Rechtsextreme Profile beim VoIP-Anbieter:
Skype: Adolf Hitler geht nicht ran
09. Okt 2008 11:13, ergänzt 11:52
 |  Eines der Hitler-Profile auf Skype | Screenshot: Christoph Wesemann |
|
Ein deutscher Blogger hat zahlreiche seltsame Nutzerprofile beim Voice over IP- und Instant Messenger Skype gefunden: Hitler, Goebbels, Himmler, Mengele, Rommel. Als er den «Führer» anrief, war aber besetzt.
Das Nutzerverzeichnis von Skype, dem zu Ebay gehörenden Dienstleister für Internettelefonie und Instant Messaging, ist voller Personen mit den Namen ehemaliger NS-Funktionäre. Darauf weist der deutsche Journalist und Blogger Christoph Wesemann in einem Blogeintrag vom 9. Oktober hin.
Sein Eintrag beginnt mit den Worten: «Ich habe heute versucht, Adolf Hitler (NDSAP) über Skype anzurufen. Ich wollte ihn fragen, ob er wegen der aktuellen Weltfinanzkrise ein Comeback plant. Es war leider besetzt.» Es folgen zahlreiche Screenshots, die belegen, dass User aus aller Welt sich bei Skype unter dem Namen Adolf Hitler ins Nutzerverzeichnis eingetragen haben.Als Wesemann das Verzeichnis durchsuchte, stieß er «auf mehr als 30 Kontakte» die unter dem Namen Hitler angelegt sind. Als «Land/Region» wurden von diesen Skypern u.a. die Orte «Deutschland, Braunau», «Vereinigte Staaten, San Jose», «Saudi-Arabien» und «Polen, Oswiecim» (Auschwitz) angegeben. Beim Aufruf einzelner Profile werden darüber hinaus teilweise auch Hakenkreuze und SS-Runen sichtbar. Am Donnerstag vormittag waren insgesamt 39 Profile auf den Namen Adolf Hitler angelegt, darunter sechs, die als «Land/Region» Deutschland angeben.
Goebbels, Goering, Mengele
Neben Hitler sind auch andere Nazi-Größen in den Skype-Verzeichnissen zu finden: Heinrich Himmler (Reichsführer-SS) wurde von sechs Nutzern in die Verzeichnisse eingetragen, Wilhelm Keitel (Skypename: «oberkommandeur.wehrmacht») findet sich zweimal. Vier Einträge tragen den Namen Josef Mengeles (Arzt im Vernischtungslager Auschwitz), ein Nutzer mit dem Skype-Namen «Vernichtungskrieg 666» hat sich als Julius Streicher (Herausgeber des «Stürmer») ins Verzeichnis eingeschrieben.
 |  Hitlers im Skype-Nutzerverzeichnis | Screenshot: nz |
|
Ein Screenshot im Blog zeigt das Profil von Hermann Göring, als Geburtstag wird der 12. Januar 1900, als Homepage www.gestapo.de angegeben. Auch auf dieser Seite ist ein Hakenkreuz zu sehen. Der in Odessa in der Ukraine lebende Christoph Wesemann ist bislang über Skype zu keinem der Nutzer durchgekommen. Er gibt aber zu, es auch noch nicht ernsthaft versucht zu haben. Der Netzeitung sagte er: «Es handelt sich vermutlich um Spinner. Aber sie sollten das nicht auf Skype tun dürfen.» Wesemann bloggt seit drei Monaten.
Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen
In einer ersten Stellungnahme zeigt sich die im Auftrag von Skype tätige deutsche PR-Agentur «selber überrascht». Ein Mitarbeiter der Agentur sagte der Netzeitung: «Wir hatten das noch nie.» In einer bereits am Mittwoch im Weblog von Christoph Wesemann veröffentlichten Antwort verweist die Agentur auf mögliche Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen von Skype. In diesen heißt es: «Sie dürfen nicht
(i) einen Nutzernamen einer anderen Person mit dem Vorsatz auswählen oder verwenden, sich als diese Person auszugeben,
(ii) ohne Genehmigung einen Namen verwenden, auf den eine andere Person Rechte hat,
oder (iii)einen Nutzernamen verwenden, den Skype nach eigenem Gutdünken als unangemessen oder anstößig ansieht.»
Außerdem ist dort zu lesen: «Sie dürfen über Skype keine Nutzermaterialien einreichen oder veröffentlichen, die beleidigend, verleumderisch, pornografisch, die Privatsphäre verletzend, obszön, ausfallend, illegal, rassistisch, anstößig oder für einen Minderjährigen schädlich sind oder eine Beeinträchtigung von geistigen Eigentumsrechten einer Drittpartei darstellen oder in sonstiger Weise die Rechte Dritter verletzen.» Ein offizielles Statement von Skype steht noch aus. (nz)