Glosse zum neuen Telekom-Datenskandal:
Bitte behalten Sie Ihre Handynummer!
06. Okt 2008 12:57
 |  Gut zu erreichen? Zentrale von T-Mobile in Bonn | Foto: dpa |
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Der Telekom sind mal wieder Kundendaten abhanden gekommen. Nun bietet T-Mobile der Kundschaft neue Rufnummern an.
Maik Söhler rät dringend davon ab, auf das Angebot einzugehen.
Wieder ein Datenskandal. Wieder die Telekom. Wieder eine Entschuldigung. Wieder von René Obermann. Nicht im neuerlichen Datendiebstahl liege das Problem, meinen Datenschützer. Sondern in der Telekom selbst.
Aber auch das greift zu kurz. Im Wirbel um das neuerliche Datenleck, diesmal sind 17 Millionen Kundendaten aus der Mobilfunksparte T-Mobile betroffen, geht ein kleiner Satz unter. Genauer: Ein Angebot. Noch genauer: Das Angebot, dass jeder T-Mobile-Kunde, der sich seiner Daten inklusive Handynummer nicht mehr sicher ist, kostenlos eine neue Rufnummer bekommen kann.
In der Service-Hölle
Wer einmal versucht hat, von einem anderen Anbieter zur Telekom, zu T-Mobile oder zu T-Online zu wechseln oder umgekehrt, seinen Vertrag dort zu kündigen und die Dienste eines Wettbewerbers zu bestellen, oder noch einfacher bei der Telekom eine Änderung in die Wege zu leiten – neue Nummer, Umzug, anderes Datenvolumen etc. -, der weiß: dagegen ist die Erstellung der Lohn- oder Einkommensteuererklärung samt ihrer digitalen Übermittlung via Elster (selbst unter Linux) ein Klacks.Nie ist jemand bei der Telekom zu erreichen, und wenn doch, ist er nicht zuständig; der Zuständige aber ist nicht zu erreichen, sein Vertreter ist nicht bevollmächtigt, und wenn doch, so fehlt ihm ein Memo oder eine Vorlage; die Kundennummer stimmt nicht mit den Vertragsangaben überein, und wenn doch, dann ist die Vertragskundenabteilung zuständig, hier aber spreche man mit dem technischen Support, eine direkte Weiterleitung sei aus technischen Gründen nicht möglich; man verbinde deshalb zurück zum Warteplatz des Call-Centers XY.
Und ewig scheppert die Warteschleife
Dort ist mittlerweile eine neue Bearbeiterin am Platz; alles muss neu erklärt, alle Daten wollen noch einmal genannt werden, zu allen eventuell Zuständigen wird erneut verbunden – zuständig aber sind sie immer noch nicht. Und mittendrin scheppern stundenlang die miesen Sounds der Warteschleifen. Das alles gälte es mit zigtausend zu multiplizieren, sollten die T-Mobile-Kunden nun ernsthaft dem Vorschlag des Unternehmens folgen und eine neue Rufnummer beantragen.Die bisherigen Datenskandale der Telekom – so bedenklich sie auch sein mögen – wären Randaspekte im Vergleich zu dem, was im Fall eines massenhaften Rufnummerwechsels samt zigtausenden Anträgen, endlos vergeudeter Zeit in den Warteschleifen der sogenannten Service-Center und heillos überforderten Mitarbeitern auf uns zukäme. Denn dann ginge bei der Telekom nichts mehr. Wenn Sie T-Mobile-Kunde sind, dann helfen Sie mit, die Telefonnetze in Deutschland intakt zu halten. Bitte behalten Sie Ihre Handynummer!