04.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Im Netz sehr präsent: Andrew Keen Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wieder einmal hat der Unternehmer und Autor Andrew Keen seine Kritik am Mitmach-Internet vorgebracht. Für dessen Zukunft sieht er schwarz, sollten Verlage und Journalisten endlich zurückschlagen.
Der US-amerikanische Publizist Andrew Keen hat das Ende des Mitmach-Internets Web 2.0 vorausgesagt. In fünf bis zehn Jahren werde nicht mehr der «Kult des Amateurs» dominieren, sondern ein von Experten geprägtes neues Web 3.0, sagte der in Berkeley, Kalifornien, lebende und für zahlreiche britische und US-amerikanische Zeitungen schreibende Keen am Montag in Frankfurt.
Beim Medientreff des Flughafenbetreibers Fraport kritisierte der Publizist eine «Radikaldemokratisierung der Kultur» durch Internetseiten wie Youtube, Myspace oder Wikipedia. Diesen Angeboten, die in den USA immer stärker die herkömmlichen Medien ersetzten, fehle es an professioneller Qualitätskontrolle.
Das Web 2.0 schaffe es aber nicht, Erträge zu generieren, sagte Keen, dessen Buch «Die Stunde der Stümper» kürzlich in deutscher Sprache erschienen ist. Deshalb würden nur die wenigsten Firmen dieser Art überleben, was eine «gute Nachricht» sei. Keen, der selbst schon bei einigen Webunternehmen wie Santa Cruz Networks und Jazziz Digital gearbeitet hat, forderte die traditionellen Medien auf, gegen die Konkurrenz aus dem Web 2.0 «zurückzuschlagen» und die Leser daran zu erinnern, wie schwer es sei, ein professioneller Journalist zu sein.
«Der ganze Mist in den Online-Kommentaren»Die Leipziger Autorin Else Buschheuer sagte in einer anschließenden Diskussionsrunde, der Web 2.0-Skeptiker Keen sei selbst als Blogger aktiv und verlinke auf den von ihm kritisierten Internet-Buchhändler Amazon. «Es ist schon smart, dass er im Internet seine schlechten Nachrichten über das Internet verbreitet», sagte die freie Autorin, die auch als TV-Moderatorin arbeitet. Buschheuer beklagte zugleich «die Anonymität, die Verleumdungen, den ganzen Mist in den Online-Kommentaren». Hier müsse über bessere Kontrolle nachgedacht werden.
Nach Ansicht des Chefredakteurs von Sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs, sind die Zeitungsverleger klassischen Stils in Gefahr, von Spekulanten und Hedgefonds abgelöst zu werden. Gefragt seien aber Verleger, «die ein Verständnis für Journalismus haben und sich nicht nur an der Rendite orientieren». Bei der «Süddeutschen Zeitung» arbeiteten die Print- und die Online-Redaktion eng zusammen. Die Internetausgabe der SZ habe mittlerweile mehr Leser als die gedruckte Zeitung.
Eitelkeitsindustrie JournalismusJakobs bezeichnete es als ein Problem des Journalismus, dass dieser sich «mit 100 Journalistenpreisen pro Jahr» zu einer regelrechten Eitelkeitsindustrie entwickelt habe. Journalisten hätten sich in Inszenierungsmuster eingefügt, lieferten schnelle Pointen in Talkshows und zeigten sich mit Vorliebe auf Galas. «Sie müssen aber unabhängig sein und kämpfen», forderte Jakobs.
Der Fraport-Medientreff fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und behandelte das Thema «Der digitale Hype: Informationskult im Internet». Mitveranstalter waren die Deutsche Lufthansa und die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien.
Bereits in den vergangenen Jahren hatte Keen immer wieder einmal mit deftiger Kritik an Webportalen wie Wikipedia, Myspace oder Youtube auf sich aufmerksam gemacht. (nz/epd)