Vor 25 Jahren entstand das erste Virus:
Als der Computer Grippe bekam
09.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Als Cohen Computerviren definierte, hatte er deren Vorbilder aus der Biologie im Hinterkopf: Es handle sich um Programme, die andere Programme infizieren könnten, indem sie diese veränderten und etwa eine Kopie von sich selbst in den Quellcode einfügten, schrieb er in einem damals viel beachteten Aufsatz. Ohne dass es der Computernutzer bemerkt, können die elektronischen Erreger die Kontrolle des Systems übernehmen.
Heute steht der Begriff für ein hochgerüstetes Arsenal schädlicher Software (Malware), mit denen Cyber-Kriminelle private Nutzer wie Firmen attackieren: Würmer, Trojaner, Spyware. Damals wie heute ging es um die Kontrolle über den Rechner - doch die Absichten der Viren-Autoren könnten unterschiedlicher nicht sein. «Damals haben die Viren-Autoren oft nur Schabernack betrieben», sagt Raimund Genes, Technikvorstand beim Software-Hersteller Trend Micro. Eine Botschaft auf dem Bildschirm, das war's. Schaden haben zwar auch diese Viren angerichtet, richtig bösartig war nur ein Bruchteil.
Spätestens seit fünf Jahren geht es vor allem ums Geld. «Die Täter denken marktorientiert», sagt der Karlsruher IT-Experte Christoph Fischer. «Sie wollen Bankkonten und Aktienportfolios plündern oder Ebay-Konten für Geldwäsche nutzen.» Er sieht mafiöse Banden am Werk - in Deutschland vor allem aus Osteuropa.
Im Unterschied zu früher wird der Bildschirm allerdings nur noch selten schwarz. «Die bösen Jungs haben kein Interesse daran, ihre Aktivitäten sichtbar zu machen», sagt Trend-Micro-Experte Raimund Genes. Die Zahl der Schädlinge nimmt trotzdem rasant zu: Laut einer Untersuchung von Trend Micro kommen jeden Monat 500.000 mit Variationen im Quellcode hinzu.
Das sieht Fred Cohen 25 Jahre nach seiner Entdeckung als größtes Problem: «Viele Viren verbreiten sich aus psychologischen Gründen - Spam legt ja nicht den Computer herein, sondern den User.»
Auch Pionier Fred Cohen, der sich schon 1984 über Therapien gegen Computerviren Gedanken machte, verdient heute damit sein Geld: Er gründete eine Beratungsfirma für «den Schutz von Informationen». (Christof Kerkmann/dpa)

