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Handy-Nummern von Berliner Polizisten im Netz: 

Direkter Draht zur Polizei

07. Okt 2008 10:42
Dienstmütze eines Berliner Polizisten
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In Berlin organisierte die Gewerkschaft der Polizei Handys für Tausende Polizisten. Kurze Zeit später konnte jeder die Telefonnummern im Internet finden. Von Andreas Kopietz.

Die Handy-Nummer des Chefs einer Mordkommission? Oder die vom Schutzmann an der Ecke? Kein Problem. Eine Zeit lang konnte jeder, der sich im Internet zu den richtigen Seiten durchklickte, die Handynummern von Berliner Polizisten finden - vom SEK-Beamten bis zum Direktionsleiter. Wochenlang kursierten die Telefonnummern von rund 14.000 Berliner Polizisten im Internet.

Ein Unbekannter hatte sie veröffentlicht, nachdem die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im September ihren Mitgliedern Handys zur Verfügung gestellt hatte. Ihre Mitglieder sollten Dienstgespräche nicht mehr mit Privathandys führen, deren Kosten sie nicht ersetzt bekommen, sondern mit dem «GdP-Phone» kostenfrei telefonieren.

Initiiert wurde die Aktion im April von der GdP Sachsen, die zudem bundesweit die Nummern sämtlicher Teilnehmer auf einem Server verwaltet. Gesponsert werden die Telefone und die Gespräche im eigenen Netz von zwei privaten Firmen. Bislang nutzen die GdP-Mitglieder Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens die Telefone.

Nach Berlin soll auch Baden-Württemberg ausgerüstet werden, dann werden etwa 60.000 GdP-Mitglieder im GdP-Netz verbunden sein. Die Aktion soll so lange laufen, bis überall der Digitalfunk eingeführt ist.

PDF-Datei zum Download

In Berlin sind bisher etwa die Hälfte der 14.000 GdP-Handys verteilt, die Geräte und Nummern sind indes schon alle namentlich zugeordnet. Einige Wochen lang konnte jedes Mitglied über den passwortgeschützten Bereich von auf gdp-berlin.de das Telefonbuch als 265 Seiten lange PDF-Datei herunterladen.

Und bald standen die Daten in Internetforen und einer Download-Plattform. Auf Bitten der Berliner GdP haben die Anbieter die Dateien inzwischen entfernt. Die Gewerkschaft verteilt nun Flugblätter, in denen sie den Vorfall «nachdrücklich» bedauert. «Wer so verantwortungslos war, diese Daten frei zugänglich ins Netz zu stellen, wissen wir nicht», heißt es in dem Schreiben.

Dieter Großhans vom Berliner GdP-Landesverband sagt: «Wir haben umgehend reagiert und das Herunterladen aus dem geschlossenen Bereich unterbunden.» Derzeit arbeite man an einem neuen Telefonbuch, in dem nur die Nummern veröffentlicht sind, für die eine Einverständniserklärung vorliegt. Wer eine neue Nummer will, bekommt eine. «Bis jetzt hat sich aber nur ein Einziger gemeldet», so Großhans.

Ein bundesweites Problem?

Unklar ist, wie groß das Ausmaß des Datenmissbrauchs ist. Denn was einmal im Netz stand, könnte kopiert worden sein und erneut erscheinen. Gewerkschafter halten es zudem durchaus für möglich, dass auch aus anderen Bundesländern Telefonlisten ins Netz gelangen. Entsprechende Befürchtungen wurden schon vor dieser Panne geäußert.

Bei der GdP in Sachsen stießen solche Bedenken auf Unverständnis. Deren Sprecher Uwe Kleine sagt dazu: «Wenn ein Kollege Telefonterror ausgesetzt ist, dann nehmen wir seine Nummer vom Netz und er hat sofort Ruhe.»

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Berliner Zeitung«.

 
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