Sicherheit von Computern und Netzwerken:
Analysiere das Unbekannte!
Und was soll der aufgeregte Mensch machen? Den Computer abschalten? Oder alles lassen, wie es ist?
Geschonneck: Alles so lassen. Nicht Detektiv spielen. Es kommt auch darauf an, wie lange der Vorfall zurückliegt. Je früher man am Tatort ist - wir sagen tatsächlich Tatort - desto schneller kann man etwas feststellen.
Was haben Sie in Ihrer Aktentasche, wenn Sie auf solche Dienstreisen gehen?
Geschonneck: Kabel, Notebooks, Festplatten. Und andere Gerätschaften.
Geschonneck: Es gibt eine klassische Formulierung: Zur Computer-Kriminalität zählt alles, was durch den Einsatz eines Computers die Tat ermöglicht, die Aufdeckung verhindert oder das Vorgehen des Täters verschleiert. Wir erweitern das heute und sagen: Alles, was rechtswidrig oder sozial schädlich ist und durch den Einsatz von Computern ermöglicht werden kann.
Bitten Ihre Auftraggeber um Diskretion?
Geschonneck: Diskretion ist selbstverständlich. Ich werde beauftragt, weil ich unabhängig bin und zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Haben Sie Privatpersonen als Kunden?
Geschonneck: Ganz selten. In der Regel beauftragen mich Unternehmen.
Was machen Sie am Tatort?
Geschonneck: Ich sichere zuerst die Daten. Dann folgt die Analyse des Unbekannten. Wir haben ein Knäuel, wir müssen den Faden finden. Aber wo sollen wir ziehen? Jedes Unternehmen ist unterschiedlich. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn Buchhaltungsdaten verändert wurden? Wer könnte Spuren verwischen? Wie haben Tatverdächtige miteinander kommuniziert?
Was macht Ihre Abteilung genau?
Geschonneck: Wir kümmern uns um Wirtschaftskriminalität und sind in eine Betrugsermittlungseinheit eingebettet - Wirtschaftsprüfer, Anwälte, Steuerberater. Dazu gehören auch Ex-Polizisten, weil sie Ermittlungserfahrung besitzen. Sie reden mit Betroffenen, mit Verdächtigen, mit allen, die Zugang hatten. Heutzutage läuft nichts ohne Computer. Auch in der Redaktion der «Berliner Zeitung» gibt es keinen Vorgang, der ohne Computer stattfindet. Sei es ein Telefon, sei es Ihr Diktiergerät.
Erfahrungsgemäß wird alles Rechtswidrige, was mit Computern denkbar ist, auch gemacht. Das Verbrechen folgt den Möglichkeiten. Wenn ein Verbrecher mit einem schnelleren Auto vor der Polizei abhauen kann, wird er kein langsames nehmen. So ist es eben auch mit Computern.
Geschonneck: Niemand kann ganz sicher sein. Man muss mit Risiken leben und lernen, damit umzugehen.
Dazu kommt, dass die globale Vernetzung unsere Welt anfälliger gemacht hat.
Geschonneck: Dadurch kann ein Problem schneller über die Kontinente reisen. Computersysteme sind von überall aus angreifbar. Auch die Geschwindigkeit der News ist ein Problem. Stellen wir uns einen Einbruch in den Computer des Berliner Verlags vor, Vandalen haben die Homepage verändert: Die Information, bei denen ist eingebrochen worden, ist eine News, und sie landet als Tickermeldung bei anderen Blättern. Das könnte der eigentliche Schaden sein. Ein Imageschaden.
Daher die so genannte Aufklärungsangst?
Geschonneck: Ja. Betroffene Unternehmen haben Angst, sich an die Polizei zu wenden, weil dann eine Öffentlichwirksamkeit entsteht. Vielleicht macht sie den Schaden noch größer. Deshalb kommen sie zu uns. Wir helfen unseren Mandanten zu entscheiden, ob sie zur Polizei gehen sollen. Wenn Straftaten vorliegen, sollten die Unternehmen die Polizei informieren.
Wie erkennt ein Unternehmer, dass es einen Angriff auf seine Daten gegeben hat? Dass ein Dokument einfach weg ist, das würde vielleicht auffallen. Aber was, wenn eine Datei nur kopiert worden ist?
Es müssen nicht immer die Hackerangriffe sein: Der Angreifer kann auch in der Firma sitzen. Interne Projektdaten besitzen großen Wert: Da ist viel Geld investiert worden, Entwicklungsarbeit, Zeit, Ressourcen. Ein anderes Beispiel: Jemand verlässt die Firma und nimmt die Kundendaten mit.
Also: Ich bin ein Unternehmer und gucke in meinen Rechner. Da ist nichts zu sehen. Da ist ja jetzt kein Loch drin. Da hat keiner was rausgehackt. Der arme Mann kann es doch nicht erkennen. Ich habe keine Ahnung, aber ich vermute, dass viel mehr Daten kopiert werden, als die Unternehmen ahnen.
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Teil 2. Lesen Sie am Dienstagvormittag auch Teil 3 des Gesprächs. Übernommen mit freundlicher Genehmigung der «Berliner Zeitung».
