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Freie Betriebssysteme und Multimediadateien: 

Linux und das Codec-Problem

17. Nov 2008 10:22
OpenSuse am Bildschirm
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Längst stellen die freien Betriebssysteme OpenSuse und Ubuntu gute und vor allem preiswerte Alternativen zu Windows dar. Doch nicht jede Linux-Version kommt auf Anhieb mit MP3-Dateien und Film-DVDs zurecht.

Linux ist ein freies Betriebssystem. Das ist meisten auch gut so - aber manchmal liegt genau darin ein Problem: Wenn Software wie Linux kostenlos verteilt wird, ist es schwierig, damit Geld zu verdienen. Und so ist es nur logisch, dass die vielen unentgeltlich arbeitenden Entwickler nicht auch noch ihr anderswo verdientes Geld dafür ausgeben, patentierte Software in ihre Linux-Distribution einzubauen.

Das ist der Grund dafür, dass nach der Installation kostenfrei erhältlicher Linux-Distributionen einige Multimedia-Anwendungen wie das Abspielen von Film-DVDs erstmal nicht funktionieren. Die entsprechenden Codecs fehlen: Als Codec wird ein Programm bezeichnet, mit dessen Hilfe digitale Daten in ein anderes Format verwandelt werden beziehungsweise wiedergegeben werden können.

In vielen Fällen heißt der Codec so wie das entsprechende Dateiformat: MP3 etwa oder WMA. MP3 wurde Anfang der achtziger Jahre vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelt. Für die Nutzung des patentierten MP3-Codecs, zum Beispiel in einem Programm zum Abspielen von Musik auf dem PC, muss der jeweilige Hersteller Lizenzgebühren zahlen.

OpenSuse und Ubuntu

Dass ihre Distribution bestimmte Codecs nicht enthält, begründen Communitys wie OpenSuse oder Ubuntu mit offenen rechtlichen Fragen. «Technisch ist die Einbindung der Codecs kein Problem», sagt Martin Lasarsch in Nürnberg, der beim Hersteller Novell am Suse-Projekt arbeitet. Es sei quasi unmöglich, die einzelnen Lizenzen zusammenzubekommen. «Es gibt da keine zentrale Stelle.»

Es geht dabei nicht nur um ein oder zwei Codecs, sondern um viele. Für das Abspielen von DVD-Filmen werden zum Beispiel der MPEG2-Codec für die Bildwiedergabe und ein weiterer Codec, in der Regel AC3, für den Ton benötigt.»

Andreas Kroschel von der in München erscheinenden «PC-Welt Linux» weist auf ein weiteres Problem hin: «An der Dekodierung hängen Patente.» Ein Unternehmen könne die entsprechenden Gebühren entrichten. Vereine etwa oder lose Zusammenschlüsse unentgeltlich arbeitender Software-Entwickler wie sie hinter dem Gros der Linux-Distributionen stehen, hätten dafür kein Geld. Ein wesentlicher Punkt dürfte zudem die unkontrollierte Weitergabe sein - wie soll da die Höhe der fälligen Lizenzen berechnet werden?

Codecs nachladen …

Doch die Linux-Nutzer hindert das kaum daran, auf ihren Systemen trotzdem Filme und MP3-Songs abzuspielen. Beim Nachladen der fehlenden Software werden sie von den Distributoren teilweise unterstützt. Und was zumindest eine ungeklärte rechtliche Frage darstellt, interessiert in der Praxis offensichtlich kaum jemanden.

Entsprechende Hinweise darauf, wie die Codecs doch auf den Rechner kommen, finden sich auf den offiziellen Community-Websites. Und das aktuelle OpenSuse enthält Martin Lasarsch zufolge eine Funktion, die auf Wunsch des Nutzers die Verbindung zu einer bestimmten Website herstellt, damit dort die fehlenden Codecs heruntergeladen werden können. Ansonsten hilft aber auch das Herunterladen eines sogenannten multifunktionalen MPlayers - der enthält die notwendigen Codecs ebenfalls.

… oder für Software bezahlen

Die Alternative wären kostenpflichtige Distributionen mit entsprechender Software, sagt Mark Bröcker, der an der Hamburger Volkshochschule Linux-Kurse gibt. «Leider handelt es sich dabei aber um weniger beliebte Systeme.»

Martin Lasarsch geht davon aus, dass viele Nutzer bereit wären, für ein entsprechendes Programm Geld auszugeben. Es mangele jedoch am Angebot attraktiver Software. Dass sie wegen des Herunterladens entsprechender Codecs aus dem Internet Probleme bekommen, damit müssen Anwender - so die einhellige Expertenmeinung - ohnehin nicht rechnen. (Sven Appel/dpa)

 
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