneck: Ein Schulkamerad, ein Botschaftskind, hatte einen C 64, einen Home-Computer. Da sind wir zum Spielen hin. Wenn die anderen vom Spielen Pause machten, habe ich rumprogrammiert.
Woher konnten Sie das?
Geschonneck: Das habe ich mir aus einem Buch beigebracht. Aber auch in der Erweiterten Oberschule haben wir bei VEB Secura, einem Betrieb für Mikroelektronik, im praktischen Unterricht an Bürocomputern spannende Programmier-Jobs gemacht. So gab es eine frühe Berührung.
Geschonneck: Ich habe Wochenenden damit verbracht, ihm die Dinge zu erklären, die ich beruflich mache. Vergeblich. Ich habe ein Buch über Computer-Forensik geschrieben. Der Kommentar meines Vaters war nur, dass die Buchstaben zu klein waren.
Bekam er noch mit, dass es ein sehr erfolgreiches Buch war, ein Standardwerk wurde?
Geschonneck: Natürlich. Er hat auch einiges gelesen und war stolz auf mich. Obwohl ich kein Arzt geworden bin. Und auch kein Schauspieler. Er wollte so sehr, dass ich in seine Fußstapfen trete.
Hatten Sie ein Talent zum Schauspielen?
Geschonneck: Nein. Ich hätte bei dem Vater bestimmt alle Chancen gehabt. Ich habe damals schon erkannt, dass sich mir alle Türen geöffnet hätten, trotz mangelnden Talents, aber wegen des Namens. Einmal habe ich in einem Kinderfilm mitgespielt. Das war schön, weil ich da sehr gehätschelt wurde.
Wie hieß der Film?
Geschonneck: «Des kleinen Lokführers große Fahrt.»
Geschonneck: Kann ich gar nicht sagen. Heutzutage ist es eigentlich egal, wo man sitzt. Man muss nur schnell irgendwohin kommen können.
Aber wenn einer in Südafrika sitzt und in Wien gebraucht wird?
Geschonneck: Das globale Netzwerk meiner Firma umfasst Leute in fast allen großen Industrienationen. Auch in Südafrika sitzen erfahrene Kollegen. Ich kann sie anrufen, die sind dann schnell vor Ort.
Sie haben einen krisenfesten Beruf. Gerade heutzutage.
Geschonneck: Ja. Ich wurde auch zu meiner Meinung über den so genannten Bundestrojaner befragt. Mit der Novellierung des BKA-Gesetzes soll den staatlichen Verfolgungsbehörden die Möglichkeit gegeben werden, elektronische Daten zu sichern - auch ohne das Haus zu betreten. Das ist und bleibt eine heiße Diskussion, weil wir das Thema Datenschutz und Privatsphäre ernst nehmen müssen.
Damit müssten Sie permanent kollidieren.
Geschonneck: Einerseits folge ich als IT-Ermittler und Computer-Forensiker dem natürlichen Drang, so viele Daten wie möglich einzusehen. Aber ich bin auch Staatsbürger und Privatmensch. Ich möchte nicht, dass die Überwachung um sich greift, dass Daten unberechtigt gesammelt und analysiert werden. Ich bin ein großer Verteidiger von Privatsphäre. Vielleicht auch, weil ich so in der Öffentlichkeit groß geworden bin, im Rampenlicht, durch meinen Vater.
Ich finde, dass meine Daten mir gehören. Ich möchte nicht, dass sie jemandem gegeben werden, dem man nicht trauen kann. Der sie vielleicht nicht dafür benutzt, wofür ich sie ihm treuhänderisch überlassen habe.
Wie ist es mit Video-Überwachungen in der Öffentlichkeit? Dienen sie nicht auch Ihrer und meiner Sicherheit?

