Am 10. und 11. Oktober in Berlin: 

netzeitung.deEbay-Showhaus: Wenn online offline geht

 Herausgeber: netzeitung.de

Kein Powerseller: Mini-Roboter im Ebay-Showhaus (Foto: Ebay<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kein Powerseller: Mini-Roboter im Ebay-Showhaus
Foto: Ebay
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Klein, aber fein, und unfreiwillig so wie die Webseiten des Unternehmens: Auf der am Freitag beginnenden Ebay-Ausstellung muss man nehmen, was man kriegen kann. Maik Söhler hat das Ebay-Showhaus in Berlin besucht.

Gestandene Online-Welten offline sichtbar zu machen, ist ein schwieriges Unterfangen. Wie soll man zum Beispiel Google visualisieren? Zeichnen Sie mal einen Datendienst oder stellen ihn köperlich dar. Vielleicht ginge eine Art Frage-Antwort-Spiel, aber damit wäre nur die Suchmaschine abgedeckt, nicht aber Maps, Earth, Gmail etc. Und Flickr? Oder Wikipedia?

Ebay, einst weltweit führendes Online-Auktionshaus, hat einen guten Weg gefunden, um jenseits der digitalen Sphäre auf sich aufmerksam zu machen und gleichzeitig einiges von dem zu zeigen, was die Plattform für Käufe und Verkäufe aller Art ausmacht. Wer will, der geht am Freitag und/oder Samstag zwischen 10 und 20 Uhr mal im sogenannten Ebay-Showhaus am Berliner Kurfürstendamm 193/194 vorbei und sieht sich das an.

Fast jede Ausstellung ist eine Auswahl, und nicht anders verhält es sich mit Ebay. Das Unternehmen zeigt auf zwei Etagen einen Querschnitt dessen, was alltäglich auf den Online-Seiten gehandelt wird: Technik, Mode, Einrichtungsgegenstände, Wichtiges und Abseitiges, Günstiges und Teures, Sachen von gestern, Dinge von heute sowie «Charity-Auktionen».

Einige Prominente wie die DSDS-Sängerin Francisca Urio, der Schauspieler Til Schweiger oder die Schwimmerin Britta Steffen versteigern auf Ebay ab Donnerstag etwas zugunsten eines wohltätigen Zwecks, wie die PR-Frau Marita Wünsch erklärt. Im «WOW!ichtig-Zimmer» bietet Urio ein privates Mini-Konzert an, ein Kleidungsstück Schweigers wird in zehn Tagen jemand anderen wärmen und auch Steffens Handy, mit dem sie nach ihren Olympia-Siegen ihre Familie anrief, wartet auf einen neuen Eigentümer. Wem der Erlös zugute kommen soll, entscheiden die Promis selbst.

Holodeck, Freakshow, Recyclinghof
Das «WOW!ichtig-Zimmer» ist unwichtig, weil langweilig. Es geht um unbelebte Dinge, die, wenn sie einmal online sind, vielleicht von der bei größeren Ebay-Auktionen üblichen Spannung profitieren können. Offline aber sind sie nur mit einem Namen, nicht aber mit einer Geschichte verknüpft.

Ganz anders im Zimmer «Freakshow». Hier werden seltsame Dinge ausgestellt, die mal in einer Auktion den Besitzer gewechselt haben. Das reicht von ganz klein (ein Eheringsarg) bis zu ganz groß (Kronleuchter aus dem Palast der Republik), von politisch (Konrad Adenauers Abstimmungskarten aus dem Deutschen Bundestag) bis total verstrahlt (Literflasche Leitungswasser). Dann ist da noch der wunderbare «Teilchenbeschleuniger» und man merkt, dass Ebay-Online jenseits der glatten Oberflächen und Powerseller-Shops viel Schönes in sich trägt.

Im «Holodeck» treffen die Welten alter und neuer Technik aufeinander. Gamer finden alte Computerspiele und neue Spielkonsolen, Freunde der mobilen Kommunikation haben die freie Auswahl aus 25 Jahren Handy-Geschichte, das Musikangebot reicht vom Mixtape bis zur MP3-Datei. Offline funktioniert das Aufeinanderprallen von Retro und Futur bestens, online sollte, wer ein Schnäppchen machen will, auch bei der Technik auf Tippfehler achten.

Mode, Recycling, 386-Euro-Zimmer
Der Raum «Jahrmarkt der Eitelkeiten» ist der Mode vorbehalten. Egal ob Neuware oder schon getragen, egal ob Vintage oder Nieten - Ebay zeigt offline, was im Winter 2008 auf Ebay online an Kleidung zu finden sein wird. Man hat einen Modestylisten gebeten, daraus diverse Winterkollektionen zusammenzustellen: «Schottenmuster», «Bohemian Gypsy», «Knallfarben» und Schmuck gehört auch noch dazu.

Obwohl das Zimmer «Freakshow» als Kuriositätenkabinett angekündigt wurde, finden sich die meisten skurrilen Angebote in einem anderen Zimmer, dem «Recyclinghof». «Da entrümpeln Leute ihren Keller und verdienen auch noch Geld damit», erklärt Frau Wünsch und verweist auf eine Sammlung von 380.000 Kronkorken, die der ehemalige Besitzer auf Ebay versteigerte - an einen Selbstabholer. Der Verkäufer erhielt schließlich 91 Euro dafür, und der neue Eigentümer hatte das Problem, die 850 Kilogramm schwere Sammlung nach Hause zu bringen. Auch leere, gebrauchte Joghurtbecher und Chipstüten haben erfolgreiche Auktionen hinter sich.

Das «386-Euro-Zimmer» schließt den Gang durch die Ausstellung ab. Hier stehen drei Sessel, Sideboard, Sofa, Tisch, Hocker und Regal, begleitet von Lampe und Teppich - und fertig ist die Zimmereinrichtung. Heutzutage soll das alles auch für unter 386 Euro zu haben sein. Interessanter als die Möbel sind die Tipps, wie man sie günstig auf Ebay erstehen kann.

Krise? Welche Krise?
Die Ausstellung ist gelungen, vieles ist unterhaltsam und übersichtlich. Anders also als bei Ebay-Online, in den Schlagzeilen war jüngst oft das Wort «Krise» zu lesen. Erstmals muss das Unternehmen im größeren Umfang Mitarbeiter entlassen, manche Nutzer beschweren sich in den Foren über zu wenige Auktionen und zu viele Powerseller, manche Powerseller meckern über das geänderte Bewertungssystem und die schlechte Zahlungsmoral der Kundschaft, alle zusammen nörgeln über das zu Ebay gehörende Bezahlsystem Paypal.

Von einer Krise will Leonie Bechtoldt, Senior Manager Unternehmenskommunikation bei Ebay Deutschland, nichts wissen. Ebay sei als beliebteste Shopping-Seite im Web fest etabliert, dass es mal Schwankungen gäbe, sei ganz normal und ein Zeichen sich ausdifferenzierender Märkte. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt sie, «die Auktionskultur bleibt ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots, aber auch die Seller kommen stärker zu ihrem Recht.» Gestartet sei Ebay vor guten neun Jahren als Auktionshaus, heute sei es ein weltweiter Online-Marktplatz, in Zukunft werde es die Seite der «great deals» sein.

Entlassungen, Ärger der Käufer und Verkäufer, Unzufriedenheit vieler Kunden mit Paypal? Dazu kann Leonie Bechtoldt nichts sagen, sie verweist an die zuständigen Kollegen und geht charmant zum ideellen Ebay-Nutzer über. Dieser könnte, äußert sie, doch die Ausstellung im Showhaus am Samstag zwischen seiner Visite bei Madame Tussauts und dem abendlichen Theaterbesuch einfügen.

Die wichtigen Fragen bleiben unbeantwortet, doch eines wird klar: Ebay ist online und offline identisch. Man kann dort einfach nicht alles bekommen, man muss halt nehmen, was man kriegen kann. Wer sich damit begnügt, ist aber gut bedient.