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Roman mit GPS-Daten: 

Plötzlich fährt die Buchseite los

27. Nov 2008 12:24, ergänzt 12:37
Doppelseite aus 'Senghor On The Rocks'
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Christoph Bendas Online-Roman «Senghor On The Rocks» wäre nur einer von vielen – hätte er nicht etwas Besonderes: Wer sich beim Lesen durch die Seiten klickt, reist mit Google Maps durch eine Stadt.

Wir befinden uns am Place de l'Indépendance, Dakar, Haupstadt des afrikanischen Staates Senegal, und ein Kamerateam dreht einen Beitrag. So weit, so konventionell für einen szenischen Einstieg in einen Roman. Und so beginnt auch Christoph Bendas Online-Roman «Senghor On The Rocks».

Doch schon die gegenüberliegende Seite zeigt auf, dass etwas anders ist. In Online-Romanen ist immer viel anders, mag man nun einwenden. Hier ist aber etwas ganz anders, denn wir Leser sehen ebenjenen Place de l'Indépendance in Dakar auf einer fotografierten Ansicht aus dem Kartenprogramm Google Maps.

Auf Seite Fünf des Romans gibt ein Mitarbeiter des literarischen Kamerateams die Anweisung zum Umbau: «Fahrer, nächste Station ist das Millenium-Monument.» Daneben sieht man immer noch dasselbe Foto des Platzes. Wer nun weiterblättert, sieht eine veränderte Perspektive des Place de L'Independance. Noch eine Seite weiter ist der Fahrer endlich der Anweisung nachgekommen und losgefahren.

Zusehen oder lesen?

Und mit ihm die Google-Maps-Karte. Ein kleiner Pfeil verfolgt die Strecke, während sich die Karte bewegt, an einem Strand von Dakar bleibt sie schließlich stehen. Auf Seite 15 geht es weiter, eine Küstenstraße Dakars entlang bis zu einer großen Kreuzung. Vermutlich wird der Produktionsleiter wieder eine entsprechende Anweisung an den Fahrer gegeben haben.

Das Problem dabei ist: Man hat längst aufgehört dem Text zu folgen und konzentriert sich allein auf Kartenfahrt durch Dakar. Es geht vorbei an Märkten, am Bahnhofsviertel, über kleine und große Straßen. In Hotelzimmern wird ausgeruht, geredet und getrunken. Der Tag geht in den Abend über und die Kartenansichten werden dunkler.

Street View mal anders

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, einfach zu lesen und steht schon seit dem Frühsommer unter einer Creative Commons-Lizenz online. In Zeiten des nicht endenden Streites über den mit Google Maps verbundenen Dienst Street View, für den Mitarbeiter des Webkonzerns Städte und Dörfer fotografieren und die Daten anschließend in Google Maps einarbeiten, ist er aktueller denn je.

Er zeigt schlicht eine neue Dimension auf im Dauerkonflikt zwischen Datenschützern einerseits und Google andererseits – die Dimension der Kunst.


 
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