Polizei rätselt um Radarwarn-Webseite: 

netzeitung.deWie vom Blitz getroffen

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Muss man nicht enttarnen: Blitzkasten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Muss man nicht enttarnen: Blitzkasten
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Berliner Polizei vermutet, dass Mitarbeiter auf Blitzberlin.de Radarfallen verraten. Dafür sprächen der Detailreichtum und der Polizeijargon auf der Webseite. Von Andreas Kopietz .

Die Berliner Polizei vermutet, dass Polizisten auf einer speziellen Internetseite über Radarfallen informieren. Deshalb ermittelt die Behörde nun in ihren eigenen Reihen. Seit rund drei Monaten ist diese Internetseite, die detailliert über Technik und Standorte informiert, der Polizeiführung bekannt.

«Wir haben sofort Verwaltungsermittlungen eingeleitet», sagte Polizeisprecher Frank Millert der «Berliner Zeitung». «Wir prüfen, ob Beamte gegen ihre Pflichten verstoßen.» Polizeipräsident Dieter Glietsch lässt sich laufend über den Ermittlungsstand unterrichten. Die Verfolgung von Temposündern ist ihm besonders wichtig. Erst im vergangenen Jahr hatte er verkündet, dass die Polizei Tempomessstellen nicht mehr öffentlich bekannt gebe. Raser müssten überall damit rechnen, erwischt zu werden.

Doch auch nach drei Monaten Ermittlungsarbeit weiß Glietsch nicht, wo die undichte Stelle seiner Behörde ist. «In dieser Internetseite steckt eine Menge Sachverstand, zumindest scheint es, dass jemand aus unserer Behörde beratend tätig ist», sagte Millert. Die Seite, die am 4. Juni 2007 vom «Werbestern Medienservice» bei Würzburg angemeldet wurde, läuft über einen deutschen Domainanbieter.

Blitzberlin.de
Sie wird laufend aktualisiert und unterscheidet sich von zahlreichen anderen Blitzerwarn-Seiten unter anderem dadurch, dass die Kennzeichen sämtlicher Messfahrzeuge aktuell sind. Jeder der 33 Messwagen ist aufgeführt und fotografiert: etwa ein silberbeige-metallener Opel Vectra mit dem Radargerät vom Typ «Multanova VR 6F», der meist in Neukölln herumsteht oder auch jener blaue VW Caddy mit dem kürzlich angeschafften und hochmodernen «Vitronic PoliScanSpeed», der immer in Pankow parkt.

In Treptow-Köpenick, so erfährt man, wartet ein VW Passat-Streifenwagen mit einem «Eso ES 1.0» an Bord auf den schnellen Autofahrer. Auch die «Messstellen-Top-Ten» jeder örtlichen Polizeidirektion sind der Seite zu entnehmen, also in welchen Straßen am meisten geblitzt wird.

Polizeijargon und Detailfotos
Auffällig für die Polizeiführung ist zudem, dass die Sprache auf der Seite Polizeijargon enthält und Detailfotos der Geräte im Inneren der Messfahrzeuge, Nahaufnahmen der Gerätedisplays sowie Fotos aus den Messwagen heraus. Die Betreiber glänzen mit Fachinformationen über Messgeräte und Hinweisen wie: «Messungen in der Nacht - mit Ausnahme der Videomethode - bedürfen wegen der höheren Kosten (Nachtschichtzulagen) einer Sondergenehmigung und werden daher seltener durchgeführt.»

Der «Würzburger Werbestern Medienservice» weiß, dass die Internetseite «ein Renner» ist. Ansonsten heißt es bei der Agentur: «Inhaltlich haben wir auf die Seite keinen Einfluss. Wir stellen die Domain nur in einem Gesamtpaket zur Verfügung.» Gepflegt werde die Seite von einem Mann aus Berlin.

Der «Mann aus Berlin»
Dieser Mann aus Berlin ist offenbar Student oder Mitarbeiter der Freien Universität (FU), weil er Zugang zum Rechenzentrum der Uni hat. Denn auf dem FU-Server ist die Seite ebenfalls «gespiegelt». Über ihn wird sie offenbar auch gepflegt.

Die Polizei prüft, ob es eine rechtliche Handhabe gibt, die verräterische Blitzer-Seite abschalten zu lassen. Frank Millert: «Wir werden jetzt die Kennzeichen aller Fahrzeuge austauschen.»

Übernommen mit freundlicher Genehmigung der «Berliner Zeitung»