Neues Webportal «Wanna Challenge»:
Nur das Unangenehmste aus zwei Welten
18. Nov 2008 15:41
 |  Sieht jetzt schon alt aus: Startseite von 'Wanna Challenge' | Screenshot: nz |
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Ein neues Webportal wendet «Wetten, dass ..?» auf Videos an. Es fordert Originalität ein und ist dabei so langweilig wie ein Fritzchen-Witz.
Maik Söhler meint: Die Herausforderung der Seite besteht darin, sie zu ignorieren.
Aus einer geschlossenen in eine offene Testphase übergegangen ist dieser Tage das Webportal «Wanna Challenge». Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsproduktion von Thomas Gottschalks Firma Dolce Media und dem Heinrich-Bauer-Verlag (oder anders gesagt von «Wetten, dass ..?» und «Bravo»), auf der Seite werden die besten Herausforderungen gesucht.
Und das geht so: Ohne dass Gottschalk oder das «Wetten, dass ..?»-Logo direkt in Erscheinung treten, folgt «Wanna Challenge» dem Prinzip der Fernsehshow. In einem Video behauptet einer, dies oder jenes zu können und fordert Neugierige auf, es ihm gleichzutun oder – noch besser – ihn zu übertrumpfen. Der Versuch soll ebenfalls auf Video aufgezeichnet und auf der Webseite hochgeladen werden.Ein Thomas Kohn wartet im sogenannten Action-Channel auf Herausforderer, die den Rubic Cube «unter verschärften Bedingungen lösen». Seine Vorgabe sieht so aus, dass er den Würfel unter Wasser mit nur einem Atemzug in die Ausgangsstellung bringt, und das auch noch einhändig. Zeitlich zu schlagen sind eine Minute und sieben Sekunden.
Im Musik-Channel fordert ein Trompeter, es ihm nachzutun. Er spielt mehr als zwei Minuten lang auf zwei Trompeten gleichzeitig, die zudem noch mit jeweils zwei Maßkrügen beschwert sind. Im Sport-Channel werden die originellsten Basketballer, krassesten BMX-Fahrer und waghalsigsten Skater gesucht. Andere Themen lauten «geilste Babylache», «unglaubliche Tricks» oder «beste Büroausraster». Vieles davon kennt man schon von Youtube.
Was soll's? Was soll's!
Wer teilnehmen will, muss sich registrieren. Das geht einfach, schnell und dem Nutzer entstehen keine Kosten. Man kann die Videos bewerten und kommentieren, es lassen sich Playlisten anlegen und auch sonst ist «Wanna Challenge» technisch auf der Höhe des Web 2.0 (wie es vor ungefähr zwei Jahren war und das auch nur dann, wenn man es auf die Stichworte «Mitmachnetz» und Multimedia beschränkt). Hier und da muss man beim Ansehen eines Videos schmunzeln, meistens aber lacht man bloß darüber, dass sich im Jahr 2008 tatsächlich noch jemand traut, so etwas ins Netz zu stellen. Wann werden die Seitenbetreiber wohl entdecken, dass die legendären «Furzvideos» auf Youtube immer noch gut geklickt werden? Time for a new challenge …
Zum Glück werbefinanziert
Die Seite hat so viel Charme wie die Witzseite einer Provinzzeitung, sie wirkt ideenlos und unmotiviert, kommt dabei schrill und aufdringlich daher. Sie ist eine Art Samstagsabends-ZDF-Cliffhanger ins Netz, dort jedoch noch einmal um die unangenehmsten Web-Mode-Erscheinungen angereichert.
Aber wenigstens kommt niemand finanziell zu Schaden. Werbung und Sponsoring sollen das Geld für den Betrieb einbringen. Man möchte sagen: Wie langweilig der Zwang zur Originalität doch sein kann. Man könnte sagen: Bitte nicht noch ein pseudolustiges Videoportal, bitte sofort wieder offline stellen! Man muss sagen: Auch dieses Portal wird seine User finden.