Webzensur in China:
Wenn Skype stellenweise schweigt
03.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Fachleute beschreiben ein weitreichendes Überwachungsnetz bei dem Tom-Skype genannten Gemeinschaftsunternehmen, das die Skype-Mutter Ebay im Jahr 2005 mit Tom Online (Hongkong) in China gegründet hatte. «Unsere Enthüllungen zeigen beunruhigende Verstöße gegen die Sicherheit und Privatsphäre», heißt es in dem Bericht.
Die Erkenntnisse sind besonders brisant, weil viele in China bisher geglaubt hatten, die Verschlüsselung auf Skype schütze sie vor Beobachtung durch die Staatssicherheit, so dass der Dienst besonders unter Bürgerrechtlern beliebt war. Dagegen stellen die Forscher fest: «Vertrauen in eine bekannte Marke wie Skype ist eine unzureichende Garantie, wenn es um Zensur und Überwachung geht.»
Telefongespräche, die ebenfalls über Skype möglich sind, seien allerdings nicht betroffen. Die Forscher waren in der Lage, Millionen von Daten und die Informationen zu ihrer Entschlüsselung von diesen Servern herunterzuladen, da diese nach außen nicht gesichert waren.
Skype-Sprecherin Jennifer Caukin sagte dem «Wall Street Journal» in einer Reaktion, es sollte «niemanden überraschen», wenn die chinesische Regierung die Kommunikation in oder aus ihrem Land überwache. Das Unternehmen sei allerdings besorgt über Sicherheitsverstöße, die den Zugriff auf gespeicherte Daten ermöglichten. Tom sei informiert worden und habe die Probleme bereits behoben. Die Tom-Gruppe teilte dem Blatt ferner mit, «als chinesisches Unternehmen halten wir uns an Regeln und Vorschriften in China, wo wir unsere Geschäfte verfolgen». (dpa)

