Computer- und Videospiele: 

netzeitung.deAuf den digitalen Straßen von L.A.

 Herausgeber: netzeitung.de

Im getunten Golf GTI durch L.A.: 'Midnight Club Los Angeles' (Foto: Rockstar Games<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Im getunten Golf GTI durch L.A.: 'Midnight Club Los Angeles'
Foto: Rockstar Games
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das neue Autorennspiel «Midnight Club Los Angeles» beweist: Rockstar Games kann mehr als «Grand Theft Auto». Maik Söhler hat sich berauschen lassen. Nicht vom Tempo der Verfolgungsjagden, sondern von großartigen Ansichten einer Stadt.

Ein Freund von uns lebt derzeit in San Diego, USA. Gelegentlich schickt er via E-Mail einige Zeilen, manchmal sind auch Fotos angehängt. Vor allem die Bilder lösen Fernweh bei uns aus. San Diego sieht auf ihnen sehr schön aus. Und immer scheint die Sonne. Wären da nicht all die täglichen Verpflichtungen, flögen wir am liebsten gleich los. Doch der Alltag ist da und so wird es vorerst bei einem Tagtraum bleiben.

Am Donnerstagabend kamen wir San Diego unerwartet sehr nahe. Statt tausender Kilometer waren wir plötzlich - halbwegs freie Straßen vorausgesetzt - nur noch gute zweieinhalb Autostunden von der südkalifornischen Stadt entfernt. Wir konnten schon das Hinweisschild «San Diego» sehen und entschieden uns prompt, ihm zu folgen.

Allein - die Software ließ es nicht zu. Die Software meint: Das Programm des seit einigen Tagen erhältlichen Konsolenspiels «Midnight Club Los Angeles». Es handelt sich um ein Videospiel des Herstellers Rockstar Games, der sich mit seiner «Grand Theft Auto»-Reihe längst tief in die Ruhmeshalle der Computer- und Videospiele eingeschrieben hat. Mit «Midnight Club Los Angeles» will das Unternehmen nun zeigen, dass es auch jenseits der sympathisch-morbiden Gangsterwelten einiges zu bieten hat.

Autos, Rennen, Raserei
Man kann nun hergehen und «Midnight Club Los Angeles» einfach als Autorennspiel charakterisieren und entsprechend beschreiben. Mit anderen Autorennspielen gemeinsam hat es, dass - nun ja, klar - Autorennen gefahren werden. Der Spieler kommt in der Stadt an, kauft sich ein kleines Auto, fährt damit Rennen und bekommt dafür Geld und Punkte. Je nach Geschick mal mehr, mal weniger.

Das Geld wird ins Auto reinvestiert (sprich: in die Werkstatt), das Fahrzeug wird schöner, schneller, getunter. Die Punkte berechtigen den Spieler, auf neuen Strecken in Konkurrenz zu anderen, schwierigeren Gegnern zu treten. Dafür gibt es mehr Geld und mehr Punkte usw. Man kauft sich irgendwann ein neues, besseres Auto - bis zum Ferrari kann man es schließlich bringen -, und weiter geht es, immer weiter, immer schneller.

Von anderen Autorennspielen unterscheidet sich das Spiel, indem es kaum vorgeschriebene Rennstrecken vorgibt. Vor allem am Anfang sind einige Parcours locker abgesteckt, stets aber geht es quer durch Los Angeles. Das bedeutet zugleich, jeder größere Fahrfehler lässt einen schnell von der Rennstrecke abweichen und man muss sich anschließend mithilfe seiner GPS-Anzeige selbst in der Stadt zurecht und zum Parcours zurückfinden, um das Rennen beenden zu können. Auf diese Weise wird die gesamte Metropole zur Rennstrecke.

Grenzen des Spiels
Wie jedes Spiel hat auch dieses seine Grenzen. Über die Stadtränder von Los Angeles gelangt man nicht hinaus, dem Hinweisschild nach San Diego folgt leider keine Straße in diese Richtung. Begrenzt sind weiterhin einige Aktionsmöglichkeiten des Spiels, schließlich weiß man nie, wann sich die Polizei in ein Straßenrennen einmischt - mit dem eindeutigen Ziel, es zu beenden. Auch sollte man außerhalb der Fahrwettbewerbe zumindest gelegentlich auf Geschwindigkeitsvorschriften und rote Ampeln achten.

Beide Grenzen erhöhen den Reiz des Spiels. Die Beschränkung auf Los Angeles lässt einen die Stadt immer besser kennenlernen. Bald sind trotz der unfassbaren Menge an Wegen zahlreiche Abkürzungen vertraut. Man begreift sogar, dass die Programmierer von Rockstar den Begriff Abkürzung ganz anders definieren als der Rest der Menschheit, für den Parkhäuser, Fußgängerpassagen und Schaufensterscheiben anderen Zwecken dienen.

Wer irgendwamm meint, er habe nun in allen möglichen Autos in allen denkbaren (Tuning-)Varianten alle echten und potenziellen Strecken schon befahren, kann immer noch sicher sein, dass die Polizei ihm plötzlich eine Verfolgungsjagd liefert, zu der er bislang noch keine Erfahrungswerte vorweisen kann. Oder man steigt um aufs Motorrad und beginnt von vorne.

Die Schönheit einer Stadt
Man kann aus guten Gründen auch hergehen und sagen, dass «Midnight Club Los Angeles» eigentlich gar kein klassisches Autorennspiel ist. Wie schon in der «Grand Theft»-Reihe kommt der Umgebung eine große Bedeutung zu. Und das ist in diesem Fall die Stadt Los Angeles.

Die Grafik des Spiels kann es mit den besten Spielegrafiken aufnehmen, sie vermittelt uns das Bild einer wundervollen Stadt. Egal ob zum Sonnenaufgang, am hellichten Tag oder mitten in der Nacht, wir lernen Los Angeles von seinen schönsten Seiten kennen. Schön heißt: interessant, abwechslungsreich, belebt und manchmal auch unfrisiert, abgründig, hässlich.

Wer einmal den Renn- und Tuningmodus verlässt - wer also nicht jede Aufforderung zum Wettfahren annimmt, nicht ständig dorthin brettert, wo schon ein lauter Motor in freudiger Erwartung vor sich heult und wer nicht zwei Drittel der Spielzeit in der Werkstatt beim Fahrzeugumbau verbringt -, und einfach so vor sich hin durch die Straßen cruist, der wird mit grandiosen Bildern und Eindrücken belohnt. «Midnight Club Los Angeles» ist ein tolles Autorennspiel. Als digitale Hymne auf die Stadt Los Angeles (samt der dazu passenden Musik, u.a. von Social Distortion, Nine Inch Nails und Ice Cube) ist es noch besser.

Midnight Club Los Angeles - Rockstar Games, November 2008, je nach Plattform zwischen 40 und 60 Euro - wurde von uns auf der Xbox 360 gespielt. Das Spiel ist auch für die Playstation 3 und als Midnight Club L.A. Remix für die Playstation Portable erhältlich.

Trailer zum Spiel