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Szene aus 'Pro Evolution Soccer' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene aus 'Pro Evolution Soccer'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Immer wieder im Herbst stellt sich Freunden des digitalen Fußballs die entscheidende Frage: Soll es die neueste Version von «Fifa» oder die von «Pro Evolution Soccer» sein? Maik Söhler hat die Spiele getestet.

Zuerst einmal ist zu klären, ob das jeweilige Spiel das Wichtigste kann: Fußballgeschichte umschreiben. Denn so, wie es derzeit in der echten Fußballwelt mit Werder Bremen läuft, so geht es einfach nicht.

Konsole an, Fifa 09 rein, kurz anmelden, und dann gleich versuchen, die Auswärtsniederlage vom Sonntag gegen den HSV ungeschehen zu machen. Also nicht viel Zeit verlieren, die Standardaufstellung übernehmen, nicht am taktischen System rumfummeln, nur ein bisschen warmspielen, und los geht's.

Zur Halbzeit führt HSV mit 2:0, die Anfangseile war falsch. Jetzt wird umgestellt: Hunt raus, Almeida rein. Dazu zwei Auswechslungen, eine in der Abwehr, eine im Mittelfeld, Umstellung von der Raute auf ein 4-4-3-System mit Rosenberg rechts und Pizarro links außen. Anstoß der zweiten Halbzeit. Wieder drängen die Hamburger, aber Tim Wiese hat einen guten Tag. Abschlag Wiese, Kopfballverlängerung Frings auf Diego, er geht ab und spielt weiter auf Rosenberg, gute Flanke und schon ist Almeida mit dem Kopf da. Nur noch 2:1.

Am Ende gewinnt der HSV mit 4:2. Okay, der Gegner war vielleicht für den Anfang zu schwer. Neues Spiel, zu Hause gegen Hannover 96. 1:1 zur Halbzeit, 1:2 am Ende. Grummel. Das bringt nichts, man müsste erstmal richtig trainieren. Oder: Fifa 09 raus, Pro Evolution Soccer (PES) rein, anmelden, rumsuchen und rasch ist die Erkenntnis da - Bundesliga gibt's hier standardmäßig nicht. Standardmäßig heißt: Wer mit der Konsole online geht, kann sich die Bundesliga-Ergänzung rasch runterziehen.

Keine Bundesliga
Aber warum denn? Damit Bremen dann wieder verliert? Dann doch lieber das nehmen, was schon da ist. Liverpool gegen Tottenham, das hier aber aus Rechte-Gründen irgendwas mit North-West London heißt. PES ist zum Anfänger freundlicher, die Gegner sind nicht so stark wie bei Fifa 09, die Controller-Tastenbelegung ist mehr auf die krampfartigen Zuckungen des Neulings ausgelegt.

Liverpool gewinnt 3:0. So traut man sich sogar an ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft ran. Bloß keinen zu schweren Gegner wählen, hm, Österreich? Nun denn. Über die Namen der deutschen Spieler muss man spontan lachen, wieder waren wohl die Rechte nicht ohne Weiteres zu haben. Doch das Spiel macht alles wieder wett, es fallen drei schöne Tore gegen die Österreicher.

Man lernt schnell dazu bei PES, so schnell, dass man sich schon nach ein, zwei Stunden traut, im Legende-Modus einen eigenen Spieler zu erstellen und ihn seinen Weg durch den Profifußball samt Vertragsangeboten und Vereinswechseln gehen zu lassen. Die Beherrschung des «tödlichen Passes» sowie gute Sprintfähigkeiten tragen dazu bei, dass dieser Spieler tatsächlich von mehreren Clubs umworben wird.

Große Namen, große Anstrengungen
Von den Namen her ist Fifa 09 eindeutig besser, die Vielfalt der Funktionen vom Coaching bis zum Transfermarkt ist beeindruckend, Grafik und Sound sind gut, viele fußballerische Tricks können abgerufen werden, was aber noch mehr Training nach sich zieht.

Einmal eingespielt, geht es zurück zu Werder Bremen. Der nächste Gegner heißt Bayern München, in Vorbereitung auf das entscheidende (echte) Gruppenspiel gegen Famagusta in der Champions League sollte das reichen. 2:2 steht es am Ende und man merkt, wie gut es ist, sich mit Fifa 09 vorher in der Konsole angemeldet zu haben. Die Anmeldung muss nicht sein, in diesem Fall aber gehen sonst alle Spielfortschritte verloren.

Fan sein heißt leiden
Nun will der 1.FC Köln unbedingt noch geputzt werden. Diego wird geschont, ebenso Pizarro. Das rächt sich prompt – Köln gewinnt mit 4:1. Und so heißt es weiter mit Werder zu leiden – an der Spielkonsole und in den nächsten Wochen vermutlich auch jenseits davon.

Für Fußballspielanfänger ist PES 09 zugänglicher, man wird nicht so schnell gefrustet. Fifa 09 bietet mehr, ist aber auch anstrengender. Beide Spiele sind unterhaltsam, und sie machen deutlich: Wer gewinnen will, muss trainieren, überlegen und geschickt agieren. Fußballgeschichte lässt sich jedenfalls nicht umschreiben – weder auf dem Bildschirm noch auf dem Rasen.

Fifa 09 (EA, je nach Version zwischen 40 und 50 Euro) und Pro Evolution Soccer 09 (Konami, zwischen 30 und 50 Euro) sind im Oktober erschienen und wurden von uns auf der Xbox 360 gespielt. Beide Games sind auch für PC, Playstation 3, Playstation 2, Wii, PSP und DS erschienen.