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Best of offener Kanal online

06. Okt 2008 09:27
Startseite des Webradios Quu.FM
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Radio an und es kommt das Übliche: Die «besten Hits der Achtziger, Neunziger und von heute». Nicht schon wieder. Also rein ins Netz und dort das Radio anmachen - Last.FM kennen viele, wer aber hört schon Byte.FM oder Quu.FM?

Es sind Tausende von Radiostationen: Klickt man im Internet auf Radioportale wie Shoutcast.com oder Radio.de, werben Sender aus aller Welt um Hörer: vom Campusradio Orléans über einen polnischen Smooth Jazz-Sender bis zu Digital Gunfire, das «düstere Klänge aus Wauwatosa, USA» verspricht. Die neuen Pioniere des Radios senden nicht auf UKW, sondern über DSL und Wlan.

Während das herkömmliche Musikradio seit der Einführung des privaten Hörfunks in den achtziger Jahren immer vorhersehbarer geworden ist, sorgen die steigende Zahl schneller DSL-Anschlüsse und die relativ niedrigen Kosten des Sendebetriebs dafür, dass sich immer mehr reine Webradios gründen. Zunehmend gehen auch ambitioniertere und aufwendiger produzierte Programme auf Sendung. Die Zukunft des Radios, so prophezeien viele, liegt im Netz.

Eines der erfolgreichsten Internetradios ist Last.FM, eine Mischung aus Musiksender und sozialem Netzwerk. Es wurde 2002 von Deutschen und Österreichern gegründet und ist heute in London ansässig. Im Mai 2007 kaufte der US-amerikanische Medienkonzern CBS Corporation das Unternehmen - für 280 Millionen Dollar.

Last.FM

Bei Last.FM bekommt jeder registrierte Nutzer ein individuell auf seinen Geschmack zugeschnittenes Musikprogramm, das mit Hilfe einer Computersoftware zusammengestellt wird. Das funktioniert ähnlich wie beim Internet-Versandhändler Amazon nach dem Prinzip: «Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, interessierten sich auch für folgende Artikel.»

Der Hörer gibt bei Last.FM seine Lieblingskünstler ein, die Software spielt dann Bands, die andere Hörer mit ähnlichem Musikgeschmack gut finden und empfiehlt weitere Gruppen, die dem Hörer gefallen könnten. Die Chance ist hoch, dass der Nutzer Musiker genannt bekommt, die er schon kennt und mag. Das implizite Versprechen ist, dass er so auch ihm bisher unbekannte Bands entdeckt, die ihm ebenfalls gefallen. Der Nachteil: Etwas wirklich Überraschendes wird er so nie kennenlernen, nie auf ein ganz anderes Musikgenre stoßen.

Byte.FM

Das genaue Gegenteil heißt Byte.FM. Viele Sendungen des Hamburger Webradios sind wie eine Wundertüte - der Hörer weiß nie, was ihn als Nächstes erwartet. Neue Deutsche Welle folgt auf Blues, Hildegard Knef auf Elektro. Dazwischen plaudern die Moderatoren über Popgeschichte, stellen Bezüge zwischen Musikern her, die oft nicht gerade auf der Hand liegen.

Byte.FM, Anfang dieses Jahres gestartet, verfolgt so einen Anspruch, wie ihn öffentlich-rechtliche Popwellen bis Mitte der neunziger Jahre erfüllten - bis deren zunehmende Anpassung an die private Konkurrenz zu weitgehend durchformatierten Programmen mit immer geringerer musikalischer Vielfalt führte. Dieser Anspruch der Byte.FM-Macher kommt nicht von ungefähr: Viele arbeiten seit langem für die ARD.

Das Beste aus den offenen Kanälen

Die Idee zu dem Webradio hatte Geschäftsführer Ruben Jonas Schnell, als er vom drohenden Ende eines Offenen Kanals las. «Ich dachte, man könne doch gute Musiksendungen von Offenen Kanälen recyceln», erinnert er sich. Durch seine Arbeit kannte der Musikjournalist Kollegen von verschiedenen ARD-Musikwellen. Als er denen von seiner Idee erzählte, boten manche gleich an, eigene Sendungen für das Webradio zu produzieren.

Heute moderieren bekannte ARD-DJs wie Klaus Fiehe von WDR 1live und Klaus Walter vom Hessischen Rundfunk bei Byte.FM. «Die Kollegen wollen der Musik, die sie lieben, den Platz widmen, den sie verdient», sagt Schnell.

Auch der Sänger der Hamburger Independent-Band «Die Sterne», Frank Spilker, hat seit kurzem eine eigene Show bei dem Sender. Der Idealismus ist groß, denn bislang arbeiten alle Mitarbeiter ehrenamtlich. Das soll sich bald ändern, wenn sich weitere Sponsoren für das werbefreie Programm finden. Zurzeit schalten bis zu 8.000 Hörer am Tag ein, Tendenz steigend. «Der Hunger der Hörer nach guten Musikprogrammen ist groß», sagt Schnell.

Quu.FM

Elf Prozent der Deutschen hören nach der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie mindestens einmal wöchentlich Webradio. «Alte Mediennutzungsgewohnheiten werden immer mehr mit dem Netz kombiniert», meint Harald König, Chef des im Mai gestarteten Quu.FM.

Auch dieses Webradio setzt auf ein moderiertes Programm, allerdings eher auf Infotainment als auf Musikjournalismus. Dafür konnte König Prominente wie Bärbel Schäfer oder den früheren MTV-Moderator Ray Cokes gewinnen, der ab Oktober in einer Show über seinen Umzug von London nach Berlin erzählen soll.

Ob Quu.FM, Byte.FM oder einer der ungezählten anderen Sender: Das Web ist ein Zufluchtsort für jeden, der die ewig gleichen «besten Hits der Achtziger, Neunziger und von heute» der UKW-Dudelradios satt hat. (Marcus Kirzynowski/epd)

 
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