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Digitale Lesegeräte im Test: 

Die Bibliothek in der Handtasche

15. Okt 2008 14:36
Viel zu lesen: Amazons Kindle
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Das Buch bekommt Konkurrenz: E-Books ermöglichen die Lektüre digitalisierter Literatur. Doch noch sind viele Geräte nicht ausgereift, weiß Marin Majica. Mit Kurztests von vier E-Books.

Birgit Schmitz spürt den Vorteil von E-Books am Ende der Woche in den Armen. «Früher», sagt Schmitz, Lektorin beim Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch, «ging ich am Freitagabend mit zwei Taschen voller Manuskripte aus dem Haus. Heute reicht meine Handtasche.» In der trägt sie ihren Sony Reader, auf den sie alles lädt, was sie zu lesen hat. «Es ist reizvoll, immer alles dabei zu haben», sagt die Lektorin.

Schmitz und ihre Kollegen werden derzeit häufig zu ihrem Arbeitsalltag befragt, immerhin hat ihr Verlag etliche Mitarbeiter mit einem Lesegerät von Sony ausgestattet. Diese Neuerung passt gut zur Stimmung in der Branche. Zum Start der Frankfurter Buchmesse wird über kaum ein anderes Thema so viel geschrieben und gesprochen wie über die E-Books.

Ausgerechnet in einem Bereich, in dem seit gut 500 Jahren die Veränderungen eher gemächlich verliefen, ist derzeit die Rede von einer Revolution. Nicht weniger als das erwarten Verlage und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vom Sony Reader und seinen Konkurrenten wie dem Kindle von Amazon, der auf der Buchmesse dem deutschen Markt vorgestellt wird.

Discount-Gerät schon 2009?

Die Vision klingt auch zu verlockend: Endlich steht die Technologie bereit, mit der energiesparende und verhältnismäßig leichte Lesegeräte für den Massenmarkt möglich sind. Mit dem Kindle kann jeder Leser nicht nur eine Vielzahl von Büchern ständig bei sich tragen, neue Bücher können direkt beim Internet-Buchhändler Amazon gekauft und über Funknetz auf das Gerät geladen werden.

Die derzeit noch recht hohen Preise sollen schon bald drastisch fallen. «Spätestens zum Weihnachtsgeschäft 2009 rechnen wir mit einem sehr preisgünstigen Lesegerät, eine Art Lidl-Reader», sagte Matthias Ulmer, Vorstandsmitglied des Verlegerausschusses im Börsenverein, kürzlich.

Sonys Reader
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In Deutschland werden Sony Reader und Kindle zwar wahrscheinlich erst im kommenden Jahr verkauft. Und einige Defizite haben die Lesegeräte im Moment auch noch: So muss das Amazon-Funknetz in Deutschland erst aufgebaut werden, die Auswahl der elektronischen Bücher ist noch nicht groß, und nicht alle Geräte lesen alle Dateiformate. Selbst Falk Kühnel vom E-Book-Händler justread.de geht davon aus, dass die Geräte für einen breiten Markt erst interessant werden, wenn die Displays größer und farbig werden und das Angebot an elektronischen Büchern deutlich aufgestockt ist. Drei bis fünf Jahre werde das dauern, schätzt Kühnel.

Die neue Musikindustrie

Doch die Euphorie schmälern solche Einschränkungen nicht, genauso wenig wie die Ängste. Zu Wort melden sich derzeit auch Experten, denen zufolge die Revolution des Buchmarktes recht blutig ablaufen wird. Häufig wird der Vergleich zur Musikindustrie gezogen, die durch den illegalen Tausch von Musik-Dateien im Internet massive Umsatzeinbrüche erlitten hat. Musikmanager wie Tim Renner und Viva-Gründer Dieter Gorny geben deshalb nicht ganz ohne Häme gute Ratschläge in diesen Tagen. Schneller solle die Buchproduktion werden, empfiehlt etwa Renner, Neuheiten sollten sofort nach dem Lektorat ins Netz gestellt werden.

Dabei kann gerade der Vergleich mit der Musikindustrie die Buchbranche eher beruhigen. Geld wird im Musikgeschäft trotz der Krise beispielsweise mit Liebhaber-Ausgaben verdient: Das gleiche Album, das bei iTunes für 9,99 Euro runtergeladen werden kann, gibt es auf CD inklusive Konzert-Video für rund 30 Euro.

Eine solche Diversifizierung kennt der Buchhandel seit jeher: das billige Taschenbuch neben der teuren Sonderedition. Verlage sollten sich fragen, wie dieses Konzept auf die E-Books übertragen werden kann. Und wie sie damit umgehen wollen, dass es vielleicht auch eine gesteigerte Nachfrage nach qualitativen, schönen Papier-Büchern geben könnte.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Berliner Zeitung.

Hier geht es zu den Tests der einzelnen E-Books:

 
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