28.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Spielerin auf der Games Convention
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Weihnachtszeit ist Spielezeit, ab November kommen viele neue Games in die Läden. Ob Sport, Action oder Adventure, ob für den PC oder die Konsole, ob für Anfänger oder Fortgeschrittene - die Netzeitung gibt einen Überblick.
Die Banken. Die Wirtschaft. Die Krise. Die halbe Welt jammert und gibt sich düsteren Aussichten hin. Wird das Weihnachtsgeschäft wenigstens halb so gut wie im letzten Jahr? Was soll nur 2009 werden? Wofür werden die Menschen ihr knapper werdendes Geld ausgeben?
Für Spiele! Wo andere resignieren, tritt eine Branche optimistisch und selbstbewusst auf: Die Hersteller von Computer- und Videospielen rechnen trotz der schwachen Konjunktur mit einem guten Weihnachtsgeschäft. «Wir erwarten für das Weihnachtsgeschäft eine Fortsetzung der insgesamt sehr positiven Marktentwicklung», sagte jüngst der Geschäftsführer des Verbands interaktiver Unterhaltungssoftware, Olaf Wolters.
In Deutschland ist der Umsatz der Branche in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 929 Millionen Euro gestiegen also ohne das Weihnachtsgeschäft und die erst im Oktober und vor allem im November und Dezember veröffentlichten Neuauflagen von Bestseller-Spielen: Fifa 09, Por Evolution Soccer 09, World of Warcraft Wrath of the Lichking, Tomb Raider: Underworld, Need for Speed: Undercover und und und.
Märkte, Segmente, ImagesAnders gesagt: Für das gesamte Jahr 2008 peilt der Verband interaktiver Unterhaltungssoftware ein Wachstum von mindestens 20 Prozent an. Der ohne das Weihnachtsgeschäft zu beziffernde Zuwachs betrifft vor allem die Spielkonsolen. Spiele für die großen Konsolen (Wii, Playstation 3, Xbox 360): plus 48 Prozent; Spiele für die mobilen Konsolen (PSP, DS): plus 16 Prozent.
Allein das Geschäft mit PC-Spielen brach von Januar bis September um 17 Prozent ein da waren aber die aktuelleWorld of Warcraft-Erweiterung sowie hunderte neuer Titel noch nicht erschienen. Dennoch wird klar, dass sich innerhalb des Spielemarktes einiges verschoben hat. Nintendo hat mit seiner Wii das Konsolenspiel von den Rändern in die Mitte der Gesellschaft geführt. Das Konzept, Gelegenheitsspieler anzusprechen und Familien zu zeigen, dass gemeinsam zu spielen auch bedeuten kann, gemeinsam digital zu spielen, ist aufgegangen.
Mit den Singstar-, Guitar Hero- und Rockband-Spielereihen haben die Konkurrenten Sony und Microsoft leicht zeitversetzt reagiert und ihren Teil zum Imagewandel des Computer- und Videospiels beigetragen. Digitale Spiele sollen nun Gesellschaftsspiele sein, sie lassen sich wie Singstar oder Buzz in Partys integrieren oder sie machen wie Guitar Hero oder Rockband das Spielertreffen selbst zur Party. Das lange in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild des pickligen, bleichen Daddel-Nerds, der eine Konsole hat, aber keine Freunde, stimmt jedenfalls längst nicht mehr.
Ein Herz für DaddlerDoch auch ihn, den Daddel-Nerd, gibt es noch. Und auch für ihn produziert die Spiele-Industrie Titel um Titel: Crysis Warhead, Stalker: Clear Sky, Resistance 2 Ego-Shooter, mal mehr, mal weniger intelligent, mal kritischer, mal unkritischer gemacht sowie unzählige Strategie-, Adventure-, Jump'n'Run- und Actionspiele.
Auch sie können zuhause alleine Little Big Planet spielen, das ansonsten eher in den Bereich intelligentes Familienspiel für die Playstation 3 gehört. Aber wie bei Spore, noch so einem Highlight in 2008, kann jeder selbst entscheiden, ob er beim Daddeln für sich bleibt oder sich in ein Online-Netzwerk einklinkt, um mit anderen zu tauschen, zu chatten, zu interagieren, zu spielen. Die einst so starren Grenzen zwischen den sogenannten Hardcore- und Casual-Gamern sind längst durchlässig geworden.
Es geht weiter aber wie?In der aktuellen Ausgabe der Spiele-Entwickler-Zeitschrift «making games Magazin» findet sich ein streitbarer Artikel von Alex St. John, CEO des Spielenetzwerkes WildTangent, Entwickler der Spielegrafiksoftware DirectX und Berater von Microsoft. Er sieht die Spielkonsolen in nicht allzu ferner Zeit verschwinden.
Dem PC gehöre, was digitale Spiele angeht, die Zukunft, da die Entwicklung von Konsolen zu teuer sei, sämtliche Spiele in ein paar Jahren aus dem Web geladen würden und somit der strikte Raubkopieschutz, für den Konsolen heute stünden, hinfällig werde. Die Zukunft gehöre dem Prinzip World of Warcraft also dem dauerhaft netzwerk- und updatefähigen PC-Spiel und nicht Little Big Planet, Need for Speed oder Lara Croft und der dritten oder vierten Konsolengeneration.
Zum Erfolg von Nintendos Wii fällt ihm nichts ein und auch der Rest seiner Ausführungen ist mehr von (DirectX)Propaganda geprägt als vom Willen zu einer nüchternen Bestandsaufnahme samt Ausblick. Der Erfolg und mehr noch das Spielekonzept der Wii hat in den letzten Jahren viele überrascht. Gegenwärtig ist die Überraschung der Spielebranche in Kreativität und Produktivität umgeschlagen: Die Spiele werden besser, vielfältiger und immer mehr Entwickler geben dem Spieler Raum, jenseits des Action-Modus selbst kreativ zu werden. Und daraus könnte in Zukunft noch so manche Überraschung resultieren.
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