Neue Betätigungsfelder für Spammer:
Die Nigeria-Connection im Web 2.0
11.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Fast jeder kennt die «Urgent-» oder «Confidential Proposal»-E-Mails, etwa von «Moses Odiaka» aus Lagos. Mittlerweile versucht die Nigeria-Connection ihr Glück bei Ärzten - und in sozialen Netzwerken wie Facebook.
Wäre das Ergebnis nicht so düster immer wieder tappen Menschen in ihre Falle -, so wäre es an der Zeit, die Millionen von der sogenannten Nigeria-Connection versandten E-Mails mal als zeitgenössischer Ausdruck klassischer Prosa oder Lyrik auszustellen: «My name is Mr.Moses Odiaka. I work in the credit and accounts department of Union Bank of NigeriaPlc,Lagos, Nigeria. I write you in respect of a foreign customer with a Domicilliary account», usw.
Versuchten diese wohl bekanntesten Online-Gauner der Welt bislang, mit E-Mails an das Geld leichtgläubiger Westeuropäer zu kommen, so haben sie nach Medienberichten ihren Aktionsradius seit Neuestem deutlich ausgeweitet unter anderem auf das soziale Netzwerk Facebook.
Wie das IT-Portal Winfuture berichtet, wimmelt es im Facebook-Netzwerk derzeit nur so an «Mitteilungen» von einer angeblichen Kontaktperson. Diese schreibe die Inhaber diverser Facebook-Profile an und behaupte, sich ohne Bargeld und in einer misslichen Lage in der nigerianischen Metropole Lagos aufzuhalten. Die Profilinhaber werden aufgefordert, mit einem Kleinkredit von 500 Dollar (rund 393 Euro)zu helfen. Das Geld werde später samt einer hohen Prämie zurückgezahlt.
In dem Bericht auf Winfuture heißt es weiter, die Mitteilungen seien «wie bereits die Spam-E-Mails in einer sehr schlechten Sprache verfasst». Die Nigeria-Connection habe diverse Facebook-Accounts gekapert, von denen aus sie agiere und deren Login-Daten sie mittels Trojaner bekommen hätte. Das soziale Netzwerk Facebook hat derzeit nach eigenen Angaben 110 Millionen Mitglieder in aller Welt.
Online wie offline aktivAuch jenseits des Web 2.0 bleibt die Nigeria-Connection aktiv. So macht die niedersächsische Polizei derzeit in einer Presseerklärung darauf aufmerksam, dass nun auch Ärzte verstärkt Post von den Betrügern erhalten.
Drei Ärzte aus dem Raum Hildesheim hätten sich bei der Hildesheimer Polizei «gemeldet und um Verhaltensregeln nachgefragt». Sie hätten auf dem Postweg einen in Madrid abgestempelten Brief erhalten, in dem der angebliche Rechtsanwalt David Johnson Junior «vom Unfalltod einer Person, die den gleichen Nachnamen wie der Angeschriebene trägt», berichtet.
Der Verstorbene habe 22 Millionen US-Dollar (rund 17,25 Millionen Euro) bei einem Finanzinstitut hinterlassen, der Betrag könne nach Kontaktaufnahme und diversen Vorschüssen für Steuern, Gebühren etc. für die zu erledigenden Formalitäten zwischen dem angeschriebenen Arzt und dem vermeintlichen Anwalt aufgeteilt werden. Die niedersächsische Polizei spricht in diesem Zusammenhang von einem «Anbahnungsschreiben». (nz)