Spezial-Tastaturen und Mäuse für Spieler:
Wie die PC-Steuerung zum Luxus wird
07.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Dass Anbieter mit ihren speziellen Spieler-Tastaturen tatsächlich Erfolge feiern können, zeigt das Beispiel der Marke Logitech. Denn wer einmal in den diversen Foren zu den verschiedensten Spielen stöbert, wird immer wieder auf eine Bezeichnung stoßen: G15. Diese Tastatur gilt manchem Gamer mittlerweile als Nonplusultra in Sachen Bedienung.
Wie weit die Spezialisierung bei Tastaturen und Mäusen geht, zeigt sich beim Anbieter Raptor Gaming Technology in Hückelhoven (Nordrhein-Westfalen): Zielgruppe ist hier nicht vornehmlich der Gelegenheitsspieler, vielmehr sieht man sich als Spezialist für den wachsenden Bereich des E-Sports. Damit ist jener Bereich gemeint, in dem das Spiel längst kein Spiel mehr ist, sondern ein Wettkampf, bei dem es auch um hohe Preisgelder geht.
Auch bei den Mäusen will man den Spielern Feintuning ermöglichen. Dabei geht es nicht nur um verschiedene Größen oder die individuelle Einstellung der Gleiteigenschaften des Eingabegerätes auf dem Untergrund. Laut Dirk Schunk lässt sich bei bestimmten Modellen mit einsetzbaren kleinen Plättchen sogar das Gewicht der Maus in Stufen einstellen. So viel Detailverliebtheit führt auch dazu, dass sich der Hersteller nicht als bloßer Zubehörlieferant einstufen mag. «Wir sehen uns mehr als Sportgeräte-Hersteller», sagt Dirk Schunk.
Bleibt die Frage ob der Allerweltsspieler auch von den Extras profitiert, die einem E-Sport-Profi Vorteile bringen - was die Hersteller selbstverständlich bejahen. Daniel Visarius von der in München erscheinenden Zeitschrift «Gamestar» sieht das etwas anders: «Ein Normal-Spieler braucht so etwas nicht.» Vielmehr handele es sich bei solchen Geräten eher um Luxusobjekte. Wer auf die angepriesenen Extras verzichtet, kann auch mit herkömmlichen Eingabegeräten gut spielen - wenn er mit Überlegung an den Kauf geht. «Es gibt Mäuse und Tastaturen für 20 Euro, die alles haben, was man braucht.»
Auch bei einer Maus wäre im Grunde ein Test ratsam - wenn der Händler ihn denn erlaubt. «Gerade bei schnellen Bewegungen hält die Maus manchmal nicht Schritt», so Daniel Visarius. Daher sind zwar Angaben zur Abtastrate der Maus ein Hinweis, in der Realität kann es aber auch trotz theoretisch guter Werte sein, dass die Bewegung zu schnell für den Sensor ist und daher auf dem Bildschirm verzögert oder gar nicht umgesetzt wird. «Das kann man im Grunde nur durch Ausprobieren herausfinden.» Weil das aber eben nicht immer geht, ist es ratsam, sich vor einem Kauf zu informieren, wie die jeweiligen Geräte in Vergleichstests abgeschnitten haben.
Wichtig ist zudem die Zahl der verfügbaren Tasten einer Maus. Die beiden üblichen für den Links- oder Rechtsklick reichen für Spieler nicht immer. «Viele Spiele brauchen mehr als zwei Tasten», sagt Daniel Visarius. «Ein oder zwei Daumentasten - zum Beispiel für den Zoom - sollten schon sein.» Wenn solche Voraussetzungen erfüllt sind, dann ist es auch schon fast egal, ob Maus und Tastatur weiterhin diese seltsame Farbgebung zwischen Beige und Grau zeigen. (Heiko Haupt/dpa)

